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Folgt der Erholungsrallye die Rezession? Die Botschaften der Krisenpropheten im Plausibilitätscheck

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Folgt der Erholungsrallye die Rezession? Die Botschaften der Krisenpropheten im Plausibilitätscheck

Ein Kommentar von Matthias Buchholz und Sascha Rauschenberger

Die kapitalistischen Zielgrößen „Wachstum“ und „Gewinn“ wurden an den internationalen Wertpapierbörsen in den letzten 25 Jahren scheinbar mühelos erreicht – die Erwartungen an dieselben ins beinahe unermessliche, unersättliche hochgeschraubt. Doch wie wurde das Wachstum überhaupt erreicht? Durch starke Unternehmensleistungen? Durch Börsengänge und Aufnahme von Eigenkapital? Durch Inflation und Anpassung der Unternehmenswerte? Durch Kredite und Unternehmensanleihen?

Man sagt, dass aktuelle Börsenkurse die Zukunft und die Erwartungen des Marktes vorwegnehmen. Quasi die Zukunft widerspiegeln. Dass gewisse Entwicklungen, Marktzustände und Risiken in den Kursen „eingepreist sind“.

Doch ist das momentan so?

„Wirtschafts- und Globalisierungserfolge knicken coronabedingt ein – ist die rasante DAX-Erholung nur eine Blase?“

Und sind die Gewinne ausreichend, um all diese Verbindlichkeiten und Erwartungen zu erfüllen? Krisenpropheten sehen genau das nicht. Sie sehen in verschiedenen Bereichen der Wirtschafts- und Finanzsysteme Disbalancen, Blasenbildung, Überbewertung, existenzgefährende Überschuldung, etc..

„Krisenpropheten sehen eine massive Ansteckungsgefahr – eine um sich greifende Systemkrise, die am Börsenmarkt und Anleihemarkt startet, den Finanzmarkt angreift und letztlich auch in Währungskrisen resultiert.“

Doch Politik, Zentralbanken und große Investmentgesellschaften halten die Systeme bis dato mit allen Mitteln – vor allem aber immer neuen Krediten und Staatsanleihen – am Laufen. Dies hat wiederum dazu geführt, dass die meisten Indizes seit den massiven, coronakrisenbedingten Kurseinbrüchen bis Ende Juli eine V-förmige Erholung verzeichnet haben, die jedoch nicht nicht zahlenbasiert, sondern erwartungsbasiert begründbar ist.

„Während Insider wie Top-Manager aktuell verstärkt Aktien der eigenen Unternehmen verkaufen, suchen viele Kleinanleger günstige Einstiegskurse oder halten ihre Wertpapiere.“

Doch die Frage der Krisenpropheten bleibt berechtigt: Passen Wachstumserwartungen, Werte und Schuldenstände überhaupt noch zusammen? Und versteht der „gemeine“ Kleinanleger überhaupt, was alles in einem Aktienwert steckt und welchen Beeinflussungsfaktoren derselbe ausgesetzt ist?

„Früher oder später haben Krisenpropheten immer Recht – eines Tages fällt jeder Markt, eines Tages stagniert oder zerstört sich jedes Wachstum (selbst).“

Doch auch Krisenpropheten stehen in Kritik. Verdienen sie mit ihren markigen und provokanten Thesen doch selbst auch viel Geld mit Publikationen, Vorträgen und ggf. auch Wetten auf fallende Kurse. Bären versus Bullen – das ewige Spiel. Der Medienmarkt hat die Krisenpropheten längst als Kassenschlager entdeckt – und umgekehrt. Daher ist auch hier Reflektion und Vorsicht geboten.

 

Coronabedingte Konjunktureinbrüche mit Ansage

Der Stillstand der Wirtschaft, gestörte Lieferketten, einbrechende Umsätze und steigende Kündigungszahlen sorgen jedoch nach wie vor für große Verunsicherung und ernüchternde, volkswirtschaftliche Ergebnisse und absehbar geringere Kaufkraft.

So ist das BIP der USA in 2020 um über 10% eingebrochen (auf das Jahr gerechnet ca. 30%), die Wirtschaftsleistung von Deutschland im 2. Quartal um ca. 10%. Zahlreiche Großkonzerne vermelden in aktuellen Quartalsberichten hohe Verluste und Umsatzeinbußen, verkünden Sparmaßnahmen wie Stellenkürzungen und beantragen Staatshilfen. Die Rückgänge der Bruttoinlandsprodukte erinnern an die Krisen in 2008 und zu Zeiten der Großen Depression.

Und das Virus ist bis dato noch nicht besiegt und unter Kontrolle.

 

Der vergangene und aktuelle Kursrutsch als Einstiegschance – oder zeitnahe Gewinne ein Fata Morgana-Effekt?

In die Zukunft sehen können wir nicht – in der aktuellen Situation ist jedoch höchste Vorsicht geboten. Man kann die Lage als extrem volatil und nach wie vor hochriskant bezeichnen. Beachtenswert ist, dass sich in Deutschland auffällig viele gewerbliche Investoren aus Aktien zurückgezogen haben, während aktuell Privatanleger die Kursrallye treiben und den zuletzt stattgefundenen DAX-Kursrücksetzer als gesunde Korrektur bezeichnen. Die Hoffnung auf eine Fortsetzung der DAX-Rallye scheint bei Privatanlegern also noch vorhanden zu sein. Haben professionelle Investoren also zu früh verkauft?

In den USA ist das Bild quasi spiegelverkehrt – gewerbliche Wertpapierhändler sind noch hochgradig investiert in Aktien, während Privatanleger vorsichtig sind und eher aussteigen.

„Kleinanleger werden durch das aktuelle Börsengeschehen animiert und investieren ihr auf dem Girokonto quasi unverzinstes Geld an der scheinbar krisenresistenten Börse.“

Def. KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis):

Das KGV stellt den Gewinn/Aktie mit dem Kurs der Aktie in Relation. Der Aktienkurs wird durch den Gewinn je Aktie dividiert. Nicht zu verwechseln ist der KGV-Wert mit dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), das den Kurs der Aktie in Relation zum Buchwert der Aktie setzt.

KGV = Kurs der Aktie / Gewinn je Aktie

KGV-Werte können z.B. branchenspezifisch verglichen werden. KGV-Werte sind also variabel. Es finden sich einige Faustformeln für KGV-Werte, die aber immer genau inhaltlich und situationsadäquat geprüft werden sollten, um eine Bewertung einer Aktie mittels KGV durchzuführen. In der Regel werden KGV-Werte nicht isoliert betrachtet, sondern im Kontext verschiedener Kennzahlen, aktueller Entwicklungen und der Unternehmenssituation.

Aussagewert:

Ein positiver KGV-Wert sagt generell aus, dass das Unternehmen Gewinn erzielt. Je kleiner der KGV-Wert, desto höher der Gewinn je Aktie.

Ein negativer KGV-Wert sagt aus, dass das Unternehmen aktuell Verluste verzeichnet.

Ein steigender KGV-Wert sagt, dass die Gewinnsteigerungen im Vergleich zur Kurssteigerungen geringer ausfallen.

 

Vergleich von Kursen im Jahr 2015 / 2020 und KGVs 2019 / 2020:

  • Airbus Aktie (Kurs 2015: ca. 60 € | Kurs 2020: ca. 65 € || KGV 12/2019: ca. 23 | KGV 2020e: ca. 82 (Prognose))
  • Alphabet A Aktie (Kurs 2015: ca. 600 € | Kurs 07/2020: ca. 1250 € || KGV 12/2019: ca. 27| KGV 2020e: ca. 37 (Prognose))
  • Amazon Aktie (Kurs 2015: ca. 500 € | Kurs 07/2020: ca. 2800 € || KGV 12/2019: ca. 80 | KGV 2020e: ca. 160 (Prognose))
  • Apple Aktie (Kurs 2015: ca. 100 € | Kurs 07/2020: ca. 350 € || KGV 12/2019: ca. 18 | KGV 2020e: ca. 31 (Prognose))
  • Booking Aktie (Kurs 2015: ca. 1150€ | Kurs 07/2020: ca. 1400 € || KGV 12/2019: ca. 20 | KGV 2020e: ca. 115 (Prognose))
  • Caterpillar Aktie (Kurs 2015: ca. 65€ | Kurs 07/2020: ca. 110 € || KGV 12/2019: ca. 13 | KGV 2020e: ca. 28 (Prognose))
  • Daimler Aktie (Kurs 2015: ca. 80 € | Kurs 07/2020: ca. 37 € || KGV 12/2019: ca. 22 | KGV 2020e: ca. 71 (Prognose))
  • Deutsche Börse Aktie (Kurs 2015: ca. 130 € | Kurs 07/2020: ca. 153 € || KGV 12/2019: ca. 23 | KGV 2020e: ca. 23 (Prognose))
  • Delivery Hero Aktie (Kurs 2017: ca. 30 € | Kurs 07/2020: ca. 97 € || KGV 12/2019: ca. -23 | KGV 2020e: ca. -27 (Prognose))
  • Deutsche Wohnen Aktie (Kurs 2015: ca. 23 € | Kurs 07/2020: ca. 41 € || KGV 12/2019: ca. 8 | KGV 2020e: ca. 24 (Prognose))
  • Facebook Aktie (Kurs 2015: ca. 77 € | Kurs 07/2020: ca. 212 € || KGV 12/2019: ca. 32 | KGV 2020e: ca. 31 (Prognose))
  • HelloFresh Aktie (Kurs 2017: ca. 10 € | Kurs 07/2020: ca. 46 € || KGV 12/2019: ca. – 312 | KGV 2020e: ca. 37 (Prognose))
  • Lufthansa Aktie (Kurs 2015: ca. 13 € | Kurs 07/2020: ca. 8 € || KGV 12/2019: ca. 6| KGV 2020e: ca. – 1 (Prognose))
  • LVMH Aktie (Kurs 2015: ca. 150 € | Kurs 07/2020: ca. 370 € || KGV 12/2019: ca. 29 | KGV 2020e: ca. 42 (Prognose))
  • SAP Aktie (Kurs 2015: ca. 73 € | Kurs 07/2020: ca. 135 € || KGV 12/2019: ca. 23| KGV 2020e: ca. 27 (Prognose))
  • Siemens Aktie (Kurs 2015: ca. 90 € | Kurs 07/2020: ca. 110 € || KGV 12/2019: ca. 14| KGV 2020e: ca. 22 (Prognose))
  • Tesla Aktie (Kurs 2015: ca. 200 € | Kurs 07/2020: ca. 1250 € || KGV 12/2019: fünfstellig | KGV 2020e: ca. 1250 vllt. auch deutlich höher (abweichende, uneinheitliche Prognosen))
  • VW Aktie (Kurs 2015: ca. 110 € | Kurs 07/2020: ca. 133 € || KGV 12/2019: ca. 6 | KGV 2020e: ca. 17 (Prognose))
  • Zalando Aktie (Kurs 2015: ca. 30 € | Kurs 07/2020: ca. 62 € || KGV 12/2019: ca. 113 | KGV 2020e: ca. 210 (Prognose))

Rein TECH-getriebene Erholungsrallye am Aktienmarkt?

Offensichtlich ist die zuletzt stattgefundene Erholungsrallye am Aktienmarkt stark TECH-getrieben. Die Tech-Riesen überblenden mit ihren Kursanstiegen dabei die Verluste der vielen anderen. Dies ergibt einen Blendeffekt, der über den Ernst der Krise hinwegtäuscht.

Wenn dazu noch einzelne Unternehmen wie Amazon von ihrem Wert her den BIP-Werten großer Länder wie Kanada gleichen oder diese gar übertreffen und Vermögensverwalter wie Blackrock einen Großteil der weltweiten Vermögen verwalten, gibt es massive Machtverschiebungen mit globaler Auswirkung.
Die Monopolisierung (zumindest aber Oligopolisierung) der Macht am Güter-, Kapital- und Finanzmarkt — in Richtung einzelner Wirtschaftsunternehmen engt den Handlungsspielraum von Finanz- und Wirtschaftspolitik, aber auch kleinerer Unternehmen und Privatleute zusätzlich enorm ein. Sind diese Unternehmen gute Krisenmanager?

Zu beachten ist hinzu die steigende Gefahr eines Wirtschaftskonflikts zwischen den USA und China. Drohkulissen, Übernahme“angebote“ und angedrohte Sperrungen von Apps und Software in den jeweiligen Ländern, etc. – wie bei Huawei oder aktuell TikTok – sind symptomatisch. Der Wettbewerb um die besten, meist international agierenden Techkonzerne hat längst begonnen.

 

Große Spieler und ihre Produkte für Kleinanleger

„Kleinanleger sind in der Regel keine Wertpapierhandelsprofis und haben meist erhebliche Informationslücken und -nachteile gegenüber institutionellen Anlegern.“

„Große Investmentgesellschaften haben im vergangenen Jahrzehnt Investitionsprodukte wie ETFs geschaffen, die scheinbar risikoreduzierend sind, und Kleinanlegern den Einstieg ins Wertpapiergeschäft erleichtern sollen.“

Immer wieder betont wird von vielen „Finanzexperten“ auch, dass es doch auch Krisengewinner gebe, in die man investieren könne. Hier stellt sich aus unserer Sicht die Frage, ob – den Gesamtmarkt betrachtet – die Zahl der Krisengewinner, die der Krisenverlierer übersteigt und ob indexbezogene ETF-Produkte diese Relation angemessen berücksichtigen können. Das Risiko massiver Indexeinbrüche würde die ETF-Investoren (meist Kleinanleger) hart treffen.

Liste: Die großen Spieler am Wertpapiermarkt

  • Großbanken (z.B. J.P. Morgan, Goldman Sachs, HSBC, UBS, unicredit)
  • Investmentgesellschaften und Versicherungen (z.B. Blackrock, Vanguard, Berkshire Hathaway, DWS, Union Investment, Allianz Global Investors, Munich RE)
  • Börsenbetreiber (z.B. Deutsche Börse, London Stock Exchange, …)
  • Ratingagenturen (z.B. Moody’s, Fitch, Morningstar, Standard & Poor’s)
  • Zentralbanken / Notenbanken (z.B. EZB, Federal Reserve, Weltbank, IWF, etc.)
  • Wirtschaftsmedien (z.B. Bloomberg, Financial Times, finanzen.net, Handelsblatt, manager magazin, Wirtschaftswoche, Süddeutsche, FAZ, etc.)
  • Direktdepot-Anbieter, Investmentplattformen und -mittler (z.B. comdirect, ING-Diba, onvista, flatex, Smartbroker, etc.)
  • Family Offices
  • Finanzaufsicht
  • Finanzpolitiker
  • Wirtschaftsministerien
  • Finanzministerien
  • Emittenten von Wertpapieren
  • Wirtschaftsprüfer und Steuerberater als Helfer bei Börsengängen und bei Erfüllung von Informationspflichten
  • Unternehmenslenker, Aufsichtsräte und Business Insider
Def. ETF (Exchange Traded Fund)

Ein Exchange Traded Fund (ETF) ist ein börsengehandeltes Investitionspapier (ähnlich klassischen Aktienfonds), das inhaltlich einen bestimmten Aktienindex – z.B. den Dow Jones – und seine Entwicklung abbildet, ohne direkt in einzelne Aktien zu investieren.

Es wird daher auch als Indexfond bezeichnet, der sich parallel zu dem gesamten Aktienindex entwickelt. Mit einem einzelnen ETF-Wertpapier kann so in ganze Märkte / Branchen investiert werden, ohne alle Aktien eines Index einzeln erwerben zu müssen. Dies wird als Vorteil für Kleinanleger gesehen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, da die ETF-Werte – wie bei Aktienfonds – Risiken, Chancen und Schwankungen des Marktes ausgesetzt sind.

Beispiele ETFs:

    • LYXOR ETF MSCI WORLD
    • COMSTAGE ETF DAX TR
    • UBS ETF MSCI WORLD SOCIALLY RESPONSIBLE A
    • iSHARES DAX ETF
    • LYXOR ETF MSCI WORLD INFORMATION TECHNOLOGY TR
    • DB X TRACKERS DAX ETF
    • Comstage ETF MSCI World TR
    • ISHARES NASDAQ 100 DE
    • DB X TRACKERS MSCI WORLD TRN INDEX ETF
    • iShares Nasdaq 100 ETF

Was können Kleinanleger tun?

Die V-förmige Erholung ohne Bindung an harte wirtschaftliche Daten und Resultate und entgegen der Prognosen von Wirtschaftsweisen und Managerumfragen wie Sentimentsanalysen birgt hohe Gefahren für die Kleinanleger. Was, wenn z.B. der mittelfristig krisenbereinigte, reale Wert des DAX doch nur bei 7.000-8.000 Zählern liegt? Wer zahlt die Lücke zu den 13.000 Punkten von heute?
Es werden wohl eher nicht die gut abgesicherten Großinvestoren, sondern wahrscheinlich doch eher die schwach besicherten, schlecht informierten Kleinanleger sein. Hält die Politik die Indizes durch Rettungspakete künstlich hoch, trifft es zwar weniger die Kleinanleger, dafür aber wohl die Steuerzahler – die große Deckungsgleichheit des betroffenen Personenkreises sollte uns klar sein. Dieser Berg an neuen Schulden wird dann wohl noch zahlreiche zukünftige Generationen belasten. Wir starten ja bereits mit sehr hohen Schuldenständen.

Was ist ratsam?

  • Fokus auf Aktien, die Primärbedürfnisse bedienen (Gesundheit, Lebensmittel, Zuhause, etc.) – Stichwort: Maslowsche Bedürfnispyramide
  • Analystenchecks für Kursziele prüfen (Wie weit von durchschnittlichen Kurszielen entfernt? Oberhalb/unterhalb?)
  • Zielanalyse (Wohin will das Unternehmen?)
  • Aktuell profitabel oder nicht? (grün / rot)
  • Medienanalyse (Was vermeldet das Unternehmen? Was vermelden andere über das Unternehmen?)
  • Risikostreuung – Assetklassen, Kontinente/Länder, Branchen, Unternehmen in Branchen
  • Absicherungen über Trial-Stop-Loss-Order
  • Cashquote hoch halten
  • Sentimentsanalysen beobachten
  • Was tun die Top-Manager der Unternehmen? (Kaufen, Halten, Verkaufen?)
  • Nicht auf Start-ups setzen – häufig noch in Verlustzone / Investoren und Kreditgeber wollen ihre Risiken minimieren / aussteigen / Kleinanleger ins Risiko/Boot holen. Faustregel im Hinterkopf behalten 9 von 10 Startups scheitern.
  • Nicht auf mediengehypte Unternehmen setzen – zumindest nicht ohne Stopkurse.
  • Emotionscontrolling und emotionales Marketing des Unternehmens betrachten (s. Beitrag >>)

Querblick Immobilienmarkt – Ansteckungsgefahren und andere Assetklassen mit ähnlichen Entwicklungen

Doch nicht nur der Aktienmarkt scheint überhitzt. Ähnliche Entwicklungen sind z.B. im Immobilienmarkt von statten gegangen. Häufig reagiert der Immobilienmarkt jedoch etwas träger auf wirtschaftliche Einbrüche als der Aktienmarkt – erst verlieren Menschen ihre Jobs, anschließend wird das Geld knapp für Miete oder Immobilienkredit. Die amerikanische Subprime-Krise, mit faulen Immobilienkrediten und wankenden Banken, sollte den meisten von uns noch in Erinnerung sein.

„Der Immobilienmarkt zeigt an vielen Orten der Welt ähnliche Investitionsanreize und Blasenbildungen auf – scheinbar günstige Immobilienkredite treffen auf deutlich überhöhte Immobilienpreise.“

Das Problem ist vielerorts noch nicht gelöst worden, sondern auch in wirtschaftlich starken Ländern wie Deutschland hat sich die Gefahr der Bildung von Immobilienblasen in reale Gegebenheiten gewandelt. Warum? Es ist eine ungesunde Mischung aus zu hohen bis gierigen Immobilienpreisen (teils maklergetrieben, teils staatsgetrieben (Stichwort Bodenrichtwerte), teils architekten- und baufirmengetrieben, teils durch zu günstige Kreditkonditionen und Niedrigzinspolitik bedingt) und Anreizen zur Kreditaufnahme zu scheinbar dauerhaft niedrigen Sollzinsen.

Die Versuchung, ein per se zu teures Immobilienobjekt auf Pump zu kaufen. Und reicht es doch nicht zu einem komplett eigenen Objekt, bieten Investitionsplattformen den Einstieg ins Immobiliengeschäft auf Mikroinvestmentbasis ab 250 €. Scheinbar risikoarm, aber auch ausreichend besichert?

 

Fazit – Kleinanleger sind besonderen Gefahren ausgesetzt

Kleinanleger sind in der aktuellen Situation besonderen Gefahren ausgesetzt, die Rezessionsgefahr ist keineswegs abgewendet.

Professionelle Anleger und Wertpapieremittenten haben in der Regel einen Informationsvorteil und wissen diesen zu nutzen. Spezielle, insb. für Kleinanleger konzipierte Anlageprodukte wie ETFs versprechen Risikodiversifizierung über Indexabbildung, vernachlässigen jedoch die Gefahr allgemeiner Marktabschwünge, wie jener erste coronavirusbedingte Markteinbruch, der durchaus noch eine Fortsetzung haben könnte – dann wohl mit deutlich langsamerer Erholung (verglichen mit der überhasteten zuletzt stattgefundenen Erholungsrallye).

Weiterhin nutzen gerade auch institutionelle Anleger diverse und zum Teil auch automatisierte Tools, die in Bruchteilen von Sekunden klar definierte Kurssprünge oder auch -einbrüche nutzen, um das eigene Portfolio abzusichern. Notfalls auch Positionen zu streichen. Und exakt das passiert im automatisieren Handel schneller, als selbst beobachtende Kleinanleger live selbst machen könnten. Ihr Mangel an Reaktionsfähigkeit würde sie zum ersten Opfer machen. Gerade ohne klar definierte Haltelinien in ihrem Portfolio.

Diese Gefahr wird sträflich unterschätzt. Auch die Möglichkeit, dass der automatisierte Handel durchaus so schnell die Kurse nach unten drückt, dass der Handel ausgesetzt wird, was dann (Not-)Verkäufe unmöglich oder zu einem zusätzlichen Risiko macht.

Das Spiel mit der Hoffnung ist für Privatanleger eine Gefahr. Gelingt es den Unternehmen / dem Markt nicht, die geweckten Hoffnungen zu erfüllen, drohen mittel- bis langfristig hohe Depotverluste, gerade bei den Privatanlegern, die nicht jene Absicherungsinstrumente gewerblicher Anleger kennen und zur Verfügung haben. Generell stellt sich also die Frage, welche Unternehmen es schaffen, die Ertragserwartungen zu erfüllen und welche nicht – ergänzt um die zeitliche Dimension (bis wann?).
Wie es der Fall Wirecard zeigt, werden z.T. auch – mutmaßlich gezielt – falsche Erwartungen bei den Anlegern geweckt. Wer kurzfristig investiert hat oder Day Trading betrieben hat, konnte evtl. Gewinne verbuchen. Wenn Lügen jedoch nur kurze Beine haben, bleiben für langfristig orientierte Investoren die Gewinne aus. Und manchmal droht eben auch ein Totalverlust.

Und wie es scheint, ist durch Wirecard auch offensichtlich geworden, dass Kontroll- und Überwachungsmechanismen ausgehobelt werden konnten, die für einen Börsenplatz unerlässlich sind. Das Vertrauen in Bilanzprüfer und damit auch den Börsenkursen zugrunde liegende Geschäfts- und Zahlungsprozesse offensichtlich hinterfragt werden müssen. Sie vielleicht nicht so stimmig sind, wie es dokumentiert wurde.

Ergo sich gerade Privatanleger, die in aller Regel nichts außer den veröffentlichten Prüfberichten als Entscheidungshilfe hatten, einem erhöhten Risiko ausgesetzt sehen müssen.

Darüber hinaus ergibt sich auch ein Druck auf Kleinanleger, die sich in risikoaversiven Investments zur Zeit dem Null-Zins-Risiko ausgesetzt sehen. Ihr Kapital nicht mehren können. Noch nicht mal mehr die Inflation erwirtschaften können und sogar von Negativzinsen bedroht sind.

Das wird am Markt weidlich ausgenutzt. Der potentielle Anleger wird mit diversen Anlegemöglichkeiten quasi überschüttet. Ob Kryptowährungen oder Edelmetallsparverträge. Das nicht mehr verzinste Geld am Markt schreit nach neuen Anlageformen.

Und die Börse als über Jahrzehnte institutionalisiertes und daher risikominimierendes Instrument zu sehen ist schlicht falsch.

Die Börse ist zu einem Marktsegment geworden, wo unterschiedliche Interessen zusammentreffen. Die Refinanzierung von Unternehmen trifft auf Investoren (klassisches Verständnis), diese auf Fonds und Investmentgesellschaften und diese nochmals auf Hedgefonds mit völlig anderen Interessen. Und dann gibt es da die Zocker, die mit Hilfe von komplexen Instrumenten und Lücken in Gesetzen Kurse so manipulieren, dass sie „attraktiv“ werden. Für was für Ideen auch immer. Und dazu setzen sie Kapital ein, das sie oft gar nicht haben. Nutzen dabei den Hebel von Optionsscheinen, um mit wenig Kapital ganze Branchensegmente zu bewegen. Nach oben, wie auch nach unten. Und das im automatisierten Handel. Machen so durch Hebel und automatisierte Anpassungen mit selbst kleinsten Schwankungen ihr Geld und verschwinden wieder, während die Nachwehen dieser „Spekulation“ dann turbulent werden. Meist weitere Verluste, gern als Kursberichtigung bezeichnet, verursachen.

„Wie sollte sich der Kleinanleger bildlich sehen?“

Wie ein Kunde im Discounter. Er darf rein. Kann seinen Einkaufswagen vollladen und zur Kasse schieben. Nur zwischenzeitlich ändert sich ständig der Preis seiner Waren. Auch die verfügbare Anzahl. Oder deren Qualität. Und während er physisch seinen Wagen zur Kasse bewegt, handelt/bestellt/zahlt der Rest online. Sogar mit der Option auf den Inhalt und den Wert seines Einkaufs zuzugreifen. Und am Ende, an der Kasse hofft dann der Kleinanleger einen Einkauf an Land zu ziehen, wie er im wöchentlichen Prospekt qualitativ und quantitativ ausgelobt wurde. Dass seine Zeit, seine Mühe und sein Einsatz sich gelohnt haben überhaupt zu kommen. Und dabei setzt er auf Fairness, gesetzliche Bestimmungen und die Fähigkeit der Aufsichtsführenden, dass er nicht unter die Räder kommt. Nicht betrogen wird. Durch falsche und irreführende Produkte. Den Zertifikaten darauf. Herstellerversprechungen.

Und nun denken wir mal an Wirecard – einen Fall, der per se gar nicht wirklich etwas mit Corona zu tun hatte. Das war so ein Produkt im Börsendiscount, das sich viele in den Einkaufswagen gepackt haben. – Und ? Zufrieden?

Bleibt uns zu sagen: „Spielen ist menschlich, Irren leider auch! Bleiben Sie aufmerksam.“ Und immer die Omafrage hinsichtlich Risiko und Plausibilität des Investments stellen: „Hätte meine Oma das auch so gemacht?“ – Manchmal reicht das schon …

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Titelbild: makunin (pixabay.com)


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