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Automatisierung im Marketing – ohne eine Zeile Code zu schreiben
Wie sich wiederkehrende Arbeitsabläufe mit visuellen Baukasten-Tools ohne Entwickler und ohne Programmierkenntnisse automatisieren lassen und unter welchen Voraussetzungen der Aufwand wirklich zu einer dauerhaften Zeit- und Kostenersparnis führt.
Ein Fachartikel von Markus Bockhorni, GF der eMBIS GmbH
Was steckt hinter dem Begriff No-Code-Automation?
No-Code-Automation meint die Automatisierung von Arbeitsabläufen mithilfe visueller Tools, bei denen keine Programmierzeilen geschrieben werden müssen. Gerade im Zusammenhang mit KI Automatisierung im Marketing eröffnet dieser Ansatz neue Möglichkeiten, wiederkehrende Aufgaben effizienter zu gestalten, Inhalte schneller vorzubereiten oder verschiedene Marketing-Tools sinnvoll miteinander zu verbinden.
Statt einen Entwickler zu beauftragen, baut man Prozesse nach dem Baukastenprinzip zusammen: Einzelne Tools und Dienste werden per Maus miteinander verbunden, indem man bildlich gesprochen einen Pfeil von einer Anwendung zur nächsten zieht.
Das Grundprinzip dahinter ist die klassische Wenn-Dann-Logik – wenn in System A etwas passiert, soll in System B eine definierte Aktion ausgelöst werden. Diesen Auslöser nennt man in der Fachsprache den Trigger.
Welche Aufgaben im Marketing lassen sich damit wirklich automatisieren?
Besonders hohes Potenzial entfaltet No-Code-Automation überall dort, wo wiederkehrende Aufgaben anfallen Im Marketing-Alltag betrifft das vor allem die Content-Produktion, zum Beispiel im SEO oder GEO (Generative Engine Optimization), wenn regelmäßig relevante Themen, Suchintentionen, Nutzerfragen oder Inhalte für KI-Suchsysteme recherchiert und bewertet werden müssen. In der Praxis ließe sich folgender typischer Content-Workflow automatisieren:
- KI-Tool A sammelt selbstständig Themen auf Webseiten und YouTube-Kanälen
- KI-Tool B bewertet die Ergebnisse nach Relevanz und mit einem Scoring-Wert und listet die Ergebnisse in einer Tabelle auf
An diese Recherche-Themen-Automation lässt sich nahtlos eine weitere Automation anschließen, die aus den am besten bewerteten Themen automatisch Blog- oder LinkedIn-Beiträge formuliert.
Ähnlich lassen sich diese Marketing-Aufgaben automatisieren:
- Newsletter-Marketing
- Reporting
- Administrative Aufgaben wie das Sortieren eingehender Dokumente nach Typ – Rechnungen, Schreiben, Verträge
Welche Tools eignen sich für den Einstieg?
Drei Namen tauchen in Fachkreisen immer wieder auf: Zapier, Make.com und N8N. Zapier gilt als der einsteigerfreundlichste Tool, weil die Bedienung besonders übersichtlich ist. Der Nachteil: Wer an die Grenzen von Zapier stößt, muss seine Automationen mühsam in einem anderen System neu aufbauen. Make.com bietet mehr Möglichkeiten, verliert aber gegenüber N8N zunehmend an Bedeutung.
Die stärkste Empfehlung gilt aktuell N8N – aus mehreren Gründen: Das Tool verfügt über eine sehr aktive und schnell wachsende Community, eine Vielzahl an frei zugänglichen Video-Tutorials und eine kostenlose Community Edition, die sich sowohl lokal auf dem eigenen Rechner als auch auf einem eigenen Webserver betreiben lässt. Wer gleich mit einem leistungsfähigen System starten möchte, anstatt später umzusteigen, liegt mit N8N richtig.
Wie geht man bei der Umsetzung am besten vor?
Der wichtigste Schritt vor jeder Automation ist Klarheit über den eigenen Prozess, den man automatisieren möchte. Hierfür lohnt es sich, den Arbeitsablauf auf Papier zu skizzieren: Welche Schritte werden wirklich durchlaufen. Oft zeigt sich erst beim genauen Hinschauen, dass der Prozess selbst noch Lücken hat.
Der nächste Schritt ist, diesen Prozess zunächst manuell zu testen – mehrfach, mit echten Daten. Eine fehlerhafte Logik im manuellen Ablauf ist leicht korrigiert. Ist die Automation erst gebaut, ist die Fehlersuche deutlich aufwendiger.
„Die besten Automationen entstehen nicht durch möglichst viele Tools, sondern durch klare Prozesse. Erst wenn der Ablauf manuell funktioniert, lohnt es sich, ihn mit KI und No-Code-Tools zu automatisieren.“
Stefan Ponitz, KI-Experte und eMBIS-Trainer
Lohnt sich der Aufwand – und wie hoch ist die Zeitersparnis wirklich?
Die Rechnung geht auf, sobald es um wiederkehrende Aufgaben geht. Ein Newsletter, dessen Erstellung bisher zwei bis drei Stunden dauerte, lässt sich mit einer funktionierenden Automation auf Knopfdruck ausgeben.
Zwar erfordert der Aufbau einer solchen Automation zunächst ordentlich Invest – Einarbeitung in das Tool, Prozessdefinition, Aufbau, Tests. Aber dieser Aufwand amortisiert sich schnell, wenn die automatisierte Aufgabe langfristig ein- oder mehrmals pro Woche oder Monat anfällt.
Braucht man wirklich keine Programmierkenntnisse?
Das No-Code-Versprechen hält einer nüchternen Betrachtung nur teilweise stand. Der visuelle Aufbau von Workflows funktioniert tatsächlich ohne das Schreiben von Code. Sobald jedoch Fehler auftreten oder externe Dienste angebunden werden sollen, kommt man um ein solides technisches Grundverständnis nicht herum.
No-Code-Automations basieren stark auf JSON-Datenstrukturen – einem standardisierten Format für den Datenaustausch zwischen Systemen. Wer diese Strukturen nicht lesen kann, hat Schwierigkeiten, Fehler zu diagnostizieren.
Auch der Begriff API-Schnittstelle (eine standardisierte Verbindung zwischen zwei Softwaresystemen) ist in diesem Kontext alltäglich. Ohne zu wissen, wie eine API grundsätzlich funktioniert, stößt man bei der Anbindung externer Tools schnell an Grenzen.
Welche Fallstricke lauern auf dem Weg zur funktionierenden Automation?
Fallstricke lauern insbesondere bei diesen drei Aufgaben:
- Fehlerbehandlung: Eine Automation läuft im Hintergrund – man schaut ihr in der Regel nicht zu. Wenn ein externes System eine Fehlermeldung zurückgibt und die Automation einfach abbricht, merkt man das oft erst Tage später. Es braucht daher von Beginn an eine Benachrichtigungslogik, die bei Fehlern einen Hinweis sendet.
- Datenqualität: KI-gestützte Automationen sind nur so gut wie die Daten, die ihnen zur Verfügung gestellt werden. Gerade wenn Daten aus verschiedenen Web-Analyse-Tools und -Anwendungen zusammengeführt oder weiterverarbeitet werden, sind Testläufe mit definierten Zieldaten und ein direkter Vergleich zwischen manuell erstelltem und automatisch generiertem Output unverzichtbar.
- Fehlende Dokumentation: Eine Automation, die nach einem halben Jahr niemand mehr versteht, ist kaum zu erweitern oder zu korrigieren. Wer von Anfang an festhält, was in jedem Schritt passiert, spart sich später erheblichen Aufwand.
Drei Fragen, die vor jedem Automationsprojekt beantwortet sein sollten
Vor dem Start in die No-Code-Automation lohnt es sich, drei konkrete Fragen zu klären:
- Welche Aufgabe eignet sich zur Automatisierung. Der größte Hebel liegt bei Tätigkeiten, die täglich oder wöchentlich auf die gleiche Weise ausgeführt werden.
- Wie sieht der ideale Prozessablauf aus? Das Ziel muss klar definiert sein, bevor auch nur ein einziger Workflow gebaut wird. Was soll am Ende herauskommen? Welche Eingabe führt zu welchem Ergebnis?
- Welche Systeme nutze ich – und lassen sie sich anbinden? Nicht jede Software bietet offene Schnittstellen. Manche CRM-Systeme oder branchenspezifische Anwendungen sind technisch weitgehend geschlossen und lassen sich nur schwer in eine Automation einbinden.
Fazit
No-Code-Automation liefert echten Mehrwert – aber nur, wenn der Begriff richtig eingeordnet wird. „No-Code“ bedeutet nicht „kein Aufwand“, sondern eine niedrigere Einstiegshürde bei gleichzeitig steigenden Anforderungen an Prozessdenken, Datenqualität und Toolverständnis.
Wer ohne klares Ziel automatisiert, produziert lediglich automatisierte Beliebigkeit. Wer hingegen klein startet, Engpässe identifiziert und Workflows sauber aufsetzt, kann No-Code gezielt nutzen, um Marketingprozesse messbar effizienter zu machen.
Der entscheidende Hebel liegt damit nicht im Tool, sondern in der Fähigkeit, Prozesse strukturiert zu denken und iterativ zu verbessern.

Titelbild: Kelly Sikkema (unsplash)
