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Corporate-Startup-Kooperationen – Wie steht es im Spiel “Deutschland : International”? Perspektiven von Dr. Martin Sundermann, Partner Osborne Clarke München

 Themen: Corporate Venture, Deutschland, Europa, Finanzen & Reporting, Finanzsektor & Versicherung, Management & Strategie, Mergers & Acquisitions, München, Private Equity, Recht & Steuern, Start-up-Kooperation, Start-ups, Venture Capital, Wirtschaftsrecht

Conplore Magazine:
Corporate-Startup-Kooperationen – Wie steht es im Spiel “Deutschland : International”? Ursachen dafür?

Dr. Martin Sundermann:

Nach einer aktuellen Umfrage sind unter den internationalen TOP 100 CV Investoren gerade einmal fünf aus Deutschland, und die belegen nicht einmal vordere Plätzen. Deutschland hinkt nicht nur bei Venture Capital, sondern auch bei Corporate Venture weit hinter dem Ausland zurück, insbesondere den USA.

Die großen Corporates, aber auch der Mittelstand haben viele Jahre die Chancen der Zusammenarbeit nicht erkannt. Es war wegen der guten Geschäftsentwicklung vielleicht auch nicht notwendig, sich für andere zu öffnen.
Das Thema der Kooperationen ist in der DNA vieler deutscher Unternehmen nicht in gleichem Maße verbreitet, wie dies in anderen Ländern der Fall ist. Der Deutsche hält gerne seine Erfolge unter Verschluss und öffnet sich nur ungern Dritten – oft nicht einmal dem eigenen Nachwuchs.

Viele haben geglaubt, dass sie von sich alleine wettbewerbsfähig bleiben können. Erst durch die Digitalisierung mit ihren gravierenden Veränderungen etablierter Märkte in allen Industriebereichen und unter dem Druck globaler Konkurrenz sind viele aufgeschreckt – und fürchten, durch disruptive neue Technologien und Geschäftsmodelle abgehängt zu werden.

Conplore Magazine:
Wie können Corporate-Startup-Kooperationen auch in Deutschland besser funktionieren?

Dr. Martin Sundermann:

Es hilft wenig, ausländische Modelle einfach zu kopieren. Die deutschen Besonderheiten müssen berücksichtigt, Modelle für deutschen Markt entwickelt werden. Insbesondere ist es zu kurz gedacht, typische US amerikanische Corporate Venture Fondsstrukturen einfach in Deutschland zu übernehmen.

Viel wichtiger ist die strategische und operative Verzahnung von Groß und Klein, wobei die Eigenständigkeit beider Seiten gewahrt werden muss. Daher sollten die Partner sich nur im Ausnahmefall gesellschaftsrechtlich verzahnen, sondern mehr über strategische Allianzen nachdenken: Forschungs-, Entwicklungs-, Vertriebs- und Produktionskooperationen).

Beteiligungen sollten in erster Linie passiv gestaltet sein, z.B. stille Beteiligungen oder Genussrechte. Nur wenn der Exit an den Corporate bzw. Alternativlösungen bei mangelndem Interesse oder fehlender Zielerreichung klar geregelt ist, sollten offene Beteiligungen in Form von Geschäftsanteilen gewählt werden.

Conplore Magazine:
Ein Positivbeispiel?

Dr. Martin Sundermann:

Die Firma mantro GmbH, ist ein dynamisches Beratungsunternehmen im Bereich Digitalisierung, das selbst innovative Geschäftsmodelle ausgründet. Die Gesellschaft hat ein alternatives Modell entwickelt, wie sie ihre Kreativität und Flexibilität bei der Entwicklung neuer Produkte und Geschäftsmodelle in der digitalen Welt großen Corporates zur Verfügung stellen kann. Dabei werden die wechselseitigen Aufgaben in der Zusammenarbeit mit dem Corporate vorab mit diesem besprochen und definiert – von der Ideengenerierung bis zu einer möglichen finalen Übergabe des Produktes oder des Geschäftsbetriebes.

mantro ist insbesondere der Ideengeber und kreative Part, der ohne Risiko für den Corporate Ideen entwickelt, testet und validiert. Der Corporate steuert seine Ressourcen bei, neben der Finanzierung insbesondere auch Know-how, was spätere Phasen der Entwicklung angeht, z.B. Produktionsaufbau, großflächiger Vertrieb etc. Beide Seiten bleiben aber voneinander gänzlich unabhängig und teilen sich die Chancen und Risiken des Projektes. Damit bündelt mantro die in der jeweiligen Organisationsstruktur liegenden Vorteile bei der Produktentwicklung, ohne die notwendigen Freiheitsgrade im jeweils eigenen Bereich beschränken zu müssen.

Conplore Magazine:
Ihr Rat für deutsche Unternehmen und Gründer?

Dr. Martin Sundermann:

Kein Unternehmen ist groß und stark genug, gegen den gesamten Markt zu schwimmen. Daher sollte sich jeder auf seine Stärken besinnen und all das, was andere womöglich besser können, an diese abgeben. Die Möglichkeiten von Kooperationen sind fast unbegrenzt und haben ein ungeheures Potenzial für alle Beteiligten.

Es geht dabei weniger um Geld, als um die intelligente Zusammenarbeit im operativen Bereich. Anstelle alle für ihre Leistungen zu bezahlen, bündelt man die Kräfte und teilt Chancen und Risiken zwischen den Kooperationspartnern geschickt auf. Dadurch sinkt der Kapitalbedarf, die Kosten in der Anlaufphase werden reduziert und durch die allein am Erfolg orientierte Wertschöpfung aller die Chance eines Erfolges erhöht.

Wer bereit ist, sich hier zu öffnen, auf andere mit intelligenten Modellen zuzugehen und andere Wege einzuschlagen, wird sich ein ungeheures Innovations- und Wachstumspotenzial erschließen können.

Conplore Magazine:
Herr Dr. Sundermann, vielen Dank für die spannenden Einblicke, Ihr Engagement und die fundierten Ratschläge!

 


 

Über Dr. Martin Sundermann:

Dr. Martin Sundermann berät deutsche und internationale Unternehmen bei M&A-Transaktionen im Small- und Mid-Cap Bereich. Zudem begleitet er Investoren wie Unternehmer bei Beteiligungsgeschäften im Bereich Private Equity und Venture Capital. Zu seinen Schwerpunkten gehören die Begleitung von Management-Beteiligungsprogrammen sowie die Gestaltung und Strukturierung von geschlossenen Fonds.

Neben Finanzinvestoren und Unternehmen aus dem In- und Ausland berät Martin Sundermann insbesondere auch junge Unternehmer und Existenzgründer, Inkubatoren und Technologietransfergesellschaften beim Auf- und Ausbau ihrer Unternehmungen. Er hat langjährige Erfahrung bei nationalen und grenzüberschreitenden Akquisitionen und Finanzierungen.

Martin Sundermann studierte und promovierte in Bonn und ist seit 1995 als Rechtsanwalt zugelassen.

Er ist einer der Gründungspartner des Münchner Büros von Osborne Clarke und war davor bei einer wirtschaftsprüfungsnahen internationalen Kanzlei in München, Mailand und New York als Partner tätig.

Martin Sundermann ist ausgebildeter Wirtschaftsmediator und hält regelmäßig Vorträge insbesondere zu den Themen Technologieausgründungen sowie Strukturierung und Finanzierung von Start-Ups.

Über Osborne Clarke:

Osborne Clarke berät Unternehmen in allen relevanten Bereichen des Wirtschaftsrechts. Insgesamt über 800 Berater in Berlin, Hamburg, Köln und München sowie 16 weiteren Büros weltweit verbinden industriespezifisches Know-how mit einer erstklassigen Rechts-Expertise – und schaffen damit wirtschaftlichen Mehrwert. Die marktführende VC-Praxis berät Start-ups, Corporates und Investoren in allen Phasen. Die Kanzlei ist regelmäßig unter den Top 20 M&A-Beratern für Midsize-Transaktionen.

Mehr Infos unter: Unternehmenswebseite >>.

(Quelle: Dr. Martin Sundermann)


Redaktioneller Eventtipp:
Treffen Sie Dr. Martin Sundermann in München. Er referiert auf der 1. Fachkonferenz zum Thema “Start-up-Kooperation” im Februar 2017.

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