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Datenvisualisierung & Wirtschaftsgrafiken für Unternehmensberater: Die häufigsten Fehler, Best Practices & nützliche Präsentationstools – Im Dialog mit Raymond Stäß

 In Consulting & Coaching, Deutschland, Digitalisierung, Europa, IT / EDV & Infrastruktur, Marketing & Kommunikation

Beitrag von: Raymond Stäß

Conplore Magazine:
Hallo Herr Stäß, Sie waren 8,5 Jahre bei McKinsey & Company Manager in der Grafik-Abteilung.
Das klingt nach Präsentationen über Präsentationen – wo liegen heute Ihre Arbeitsschwerpunkte als Berater?

Raymond Stäß:

Hallo Herr Buchholz, herzlichen Dank für die Einladung!

Ich arbeite mit Unternehmensberatern/-innen, die ihre PowerPoint-Kommunikation verbessern möchten.

Schon bei McKinsey hatte ich täglich mit Kollegen zu tun, deren visuelle Kommunikation an den Kunden vorbeiging. Zu komplex, zu detailliert, zu bunt, verwirrend, unverständlich heißt es oft, aber auch generisch, abgehoben, angeberisch, behäbig, langweilig, uninspiriert oder hässlich.

Know-how über das Kommunizieren mit Schaubild- oder Datengrafiken hilft vielen schnell weiter. Besonders wertvoll ist diese Perspektive für Berater, die sich wenig mit Grafik befassen, etwa weil ihre Spezialisierung in Organisationsentwicklung, wirtschaftlichen oder technischen Themen liegt.

Ich helfe heute Unternehmensberatern mit spezifischen Trainingseinheiten oder Serien von Coaching-Sessions effektive Präsentationen zu gestalten. Wenn die Zeit drängt, dann konzipiere oder überarbeite ich aber auch einzelne Präsentationen.

Conplore Magazine:
Was kennzeichnet eine effektive Präsentation im Beratungsumfeld?
Wie präsentiert man Zahlen und Daten weniger trocken?

Raymond Stäß:

Eine Slide-Präsentation soll den Kunden helfen einen mündlichen Vortrag zu verstehen. Sie ersetzt den Vortrag nicht, sondern sie unterstützt ihn. Mit den einzelnen Folien setzt sie schrittweise Statements, die das im Augenblick Gesprochene schnell verständlich auf den Punkt bringen.

Diese Informationsverdichtung hinzubekommen ist maßgeblich für den Erfolg der Präsentation. Gelingt dies nicht, verlieren die Zuschauer beim Lesen, Interpretieren und Hinterfragen der Slides den Anschluss an den mündlichen Vortrag – Stichwort “Death by PowerPoint”.

Zahlen und Daten derweil sind trocken. Aufregend sind meist eher die Geschichten dahinter, und das Erzählen ist Sache des Vortragenden. Die in der Geschichte vorkommenden Trends, Peaks etc. grafisch hervorzuheben verbindet die Folie mit dem Vortrag.

Conplore Magazine:
Die häufigsten Fehler bei der Visualisierung von Daten?

Raymond Stäß:

Über Visualisierungsstilblüten könnte ich ein Buch schreiben.

Ein häufiger Fehler ist die Beschränkung auf persönliche Lieblingsmotive – Pfeile, Ausrufezeichen, CAPs, oder bestimmte Frameworks, die im Übermaß eingesetzt werden. Hier hilft es seinen grafischen “Wortschatz” zu erweitern.

Ablenkendes Beiwerk tritt auch häufig auf. Viele Diagramme, etwa aus Excel importiert, sind voll von Gitterlinien u.dgl. Der Statistik-Professor Edward Tufte rät dazu möglichst nichts anderes als die Datenpunkte in einem Diagramm abzubilden, damit der Betrachter sich ungestört darauf konzentrieren kann.

In Beratungspräsentationen wird die zumutbare Informationsdichte je Folie oft falsch eingeschätzt. Typischer Weise setzt sich das mittlere Management mit mehr Details auseinander als die Direktorenebene, was man auch an den Schaubildern sieht.
Auf C-Level sind die Runden noch kleiner, die Interaktion höher, die Präsentation reißt Inhalte an, die schon bekannt sind. Hier sind es die Dramaturgie und das Design der Präsentation, die eine Atmosphäre schaffen, in der Entscheidungen auf den Weg gebracht werden können.

Conplore Magazine:
Best Practice – Beispiele aus dem Bereich Datenvisualisierung?

Raymond Stäß:

Dazu können Sie auch mal nach Tufte googeln. Sie finden dann eine unglaublich dimensions- und datenreiche Darstellung von Napoleons Russland-Feldzug.

Conplore Magazine:
Tools zur Datenvisualisierung und Erstellung von Wirtschaftsgrafiken, die Sie begeistern?

Raymond Stäß:

Ich bin mit PowerPoint ganz glücklich. Es ist weit verbreitet und macht deshalb den organisationsübergreifenden Austausch leicht.
Es gibt dafür ein Add-on zu erwerben, ThinkCell, dessen Features zur Erstellung und Bearbeitung von Diagrammen ich sehr gut finde.

Speziell für Datenvisualisierung bin ich ein großer Fan von Tableau. Es ist sehr leicht zu bedienen und liefert beeindruckende Visualisierungen von Daten. Hier sind wir aber eher im Bereich Business Intelligence. Damit lerne ich meine Daten zu verstehen, um später einen Auszug daraus zu präsentieren.

Conplore Magazine:
Pie-Charts, Balken, Gantt-Diagramme, Tableaus und Infografiken – Wohin geht die Reise bei der visuellen Präsentation von Daten?

Raymond Stäß:

Die klassischen Diagrammtypen halte ich für zeitlos. Die Erkenntnis, dass unser Gehirn damit am besten arbeiten kann, ist weitläufig etabliert, deshalb erwarte ich hier keine Revolution.

Kreative Infografiken werden sich weiter entwickeln, Modetrends werden dort einfließen, aber ich sehe hier keine Verbindung zum Beratungsalltag.

Business Intelligence Output direkt präsentierbar zu machen, im Corporate Design, vielleicht mit AI-gestützten Vorinterpretationen der Daten – da sehe ich großes Potenzial für die kommenden Jahre.

Conplore Magazine: Herr Stäß, vielen Dank für Ihre Zeit und die spannenden Ratschläge.

Wir wünschen Ihren Klienten und Ihnen alles Gute und erfolgreiche Präsentationen!

 


 

Zur Person Raymond Stäß:

Raymond Stäß war 12 Jahre bei McKinsey & Company und dort meist mit dem Aufbau von Grafikabteilungen betraut. Weitere berufliche Stationen waren bisher die Leitung eines Grafik-Software-Start-up und Tata Consultancy Services.

Zum Unternehmen:

Raymond Stäß ist selbständiger Berater für Wirtschaftsgrafik und Datenvisualisierung.

Basierend auf umfassender Erfahrung in der internationalen Abteilung für Präsentationsgrafiken einer der renommiertesten Unternehmensberatungen verhilft er Unternehmensberatern zu effektiveren Präsentationen und Reports.

Das Angebot zum Enabling umfasst spezifische Trainingseinheiten und Coaching-Serien. Die Konzipierung oder Überarbeitung einzelner Präsentationen ist ebenfalls möglich.

(Quelle: Raymond Stäß)

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