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Werden Entrepreneure Unternehmensberater ersetzen? Was können Consultants von Startups lernen? – Im Gespräch mit Dr. Christian Lüdtke von etventure

Unternehmen: etventure

Conplore: Glauben Sie, Unternehmensberatung wird es auch noch in 20 Jahren geben? Warum?

Dr. Christian Lüdtke:

Ja, Beratung als solche wird es auch in 20 Jahren noch geben.
Denn die derzeitigen und zukünftigen Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft, allen voran die Digitalisierung, stellen Unternehmen vor große Herausforderungen. Insofern wird der Bedarf nach Beratung wohl eher zu- als abnehmen.

Allerdings: Die klassische Unternehmensberatung wie wir sie heute kennen, schafft sich gerade ab. Denn in Zukunft werden ganz neue Ansprüche an die Beratung gestellt. Es wird nicht mehr ausreichen, mit analytischen und damit leider häufig auch über-komplexen Slide-Decks zu glänzen. Die Erwartungen der Kunden gehen ganz klar in Richtung Umsetzungskompetenz – ein Bereich, der bei vielen Beratungen nicht gerade in der DNA liegt.

Conplore: Werden Entrepreneure Unternehmensberater ersetzen? Auf welche Art und weshalb?

Dr. Christian Lüdtke:

Entrepreneure sind die Berater der Zukunft. Denn sie bringen die Fähigkeiten und Kompetenzen mit, die in einer digitalen Welt gebraucht werden: Neben digitalem Know-how sind dies vor allem unternehmerisches Mindset, innovatives und agiles Denken und Arbeiten sowie Risikobereitschaft.

Die Leistungen der klassischen Unternehmensberater werden zukünftig hingegen nicht mehr gebraucht. Die Daten, ein Herzstück von Strategieberatungen, und deren Analysen werden aktueller und effizienter durch Computerprogramme ersetzt.
Zumal die Entscheidungen der Beratungen bislang auf historischen Daten beruhen. Wer auf dieser Basis Maßnahmen ableitet, läuft Gefahr in die falsche Richtung zu gehen. Man kann und darf nicht mehr von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen.

Auch die „Helikopter-Mentalität“, von oben in ein Unternehmen einzusteigen und das reine Präsentieren einer Powerpointvorlage, entspricht nicht mehr dem heutigen Zeitgeist. Wir von etventure arbeiten dagegen unternehmerisch mit dem Kunden im Team zusammen, hören zu, vermitteln Know-how und Innovationsmethodiken auf Augenhöhe, setzen direkt gemeinsame Digitalprojekte um und entwickeln Neugeschäft.

Für diese Herangehensweise fehlt vielen Beratungen schlicht die nötige Kompetenz und Kultur. Denn die dafür notwendigen Eigenschaften werden bislang von Beratungen nicht wertgeschätzt und gefördert: Das Prinzip des Up-or-Out fördert letztlich keinen Kompetenzaufbau, sondern einen massiven Verlust von Talenten. Echte digitale Entrepreneure, die etwas bewegen wollen, gehen nicht zu McKinsey und Co., sondern zu einem Startup oder eben Digitalunternehmen.

Infografik: Deutschlandstudie Digitalisierung (etventure)
Mehr Details zur Studie unter: Link

Conplore:
Was können Unternehmensberatungen von Startups lernen?

Dr. Christian Lüdtke:

Startups arbeiten nach einem völlig anderen Prinzip als Unternehmensberatungen: Nach dem Motto „Fail fast and cheap“ werden Lösungen und Geschäftsmodelle frühzeitig mit einem klaren Fokus auf den Kunden bzw. den Nutzer getestet. Auf diese Weise lässt sich schnell erkennen, welche Idee Potenzial hat und welche nicht. Dafür braucht es das richtige Mindset: Fehlerkultur und innovatives Denken statt Perfektion, Hands-on-Mentalität und Kreativität statt Hochglanz-Strategien. Diese Mentalität kann man sich aber nicht „antrainieren“ – Startup muss man leben, um es zu begreifen.

Und nicht zuletzt: Wer Talente langfristig an sich binden will, muss ihnen zukünftig mehr bieten als ein stattliches Gehalt. Die Top-Absolventen von heute suchen sich Arbeitgeber, bei denen sie etwas bewirken, die konkreten Unternehmensprobleme lösen und Verantwortung übernehmen können. Sie wollen anerkannt und gefördert werden, und trotzdem noch ein Leben neben dem Job haben. Dafür braucht es eine offene Unternehmenskultur, die man in den klassischen Beratungen bislang eher selten findet.

Conplore: Ihr Tipp für die Unternehmensberater von heute?

Dr. Christian Lüdtke:

Unternehmensberater müssen ihr Angebot und ihre Art zu arbeiten, von Grund auf verändern. Disruption ist nicht nur ein Schlagwort, welches die Untenrehmen betrifft, sondern ganz konkret auch die Unternehmensberatungen. Wer sich selbst aber den Herausforderungen einer digitalen Zukunft und – damit einhergehend – den veränderten Ansprüchen von Unternehmen und Nachwuchskräften nicht stellt, kann auch seine Kunden niemals glaubwürdig beraten. Hier gibt es viel Nachholbedarf und viele, auch sehr etablierte Unternehmensberatungen werden vom Markt verschwinden. Das ist meine feste Überzeugung.

Conplore: Herr Dr. Lüdtke, vielen Dank für Ihre Zeit und die gewonnenen Einsichten.

Wir wünschen Ihren Klienten und Ihnen alles Gute und nachhaltigen Erfolg!