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“Wirtschaftswunder 3.0″ – wie kann es aussehen und worauf kommt es aus Ihrer Sicht besonders an? – 3 Fragen an: Prof. Dr. Björn Ivens

 In Deutschland, Europa, Ludwig Erhard Symposium, Nürnberg

CM: Prof. Ivens, ein “Wirtschaftswunder 3.0″ –

wie kann es aussehen und worauf kommt es aus Ihrer Sicht besonders an?

Prof. Dr. Björn Ivens:
Ein Wirtschaftswunder 3.0, 4.0 oder höher muss die wesentlichen gesellschaftlichen Trends in sich vereinen. Dies sind unter anderem Digitalisierung, Nachhaltigkeit sowie die intelligente Vernetzung von Mensch und Technik.

Digitalisierung beschleunigt Prozesse, vereinfacht sie, erlaubt Globalisierung und erhöht Verfügbarkeit von Dienstleistungen. Sie erlaubt es, Menschen miteinander zu verbinden, vor allem aber auch Interaktionen von Menschen mit Maschinen zu vereinfachen.

Dabei müssen wir zugleich stets im Auge behalten, dass unsere Ressourcen begrenzt sind und technischer Fortschritt immer auch nachhaltiger Fortschritt sein muss. Innovationen müssen sowohl ökologisch als auch sozial sein. Sie dürfen die Gesellschaft und die nur in eng definierten Grenzen belasten.

Die intelligente Vernetzung von Mensch und Technik bleibt dabei die größte Herausforderung. Denn bei allem Fortschritt und bei aller Faszination, die innovative Technologien der Digitalisierung bringen, so bergen sie doch Risiken in sich. Beispielsweise stellt sich die Frage, welches Vertrauen in digitale Medien und digitale Kommunikation gesetzt werden darf, welche Daten gefährdet sind und welche Schutzmaßnahmen zu treffen sind. Auch die Balance zwischen einem Leben in der realen Welt und der virtuellen Welt ist nicht einfach zu wahren. Nicht nur Kinder verbringen schon heute große Zeitanteile in virtuellen Umgebungen. Wie die Menschheit den Sinn für die Realität und ihre Erfordernisse bewahren kann, wenn Menschen zunehmend in virtuellen agieren, ist für mich eine der Kernfragen der Zukunft.

CM: Wie wird das Thema Nachhaltigkeit in Ihrem Markt behandelt?

Prof. Dr. Björn Ivens:
Mein Markt sind Forschung und Bildung, an Universitäten und in der Weiterbildung von Führungskräften.

Nachhaltigkeit hat dabei mindestens zwei Facetten: Sie ist einerseits Inhalt der Bildung. Wir müssen aktuellen und künftigen Führungskräften nachvollziehbar die Herausforderungen von Corporate Social Responsibility und Sustainability nahebringen. Wir müssen aufzeigen, welche Verantwortung Manager tragen und welche Instrumente sie haben, diese Verantwortung im Arbeitsleben sinnvoll einzusetzen. Dabei ist wichtig, welche gesetzlichen Regelungen sowie darüber hinaus gehende Normen zu beachten sind.

Zum anderen ist Nachhaltigkeit Bestandteil verschiedener Forschungsprojekte. So versuchen wir, zu verstehen, wie Unternehmen Nachhaltigkeit berücksichtigen, zum Beispiel in der Produktentwicklung oder im Produktlebenszyklus. Wir untersuchen Erwartungen von Kunden an nachhaltige Produkte und auch die Frage, ob nachhaltige Produktmerkmale zu erhöhten Zahlungsbereitschaften bei Kunden führen.

CM: Wohin geht die Reise in Ihrer Institution?

Prof. Dr. Björn Ivens:
Deutsche Universitäten müssen sich auf neue Marktverhältnisse einstellen. Ihr Umfeld hat sich in den letzten Jahren globalisiert. In vielen Ländern sind Professoren und Studierende international zusammengesetzt. Deutsche Universitäten beschäftigen noch immer im Wesentlichen deutsche Professoren.

Viele Studiengänge werden auf Deutsch unterrichtet, doch sollten wir auch im Sinne der Wirtschaft zunehmend ausländische Nachwuchskräfte anziehen, um den Fachkräftemangel abzufedern. Dies wird nur gelingen, wenn wir zumindest englischsprachige Studiengänge in der Breite anbieten, so wie in anderen Ländern.

Dies sind nur einige wenige Herausforderungen. Bislang reagieren nur wenige Institutionen mit einer strategischen Neuausrichtung.

CM: Prof. Ivens, vielen Dank für Ihre Zeit und die gewonnenen Einsichten.

Wir wünschen Ihren Studenten und Ihnen alles Gute und nachhaltigen Erfolg!

 


 

Zur Person
Prof. Dr. Björn Ivens ist Inhaber des Lehrstuhls für Marketing an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg sowie Vorstand der Nürnberger Akademie für Absatzwirtschaft, einem führenden Anbieter von Management-Trainings.

Zur Institution:
Die Otto-Friedrich-Universität ist eine geisteswissenschaftlich orientierte Universität mit ca. 13.550 Studierenden. Der Lehrstuhl für Marketing forscht zu Themen in Kundenmanagement, Preismanagement und Markenmanagement.

Die Nürnberger Akademie für Absatzwirtschaft ist einer der traditionsreichsten Anbieter von Weiterbildungs-Dienstleistungen im deutschsprachigen Raum. Sie ging aus den absatzwirtschaftlichen Seminaren hervor, die Ludwig Erhard und sein wissenschaftlicher Mentor Wilhelm Vershofen, Gründer der GfK, vor ca. 80 Jahren an der Handelshochschule Nürnberg ins Leben riefen.

 

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