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Der SPIEGEL-Sündenfall Claas Relotius – Der Märchenprinz und die sog. Lügenpresse

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Der SPIEGEL-Sündenfall Claas Relotius – Der Märchenprinz und die sog. Lügenpresse

Der Artikel umfasst die fünf ehemals bei der Kasaan Times erschienen Teilartikel zu dem Fanal der deutschen Presse, dem Sündenfall des Journalismus an sich, der tiefer kaum sein könnte: den Fall Claas Relotius vom SPIEGEL…

Inzwischen ist klar, dass es durchaus noch tiefer geht, denn das, was DER SPIEGEL als Aufklärung veröffentlicht hat, zeigt nur, dass das System „Relotius“ journalistisch gewollt war. „Sag dem Leser, was er lesen will … oder soll?“ Augstein würde sich im Grab umdrehen.

 

Teil 1: Der Neue Märchenprinz

DER SPIEGEL sah sich selbst das das „Sturmgeschütz der Demokratie“. Einem Waffensystem der Wehrmacht, das nur diese verwandt hat. Also einer Waffe deren Nennung damals als Zugpferd für das Marketing galt und über die Jahrzehnte durch eigenes nicht ganz ideologiefreies Zutun als Naziwaffe bezeichnet werden könnte. Genauer: DER SPIEGEL würde ein Sturmgeschütz heute dem Leser schlicht als Naziwaffe verkaufen wollen. Eben weil es so nun in sein Weltbild passt.

Julius Streicher wäre als Herausgeber des Völkischen Beobachters niemals auf den Gedanken gekommen zu sagen, dass sein Blatt journalistischen Standards gerecht werden soll. Er sah es auch als eine Art Waffe an. Einer Waffe, die als ideologische Speerspitze die „guten Stuben“ der Deutschen erreichen sollte. Die den politischen Gegner verunglimpfen, diffamieren und unglaubwürdig machen sollte. Metaphern wie Ratten, Schlangen, Wölfe und Läuse wurden dabei als gelungene und einprägsame Bilder für den Leser verstanden.

Wenig erstaunlich, dass solche Blätter heute kaum dem entsprechen, was da Standesethos von Journalisten heißt. Was da nun als die „Verpflichtung zur Wahrheit“ gepriesen wird aber letztlich im Kampf um Auflage und mediale Bedeutung gern einmal unter die Räder kommt.

Im Kampf um Auflage, Werbequoten und Abonnenten hat sich DER SPIEGEL aber vom einstigen „Sturmgeschütz der Demokratie“ zum Rohrkrepierer dessen entwickelt, was es mal verteidigen wollte. Er ist zu einer Gefahr für eben diese Demokratie geworden.

Doch zurück zu dem Mann, der als der Märchenprinz des deutschen Journalismus angesehen werden kann: Claas Relotius.
Jahrgang 85 und damit jung genug, um in jeder jugendgläubigen Firma automatisch als Visionär und Erfolgsmensch angesehen zu werden. Erfolgsverwöhnt, hochgejubelt und öfters für etwas ausgezeichnet, was in seinem Beruf eigentlich normal sein sollte: der Wahrheit. Letzter ist für Journalisten so wichtig wie bei einem Pianisten die Kenntnis um Noten.

Doch Herr Relotius spielte in einer ganz anderen Liga. Einer Liga, die sich in der Laudatio zum Deutschen Reporterpreis 2018 zu folgenden Worten zu dessen Arbeit so lasen: „von beispielloser Leichtigkeit, Dichte und Relevanz, der nie offenlässt, auf welchen Quellen er basiert“.

Stimmt. Sprachlich schon fast als Kunstwerk zu betrachten, flüssig und verständlich geschrieben mit dem fast schon unbedingten Hang einprägsam zu sein. Relevanz durch eine beispielhafte Art anhand von Alltagssituationen dem Leser quasi ins Hirn zu hämmern. Wahrheit greifbar wie auch unmittelbar glaubhaft zu machen.

Leider ging es nicht um Wahrheit. Noch nicht einmal um Fakten. Es waren nette auflagensichernde Märchen aus dem Reich des Wunsches. Und Herr Relotius war der Prinz, der diese Wunschmärchen wahr gemacht hat. Er schrieb das, was Gesellschafter und Chefredaktion des SPIEGEL gern hören wollten. Ihren Lesern gern „rüberbringen“ wollten. Und da das der „Kleine Prinz“ eben so gut machte, dass die Leser hier „mit dem Herzen sehen konnten“, erhielt er Preise. Mehrfach. Von einer Branche, die sich bei ihre Verpflichtung zur Wahrheit gern selbst feiert. Und es ist erstaunlich, dass dieser Preis- und Auszeichnungssegen aus einem Dunstkreis derer kommt, die eben alle diese Märchen gern nutzten. Für ihre Zwecke. Fast all diese Preise waren hauseigene Produkte, die auch zum Eigenmarketing genutzt wurden.

Natürlich war DER SPIEGEL nun empört, sah sich als Opfer und tat nahezu alles, wirkliche ALLES(!!), um den Schaden zu begrenzen, den „dieser arme junge Mann, der immer nur Gutes wollte“ da angerichtet hat. Merke: der gewissenlose Youngster von einst wurde zum „jungen Opfer seines Talents“ stilisiert. Kinderchen muss man vergeben… „Reporters for Future“ könnte da Demo-Motto der Jugend werden.

Doch das tun wir. Und DER SPIEGEL hätte auch unser Mitgefühl. Wenn es da nicht die Gesellschafter und die Chefredaktion gäbe. Zu unterstellen, dass sie es mit der Wahrheit genauso halten würde wie Julius Streicher wäre schlicht verwerflich. Ihnen seinen „Standesethos“ zu unterstellen wäre falsch. Ihnen eine an den Völkischen Beobachter heranreichende berufliche wie auch ideologische Verblendung zu unterstellen auch falsch. Vielleicht sogar unfair.

Nur muss sich DER SPIEGEL nun irgendwo zwischen falsch verstandenen Standesethos und eben diesem reinen populistischen Hetzmedium einordnen lassen – und das abseits derer, die Journalismus anders begreifen als eben DER SPIEGEL.

Warum?
Märchen und Hetze sind nämlich Teil dessen, was das einstige Sturmgeschütz zum Rohrkrepierer gemacht hat. Allein bildlich schon hat DER SPIEGEL selbst daran mitgewirkt…
Wenn wir uns nicht nur an die Märchen von Herrn Relotius orientieren, sondern auch die bewussten Diffamierungen politisch anders Denkender erinnern, zum Beispiel an die Trump-Karikatur als Miss Liberty im US-Wahlkampf, dann ist DER SPIEGEL, damals immerhin kritisiert, zu etwas geworden, was ein modernes Magazin auszeichnen könnte, wenn es nur um Marketingerfolge geht. Als Produkt journalistischer Qualitätsarbeit war schon damals dieses Cover nicht zu sehen…

Das störte aber keinen weiter, man klopfte sich wohl in der Chefetage auf die Schultern und freute sich über den gelungenen Marketingcoup. Und wartete auf einen neuen Artikel des Herrn Starreporters, der in märchenhaftem Stil und Eloquenz erneut die Herzen der Leser sehend machte.

Man könnte nun sagen, dass die Gier nach ideologischer linker Weltverbesserei solche Leute wie Herrn Relotius erst möglich machen konnte. Märchenerzähler, die uns Assad zum Tyrannen machen, Trump zu einem Mörder und alles andere was nicht passt und ideologische Statements hinterfragt zu … Nazis???

DER SPIEGEL hat als ordentliches Pressemedium versagt. Interne Kontrollinstanzen waren so wirkungsvoll wie ein nicht vorhandenes Sieb und der Journalist, der es aufgedeckt hat wurde im Hause angefeindet. Und wie das aussieht können viele deutsche Journalisten mit Sicherheit besser erzählen als ich, die dem System SPIEGEL zum Opfer gefallen sind. Auch ein Punkt, der hier mal erwähnt werden sollte, bevor die Taschentücher vom SPIEGEL weiter verteilt werden.

Doch warum dieser Akt der Selbstzerfleischung des Magazins. Warum „going public“ mit der eigenen Unfähigkeit das zu tun, was Wahrheit gebietet? Eigentlich schon immer nötig gemacht hat?

Das hat nur drei Gründe:
Einerseits ist im digitalen Zeitalter auch für eine Meinungsschmiede wie DER SPIEGEL es kaum mehr möglich Skandale zu vertuschen. Die Konkurrenz sitzt immer schon mit am Redaktionstisch. Es wäre also sowieso herausgekommen.

Dann ist da der Marketingaspekt zu sehen. Bad News sind Good News. Selbst dieser Skandal verkauft sich noch. Man will wissen WAS das Magazin nun dazu zu sagen hat. Man profitiert von dem fast schon perversen Trieb des Lesers mehr darüber wissen zu wollen WAS ALLES falsch war.

Bei der Gelegenheit kann man dann auch gleich mal festlegen, was der Leser erfährt (erfahren soll und darf) und was besser nicht.
Bei 50-60 falschen/erfundenen Märchenartikel konnte das zu einer einträglichen Serie werden!

Und deshalb ist es auch opportun die pure neue Wahrheit möglichst mit eigenen selbst ernannten Experten herauszufinden. Als „Aufklärer“ in der Sache sich selbst im eigenen Gremium an die Spitze dessen zu stellen, was dann neue Wahrheit heißen wird.

Das ist nicht verwerflich, der Versuch ist immerhin legitim. DER SPIEGEL wäre sicher der erste gewesen, der VW gestatten hätte das im Diesel-Skandal ähnlich zu machen… So haben wir das Magazin kennen- und schätzen gelernt. Präsident Trump fragen wir besser nicht, wie ihm im Wahlkampf das Cover gefallen hat, denn der könnte etwas befangen sein. Ironie hin oder her.

In Summe wurden wir also in ein neues Märchenland geführt. Bei der seelsorgerischen Hand genommen, um wirkliche unschöne Bilder und Wahrheiten herumgeführt und dann mit dem NEUEN SPIEGEL erneut mit Märchen bedacht zu werden. So war das kaufmännische Kalkül hinter der Masche.

Natürlich durfte eines gar nicht passieren: Man durfte die Rolle des SPIEGELS in seiner ideologischen Ausrichtung nicht zu hinterfragen beginnen. Wenn die „Bürgerwehr an der US-Grenze“ nicht stimmte, in Syrien keiner zu Gräueltaten befragt wurde, was stimmt dann auch nicht zu rein deutschen Themen? Zu Themen, die beispielsweise nach 2015 vom SPIEGEL als wahr verkauft wurden? Oder auch recht medienwirksam vor der letzten Bundestagswahl?

Wie man medial Wahlen pushen kann, haben wir erst bei der Europawahl 2019 und der Klimahysterie erleben dürfen.
Eigentlich muss man sich als Leser, Bürger und Souverän dieses Staates fragen, was alles unter dem Deckmantel dessen, was mal Standesethik hieß von diesem „Sturmgeschütz der Demokratie“ zerschossen, gemeuchelt und hinterrücks erdolcht wurde.

Wo überhaupt in diesem Blatt Wahrheit anfängt und als pure Stimmungsmache aufhört? Oder auch nur kommerziell zu bewerten ist; wo Wahrheit via stilistisch schönem Märchenerzählen zum Marketinginstrument zur Auflagesteigerung wird.

Wenn man das annimmt, und Vieles spricht dafür, dann sind die von Herrn Relotius erhaltenen Preise allesamt berechtigt. Auszeichnungen aus einer Branche für eine Branche durch die Branche für schön erzählte Märchen, die sich trefflich vermarkten ließen.

Wie die Oscars der Film Academy in Los Angeles und deren Konkurrenzprodukte wie Golden Globe, Goldene Kamera, Goldene Palme von Cannes oder der Goldenen Venus. Letzter dann für Journalisten bildlich gesprochen auf dem Niveau dessen, wozu die Wahrheit verkommen ist.

Und das ist nicht despektierlich gemeint. Preise werden für das verliehen, was ihrer Definition entspricht. Und die Preisträger der Goldenen Venus haben ihre Preise verdient. Halt für das, wofür sie auch bezahlt wurden. Es stellt sich die Frage, für was denn Herr Relotius bezahlt wurde. Für die Wahrheit oder für eine ideologisch passendes und stilistisch ansprechendes Märchen, das einer vagen (und kaum ernstgemeinten) Überprüfung standhält, die auf dem ebay-Prinzip des Vertrauens fußte…

DER SPIEGEL sah sich hier als Opfer. Das ist falsch. WIR, die Leser, waren das Opfer!

DER SPIEGEL wollte uns bei der Aufklärung an die Hand nehmen. Das ist auch falsch. WIR hätten uns die Wahrheit holen sollen. Stück für Stück.
DER SPIEGEL wollte uns weiter für dumm verkaufen. Das ist wieder falsch. Wir sind nicht dumm – (waren) aber recht bequem. Doch erst mal ehrlich empört, sind wir dann schnell sehr, sehr zornig. So für ein oder zwei Tage, wie sich nun herausstellt. Das Kalkül der Branche – allen voran DER SPIEGEL – ging also auf.

DER SPIEGEL verwehrt sich – wie auch der Rest seiner Sympathisanten – gegen das Wort Lügenpresse.
Da haben sie Recht. Gelogen haben sie nicht. Das setzt eine gewisse Wahrheit voraus, die man verbiegen kann. DER SPIEGEL war einen Schritt weiter: er erfand gern Märchen und verkaufte sie als wahr. Inszeniert von Herr Relotius dem nun bösen Märchenprinz der Medienhölle.
Stilistisch nett verpackt, zeitgemäß in der Aufmachung, künstlerisch leicht und anmutig geschrieben aber von A bis Z vermutlich frei erfunden!

Das nennt sich dann wohl MÄRCHENPRESSE.
Und Herr Relotius war ihr gefeierter Prinz.
Und das ist von dem, was u.a. den Völkischen Beobachter oder die Prawda einmal „ausgezeichnet“ hat, nicht mehr weit entfernt…

Dreamtours - Bild simsek.ch
Dreamtours - Bild simsek.ch

Teil 2: Der neue Märchenprinz im Dieselzeitalter und die Frage nach Schadensersatz

DER SPIEGEL tat sich stets und immer da hervor, wo man das konservative Establishment angreifen konnte. Egal bei was und wie, aber immer ging es gegen konservative Werte, die als unrecht empfunden werden. Das mag noch aus der Zeit stammen, als der Krieg kaum zu Ende war und rechts-konservative Werte immer noch (oder schon wieder!) deutlich rechts waren.

Es ist also etwas, was wohl in den Genen des Blattes lag. Das ist nicht schlimm, denn damals war das Sturmgeschütz noch berechtigt. Auch als Waffe gegen die rechte Flanke dessen, was vermutlich die linke Flanke / Flügel der NS-Bewegung war und noch nicht politisch komplett verbrannt war oder im Untergrund werkeln durfte.

Doch mit dem Wegsterben der wirklichen Nazis, die sich als Nachfahren arischer Helden sahen, hatte der Spiegel ein Problem. Das Anprangern wirklicher Nazis hatte kaum noch eine Geschäftsgrundlage, zumal die böse konservative Volkspartei CDU zunehmend selbst linke Gesinnungszüge annahm und die bürgerliche linke Flanke schluckte. Da fehlte dann dem „Sturmgeschütz der Demokratie“ plötzlich die adäquate Munition.

Klar dass man dann von ideellen Werten auf mehr greifbare Werte umschaltete, zumal auch die Eigenmarke „Sturmgeschütz“ zunehmend einen Wertverlust erfuhr. Manche der Protagonisten in den Redaktionen sah sicher schon im Gründer des Spiegel einen Mann, der da wohl einiges an unbewältigter Vergangenheit hatte, da er mit so einer bösen, NS-verherrlichenden Metapher Marketing betrieben hatte.

Als Autor und auch Leser des SPIEGEL stelle ich mir schon die Frage, ob man sein Bild in den Geschäftsräumen entfernt oder umgedreht hat, wie es mit Helmut Schmidt in Heeresuniform an der Universität der Bundeswehr passiert ist. Natürlich vom SPIEGEL freudig begrüßt… Das ging, weil ideelle Werte nun nicht mehr unbedingt Geschäftsfeld waren und Heuchelei auf links niemals zutreffen kann. Genauso wenig wie Gewalt von links ausgeht, wie ein dem SPIEGEL genehmer Linker der SPD, unser allseits verehrter Herr Stegner, einmal meinte.

So fand auch der SPIEGEL schnell zu den messbaren Werten der Dieselaffäre. Einem skandalösen Verhalten der Autobauer arme Bürger über den Tisch zu ziehen, indem sie eine Schummelsoftware installierten, die Werte verdrehte, falsch auslas und/oder mit gewissen Abzügen sichtbar machte. Ökologische Romantik vortäuschte, wo kein Blumentopf zu gewinnen war. Das man hierbei eine Gesetzeslücke nutzte, das bis dahin eigentlich erlaubt war, steht auf einem anderen Blatt. Genau wie der Umstand, dass dieses gesamte als BLUE bekannte Diesel-Modell ÜBERALL in Europa Realität war. Aber Heuchelei war so ein Wert, der eh schon unmodern war, wenn er Auflage verhindert hätte.

Betrachten wir den Diesel-Skandal einmal im Lichte eines Kommunikationsmodells. In dieser Theorie sendet ein Sender Signale (Informationen / Daten) indem er sie verschlüsselt/kodiert an einen Empfänger, der sie nur verstehen kann, wenn er sie auch richtig dekodieren kann. Letzteres kann vereinfacht werden, indem man ihm die Information passgenau serviert.

Also hat der Autohersteller, bemüht sein Produkt ins ökologisch rechte (hüstel…) Licht zu rücken, bei der Kodierung der Daten dem Willen der Chefetage folgend diese Daten/Informationen per Software so gestaltet, dass der empfangende Kunde klar verstanden hat, dass er da was ganz Tolles kauft. Kurz ausgedrückt: er wurde kundenfeindlich belogen, damit er gutgläubig glücklich sein konnte!

Das war mit dem Ethos einer Presse, mit dem Blick für das Wesentliche in der Kommunikation natürlich so nicht zu machen. Man ging auf die Barrikade. „Schmutzdiesel“, „Dreckschleudern“, Betrug und andere Nettigkeiten waren schnell zu Hand. Gerichtlich wurde mit Unterstützung von Politik und Medien schnell festgestellt, dass diese Art der Kodierung von unternehmensgenehmer „Wahrheit“ etwas entsteht, was das Produkt Dieselfahrzeug so mangelhaft erscheinen lässt, dass der Hersteller es zurückzunehmen hat. Egal, ob das Ding nun fährt oder nicht.

UND DAS IST AUCH GUT SO, tönte die Presse und der Verbraucher jubelte und verhalf den Juristen zu einer Auftragsschwemme gegen das, was da als Kernbranche unseres Landes galt und 1,3 Millionen Arbeitsplätze betrifft. Egal. Wert ist Wert, und getürkte Abgaswerte sind nun mal falsche Werte. In jeder Hinsicht. Punkt. Basta. Hab fertig!

Und nun kommt unser lieber kleiner Prinz ins Spiel, der jugendlich fehlgeleitet, vielfach für sein Werk ausgezeichnet mit dem sprachlichen Feingefühl eines angreifenden Ebolavirus sich in das Herz seiner Leser fraß. Ein „Fuchs“, der schlechtes dabei denkt…

Da wurde mit dem wohlwollenden Auge der Chefetage ein Journalist in der Königsdisziplin seiner Zunft – der Reportage – sprachlich schön mit der Kodierung von Daten und Informationen zu vielen Themen beauftragt, um sie dem Leser des SPIEGEL als Wahrheit anzubiedern. Als Wert an sich. Als das, was der Leser / Kunde / Bürger unbedingt wissen sollte. Bei Entscheidungen, bei seiner Wahl der Dinge und natürlich auch als Souverän an der Wahlurne.

Und da man Menschen nicht immer mit kalter Logik oder gar Fakten erreicht, man so auch keine Wahlen gewinnt, wie der „absolut rechte“ Helmut Kohl einmal sagte, muss man sie mit dem Gefühl erreichen. „Der Mensch sieht nur mit dem Herzen gut…“ wurde der (Schlau)Fuchs nun belehrt.

Und es klang schön. Sprachlich rein. Leicht verständlich. Einprägsam durch schöne Bilder. Gedanklich mit passender Musik hinterlegt, die dann beim Lesen im Ohr war. Die Dekodierung dessen, was man vermitteln wollte wie eine Software unterstützt hat. Als Unterprogramm. Als psychologische Hilfe die wahre und wahrhaftige Information dahinter zu verstehen. Die eine Reportage auszeichnet. Höchsten journalistischen Ansprüchen genügt. Zum Olymp dessen führt, was der Leser von seinem Blatt erwarten kann und darf…Eine Art der neurolinguistischen Programmierung… Kurz NLP.

Im Marketing völlig normal, wie die Dieselindustrie auch mal dachte. Aber das war und ist nun falsch. Gerichtlich entschieden. Das führt zu Schadensersatz.

Es stellt sich die Frage, was das System des Märchenprinzen samt SPIEGEL von einer Dieselsschummelsoftware unterscheidet?
Ist es der technische Aspekt? Eine Software etwas anderes ist als eine methodisch ausgefeiltes NLP-System? Wohl kaum. Eine Software ist ein bewusst geschriebenes Programm, das auf einem Algorithmus beruht, der mit (hier) sensorischen Daten gefüttert wird und so verständliche (Steuerungs)Informationen generiert.
Das ist wie auch ein NLP-System. Egal ob das nun sprachlich geht. Am Ende soll beides beim Empfänger der Information eine Folgerung/Zufriedenheit oder ein gewünschtes und so beeinflusstes Verhalten auslösen. Das klingt kompliziert und kann verkürzt so ausgedrückt werden:

In beiden Fällen verarscht der Sender den Empfänger durch bewusste Täuschung!

Und nun kommen wir zum interessanten Punkt der Angelegenheit. Wenn das beim DIESEL verwerflich und juristisch zu verteilen war, was ist es dann beim SPIEGEL? Ein bedauerlicher Faux pas? Ein künstlerisches Hilfsmittel? Ein neues modernes journalistisches Stilelement? Ein neuer Standesethos einer ganzen Branche? Ein Einzelfall?? Etwas, was so tatsächlich noch als Pressefreiheit zu sehen ist? Trotzdem auch noch verfassungsmäßig gestützt ist? Oder eher etwas, was strafrechtlich und/oder haftungsspezifisch abzuwickeln ist, wie beim Diesel…

Kann der Kunde sein Geld zurückverlangen, weil durch die bewusst gewählte märchenhafte Erzählkultur abseits von dem, was durch Eigendarstellung wahr sein soll, bewusst getäuscht wurde? Egal, ob durch den Schreiberlin verursacht aber vom SPIEGEL (von mir aus auch unbewusst) veröffentlicht? Ist das Endergebnis genauso „ungenügend“ als Produkt, wie ein Schummelsoftwarediesel, unabhängig davon, ob man den SPIEGEL sonst gut findet???

Bekommt das alte „Sturmgeschütz der Demokratie“ noch einmal das TÜV-Siegel oder kommen wir zur finanziellen Abwicklung des Schadens, der eben genau dieser SPIEGEL bei den Autoherstellern so überaus schadensfroh sah?

Muss DER SPIEGEL seinen Abonnenten Schadensersatz zahlen, seine Auflage zurücknehmen? Ggf. auch verunglimpften Protagonisten Schadensersatz zahlen? Alles Fragen, die bisher keiner gestellt hat, die aber im Angesicht des DIESEL opportun erscheinen.

Die Vierte Macht hat versagt. Kollektiv. Und es wird Zeit sie daran zu erinnern, dass sie in exakt dem Rechtsraum existiert, den sie für ihr Handeln gern selbst als Schutz heranzieht um andere an Tun und Lassen zu erinnern.

Wahrlich, der „Kleine Prinz“ hatte Recht: man sieht nur mit dem Herzen gut.
Aber mache Fuchs braucht immer auch noch den Blick in die Kasse. Beim Diesel leert die sich gerade. Und beim SPIEGEL?
Wo tausende deutsche Autobauer nun vor der Arbeitslosigkeit stehen weil der Absatz wegbricht, sollte das dann nicht auch mal die Redaktionen derer erreichen, die uns ebenso betrogen haben? Leuten, denen das Wort Betrug nur dann über die Lippen kommt um ANDERE zu schädigen? Notfalls auch als reiner Marketinggag zur märchenhaften Steigerung einer Auflage, deren Wert nach einer Woche gen Null tendiert?

Wenn Chancen verpasst werden - Bild simsek.ch
Wenn Chancen verpasst werden - Bild simsek.ch

Teil 3: Wie hätte Dagobert Duck als Verleger reagiert?

DER SPIEGEL ist ein Teil des Marktes. Und Märkte, egal in welcher Branche, sind umkämpft. Zumindest deren Anteile daran, und natürlich unter der Prämisse, dass es keine monopolistischen Märkte sind wo nur ein Anbieter existiert. Damit solche Märkte nicht entstehen können, existieren zahlreiche Mechanismen und Regelungen, die weltweit durch diverse Kartell- und Aufsichtsbehörden überwacht und gesteuert werden.

Ziel ist hier den Wettbewerb zu fördern, da aus der Konkurrenzsituation des ständigen Wettbewerbs für die Kunden – i.d.R. monetäre – Vorteile erwachsen. „Konkurrenz belebt das Geschäft“ ist hier für Kunden nicht nur als preisreduzierender Vorteil zu sehen sondern auch als Innovationstreiber an sich. Um Kunden zu halten oder neu zu gewinnen sind Neuheiten gefragt. Weiterentwicklungen und markt- oder produktspezifische Kreativität unerlässlich. Steve Jobs konnte das und ist ein Paradebeispiel für Innovation. Er erfand das iPhone mit seinen Apps und verbannte den damaligen – und sehr bequem gewordenen – Weltmarktführer NOKIA in das Reich des Vergessens.

Wenn also Konkurrenz das Geschäft belebt, dann sollte überall und immer da, wo es wichtig ist diese Konkurrenz fühlbar sein. Allein durch das Bestreben aller Marktteilnehmer einer Branche oder eines Marktsegmentes möglichst viel vom Kuchen abzubekommen. Dem „Anderen“ Kunden abzujagen. Reichweitenvorteile zu erlangen und letztlich eine möglichst uneinholbare Innovationsführerschaft zu entwickeln, die sich dann durch höhere Margen bezahlt macht. Eigene Gewinne ankurbelt, die der Konkurrenz beschneidet und so die eigene Marktführerschaft ausbaut und/oder zusätzlich festigt.

So die marktheoretische Denkweise hinter dem, was wir überall um uns herum beobachten können. Sehr anschaulich in der Autobranche, in der keiner mehr auf die Idee käme ein- und dasselbe Modell fast zwanzig Jahre wie beispielsweise den VW-Käfer unverändert anzubieten. Und das auch noch in den ausschließlichen Farben Weiß, Schwarz, Dunkelgrau, Beige, Bleu, Hellgrau, Beige und Weinrot…

Und in wichtigen Branchen, wo neben dem eigentlichen Produkt auch noch gewisse Werte weitervermittelt werden sollen, wo ggf. auch ein staatspolitischer Auftrag mit verbunden wird, da sollte ein monopolistischer oder auch schon oligopolistischer Markt eigentlich nicht vorkommen. Das gilt für Wasser- und Energieversorgung, für die Kommunikation aber auch und vor allem für die Presse.

Das „Hugenberg’sche Medienimperium“ der 30er vor Augen sollte nach dem Krieg eine neue Presselandschaft entstehen, die von den Alliierten gezielt und bewusst gefördert wurde: durch die Zuteilung von Papier für die Auflage. So konnte gezielt eine freiheitlich-rechtliche – und auch durchaus kontroverse – Medienlandschaft im Druckbereich gestaltet werden. Alte NS-nahe Verlage ausgebremst und andere Blätter besser positioniert werden.

DER SPIEGEL, als das „Sturmgeschütz der Demokratie“ und sein Gründer Jacob Augstein profitierten davon und positionierten sich auch unter Opfern gegen eine Politik der Verdrängung, Nivellierung und gar Leugnung der „dunklen Jahre“, die auch heute noch immer gern als „Fliegenschiss“ in Erinnerung bleiben sollen…

Wenn also die markttheoretischen Prämissen stimmen, der Medienmarkt eine besondere Bedeutung für unser Staatswesen als lebendige Demokratie hat UND allein Konkurrenz die Triebfeder für Innovation und Kreativität ist, damit eine Demokratie lebendig ist/bleibt, dann sollte sich dieser Kampf auch um Marktanteile drehen. Sichtbar und im Bereich Presse auch klar und deutlich hörbar!
Das wesentliche Qualitätselement im Bereich Presse ist Aktualität und Tiefe der Berichterstattung auf der Basis dessen, was die Wahrheit ist. Man kann diese Wahrheit von links, oder von rechts betrachten, doch am Ende sollte ein blauer Himmel für den Leser immer noch erkennbar blau beschrieben sein. Nicht kackbraun oder blutrot…
Im Fall des Herrn Relotius wurde uns der Himmel von Anfang an als grün verkauft. Nicht weil er es war, sondern schön formuliert als grün beschrieben und mit gewissen künstlerischen Stilelementen dann als wahr verkauft. Dieses System des Schreibens bekam keinen Literaturnobelpreis – dafür reichte es dann doch nicht – aber Presse- und Reporterpreise en masse.
Gefeiert von der Branche.
Als neue Norm für den Konkurrenzkampf der Branche.
Von der Branche nicht widersprochen.
Konkurrenzlos als das bestätigt, was Wahrheit(!!) zumindest in ihrer Beschreibung kreativ sein sollte.
Und Relotius war ihr Märchenprinz… bis er aufflog durch einen, der wirklich (noch) journalistisches Standesethos hatte: Juan Moreno.

Der Skandal flog allein durch ihn auf. Nicht weil DER SPIEGEL das aus ethischen Erwägungen heraus dem Leser lieber selbst beichten wollte, sondern aus der puren Angst, ein anderer als er selbst könnte hier federführend werden.

Natürlich war dann da noch das zusätzliche „Leckerli“, dass man damit die eigene Auflage retten und sogar steigern könnte. Ganz wichtig, bevor die Werbequoten im Januar 2019 neu vergeben wurden, die aus finanzieller Sicht nicht ganz unwichtig waren und sind.

Und hier müsste man nun Bewegung im Markt sehen. – Eigentlich…

Gemäß der Markttheorie müsste jetzt die Konkurrenz über den SPIEGEL herfallen. Der polypolistische Pressemarkt einen Konkurrenten nicht nur aus kaufmännischem Kalkül heraus angreifen sondern auch und vor allem dafür, dass er die gemeinsame Marktgrundlage beschädigt hat. Eine auf der Wahrheit basierende Berichterstattung – nicht auf frei erfundene Märchen fußende Manipulation der Leserschaft, die dafür auch noch zahlen.

Man sollte meinen, dass jeder – aber auch jeder einzelne Reporter – nun in einem kollektiven Aufschrei das System Relotius anfeinden, den SPIEGEL als Marktteilnehmer angehen und wirklich alles tun würde, damit die eigene Arbeit nicht beschädigt wird.

Selbst in einem Markt, wo die Presse- und Medienlandschaft eigentlich nur noch an wenigen Konzernen hängt, sollte das zumindest in seiner oligopolistischen Marktprägung fühlbar werden. Sichtbar werden… Tag für Tag.

Zumal auch der Bereicherungsaspekt durch diese Spendenaufrufe im System Relotius einen gewissen zusätzlichen Nachgeschmack verursachen, der jedem wahren Journalisten mit Brechreiz zurücklassen müsste. Seine Wut anstacheln müsste.

Aber was passiert? – NICHTS! GAR NICHTS!

Reagieren so in harter Konkurrenz stehende Marktteilnehmer? Sieht so Wettbewerb aus? Werden so eindeutig nutzbare Marketingvorteile für die eigenen Produkte genutzt? Macht man so neuerdings Gewinne? Indem man den der Lüge und des Betruges überführten Konkurrenten schont? In einer Branche, deren Kerngeschäft die wahrheitsgemäße(!!) Berichterstattung ist? Mit propagiertem Standesethos und universellen Anspruch? Als Versprechen an den Leser – den Kunden?

Ich selbst habe BWL studiert. Im Diplom war dann auch eine VWL-Klausur zu schreiben. Und ich kann mich nicht erinnern, dass bei solch ein Fall, schon gar nicht im Fach Marketing, das ich auch im Diplom hatte, auch nur ein Wort zu solch einem eigenartigen Verhalten gelesen hätte. Das ist so abwegig, dass es selbst wissenschaftlich (zum Beispiel als wissenschaftlicher Disput i.e.S. von Brainstorming) nicht diskutiert wird.

Welche Prämissen müssten erfüllt sein, dass eine einmalige Marktchance von den Konkurrenten des SPIEGELs nicht genutzt wird?

Könnte es sein, dass das Thema insgesamt alle betrifft und man besser den Mund hält, um nicht selbst in die Schusslinie zu kommen, wie die europäischen Dieselhersteller, die alle das BLUE-System der Dieseloptimierung betrieben hatten? Harnsäure für ihre Motoren zur einseitigen Schadstoffoptimierung eingesetzt haben?

Oder könnte es sein, dass gar kein Wettbewerb existiert? Es ihn gar nicht (mehr) gibt? Ein Gedanke, der erschreckender nicht sein könnte…

Ein Indiz oder Indikator für all das könnte das Verhalten der sog. „Freien Journalisten“ sein, den Freelancern / Freiberuflern, die auf Anfrage der Redaktionen auf Zuruf tätig werden. Die modernen Arbeitssklaven der Zunft, die mit einer den Chefetagen genehmer ideologischen Einstellung ihre Arbeitsaufträge erfüllen und daher noch mit Aufträgen bedacht werden. Sie sagen nichts, auch nicht auf den Plattformen, um auch weiterhin noch die Krümel dessen zu bekommen, was man in den Redaktionen gewillt ist zu verstreuen. Sie wollen nicht als verbrannt dastehen…

Und warum sagen nicht die Journalisten etwas, die schon verbrannt sind und als Kommunikationsexperten in die PR-Abteilungen der Wirtschaft abgetaucht sind? Im Journalistenjargon „das Ufer gewechselt“ haben… Zum Gegner der „richtigen“ Journalisten wurden?

Die Hoffnung irgendwann mal wieder als das tätig zu sein, wofür sie eigentlich arbeiten wollten? Als Journalisten mit Standesethos und der Treue zur Wahrheit?

Wenn dem so ist, und Vieles spricht dafür, dann ist es weit gekommen. Und was am meisten dafür spricht, ist das Schweigen. Das unsägliche Schweigen zu etwas, was unmöglich sein sollte. Was wir so nie wieder haben wollten. Ein „Hugenberg’sches Medienimperium“ sollte auch als Oligopol nie wieder möglich sein. Doch es scheint im Schatten doch zu existieren…

Und noch ein erschreckender Gedanke: wenn das so ist, was wurde uns dann alles im Kollektiv als gut und richtig oder auch als falsch und bedeutungslos verkauft?

Und wenn der eigentlich zu erwartende Marktmechanismus gezielt unterdrückt wird, Gewinne ausgeschlagen werden, wer macht dann einen wie auch immer gearteten Gewinn, indem er den möglichen monetären Gewinn hier ganz offensichtlich komplett ausschlägt?

Oder ganz platt und bildhaft a la Relotius gefragt:
Wie hätte Dagobert Duck hier als Verleger reagiert???
(und im Hintergrund läuft der Soundtrack von OBLIVION…)

Der begrenzte Himmel - Bild simsek.ch
Der begrenzte Himmel - Bild simsek.ch

Teil 4: Claas Relotius, der SPIEGEL und die Vogelfreiheit von Heuchlern

Im Mittelalter jemanden für „vogelfrei“ zu erklären war kein Gnadenakt im Sinne jemanden „frei wie einen Vogel leben zu lassen“. Es bedeutete, dass Herrschende jemanden zur allgemeinen Jagd ausgeschrieben hatten und jedermann das Recht hatte ihn zu töten ohne dafür belangt zu werden. Der so Bestrafte nun frei wie ein Vogel leben konnte, ohne sich weiter um Gesetze, Regeln und Versprechen kümmern zu müssen, bis man ihn fand und – tötete.

Diese Art der Vogelfreiheit hatte ein unausweichliches Finale. Es war die Konsequenz für, räuberisches, mörderisches und/oder verräterisches Verhalten. Etwas, was im wertebewussten Mittelalter mit der sog. Reichsacht belegt wurde.

Diese Art von Vogelfreiheit nahm wohl auch DER SPIEGEL für sich in Anspruch, sah sich als Vierte Macht im Staate und als selbsternannter Wächter über das, was richtig oder falsch oder auch nur anders war als DER SPIEGEL es gerne sah.

„Sag, was ist!“, war der Anspruch eines Mannes, der den SPIEGEL groß gemacht hat. Er wandte sich gegen braunen Filz, bigotte Kirchen und eine Wirtschaft, die gern auch mal für ein paar Rubel/Dollars/Mark mehr da die Augen zudrückte, wo die deutsche Vergangenheit ein Aufbegehren nötig machte. Rollte als „Sturmgeschütz der Demokratie“ an die Front. Damals war das berechtigt. DER SPIEGEL hat viel bewirkt. Doch das war einmal.

Die Nachfolger der Gründerbelegschaft nahmen den hart erarbeiteten Erfolg von einst und formten aus dem Blatt etwas, das den Anspruch des Gründers in Heuchelei verwandelten, Machten aus Fakten Träume und aus der journalistischen Berichterstattung eine Märchenerzählung.

Wie ein vogelfreier Verbrecher des Mittelalters scherten sie sich nicht um das, was einmal galt, wert war, sondern nutzen das einst hart erarbeitete Vertrauen aus, um die Leser zu betrügen. Mit falschen Fakten, verzerrten Darstellungen, Gesinnung, Ideologie und Wunschbildern mit denen sie die Vision ihrer Leser nach „mehr Gutem“ und weniger „Schlechtem“ gern erfüllten. Erhöhten die Lüge so zur Kunstform, dass die Berichterstattung bald sogar ohne Fakten oder wahre Hintergründe auskommen konnte. Dabei aber stets den Finger der Moral hoch erhoben und andere schon in bigotter Art und Weise stets bevormunden zu wollen. Moral gepachtet zu haben.

Und Claas Relotius war ihr Märchenprinz. Aber er war kaum alleine. Alleine wäre er mit seiner Art der Berichterstattung gescheitert. Denn solche Leute brauchen Freunde im System einer Zeitung, eines Magazins oder eines Senders. Gönner, Förderer, Mentoren und Wegbegleiter.

Die gab es zu Hauf beim SPIEGEL: „Der Deutsche Reporterpreis“, den er viermal gewann, war ein hauseigenes Produkt. Das ist als wenn Aldi, Lidl oder Aral „Den besten deutschen Kassierer“ küren und offiziell feiern. Allein so ein Theater aufzuführen sagt viel über den Charakter derer aus, die nun beim SPIEGEL den Ton angeben. Egal ob in so einer Preisjury auch ein Herr Markwort saß und Günther Jauch den Moderator mimte… Das waren zwei weitere Statisten im bösen Spiel.

„Sag, was sein soll!“

Auch ein netter Spruch, passt zu einem Think Tank, aber halt nicht zum Anspruch des SPIEGELs, an dem er andere gern gemessen hat. Und schon gar nicht an das Standesethos derer, die als Presse, Journalisten und Reporter arbeiten.

Doch wenn sie dort arbeiten, dieses Motto des Gründers derart verdrehen konnten, dann ist der Märchenprinz nicht allein gewesen. Etwas anderes anzunehmen, bei all dem, was ein Medienunternehmen an Organisation, Kontrolle und Dokumentation leisten muss, ist schlichtweg unlogisch. Es wäre absurd anzunehmen, dass ein Einzelner das geschafft hätte. Vor allem gegen etwas, was den Mensch zum Menschen macht und Kollegen zu Feinden: Neid!

Und dieser Neid in Verbindung mit „unkonformen Verhalten“ hätte Relotius schnell auffliegen lassen. Gerade auch als Freelancer und freier Journalist, der vor 2016 noch gar nicht fest angestellt war. Sich also noch „bewähren“ musste… Und auch da hatte er schon Freunde in höheren Positionen.

Dann wurde er Redakteur mit Festanstellung. Der Ritterschlag, auf den viele Journalisten hofften… Damit gehörte er zu denen, die den Weg für freie Journalisten mit vorgaben. In stiller Kooperation via Ressortleiter bis hinauf zum Chefredakteur und Herausgeber.

„Sag, was nett klingt – und uns passt!“

DER SPIEGEL ist ein Konzern. Und in Konzernunternehmen werden Stellen alle drei Jahre neu besetzt. Karrieren generiert. Damit scheint es so, dass Relotius dieses Jahr womöglich vor einer Beförderung stand. Und mit ihm die komplette Kette über ihm. Anzeichen dafür gibt es. Sein Chef sollte in die Chefredaktion. Richtig?

Bei rein sachlicher Überlegung kann als sicher angenommen werden, dass DER SPIEGEL vom Weg seines Gründers so weit abgekommen ist, dass er ein Teleskop braucht um den ursprünglichen Pfad der Tugend noch zu sehen. Und beim Wort „Tugend“ dann ein Fremdwörterlexikon.

DER SPIEGEL sah sich als Vierte Macht, die vogelfrei und abseits aller Pflichten, Rechte, Werte und Gesetze, Fakten nicht nur verbog und retuschierte sondern auch erfand. Alternative Fakten, wie der vom SPIEGEL schon stets gehasste US-Präsident Trump, gern für sich in Anspruch nahmen.

Und gerade Trump – oder der Umgang des SPIEGEL mit ihm – zeigt auf, dass das ganze Team im SPIEGEL mit schuld am Skandal sind.

Hier wurde allein schon mit Coverbildern Stimmung gemacht. Miss Liberty mit blutigem Messer und andere Nettigkeiten, die man von Julius Streicher im „Stürmer“ erwartet hätte. Aber irgendwie nicht im SPIEGEL. Auch wenn der für seine US-feindliche Grundeinstellung bekannt war und ist.

Diesbezüglich kommt nun Ärger auf den Spiegel zu. Der US-Botschafter intervenierte und machte sich in das Auswärtige Amt auf. Zumal der SPIEGEL in seiner Hybris auch vor US-Kleinstädten nicht Halt machte. Sie diffamierte. Sogar mordende Bürgerwehren an der US-Grenze hetzerisch erfand.

Wenn man US-Bürgern eines nicht absprechen kann, dann sind es Werte wie Patriotismus und Nachbarschaftshilfe. Und wenn US-Bürger von Ausländern immer wieder diffamiert werden, dann halten die zusammen. Über alle Parteien hinweg. Und daher könnte es gut sein, dass DER SPIEGEL in den USA auch mal auf Schadensersatz verklagt wird. Und die Protagonisten sich vor US-Strafgerichten verantworten müssen.

Denn DER SPIEGEL hat eines vergessen: die Vogelfreiheit endete stets mit dem Tod des Delinquenten…

Was könnte von außen auf den SPIEGEL zukommen? Was sollte passieren?

1.) Akkreditierungen könnten aufgehoben werden

Der Presseausweis für Journalisten ist die Eintrittskarte überall dort, wo andere nicht hinkommen, eben weil sie berichten sollen und müssen. Unser Grundgesetz garantiert die Pressefreiheit. Aber nur solange, bis diese Pressefreiheit missbraucht wird. Dass Relotius immer noch seinen Presseausweis hat, ist hier schon als Zumutung anzusehen.
Und dass der Presserat hier nicht von allein reagiert hat zeigt auch, wie moralisch verkommen dieses durch und durch politische Gremium inzwischen ist. In jedem anderen Land hätte dieses Gremium die Aufklärung der Affäre an sich gerissen oder eine komplett unabhängige Kommission beauftragt. Dass unser Presserat noch nicht mal etwas zu sagen hat ist Teil dessen, was Relotius erst möglich machte.

2.) SPIEGEL als Arbeitgeber ist Kill Kriterium in der weiteren Karriere

Wo früher eine Festanstellung beim SPIEGEL als Ritterschlag galt, kann das jetzt wohl kaum noch gelten. Wer da nun arbeitet sollte da auch besser bleiben. Keine moralisch integrere Zeitung wird diese Leute brauchen. Schon gar nicht in verantwortlicher Stellung. SPIEGEL-Journalisten können sich mal erkundigen, wie gut es ihren Kollegen bei der Prawda und Neues Deutschland erging.

3.) Handel

Dass man den SPIEGEL noch neben (ehrlichen) Werken der Konkurrenz findet kann man eigentlich nur als Gewohnheit der Ladenbesitzer interpretieren. Jeder ehrliche Händler, der den SPIEGEL weiterverkaufen will (oder muss…) sollte ihn besser dahin packen, wo er eine bessere Berechtigung hat. Neben den Büchern der Gebrüder Grimm, 1000 und eine Nacht und anderen klassischen Erzählungen dieser Art.
Oder aber man schmeißt das Magazin aus dem Sortiment, da man nicht wirklich weiß, was man dem Kunden da als Reportagen, Berichte und Dokumentationen verkauft.

4.) Politik

Wenn ich China ein Sack Reis umfällt, dann findet sich immer mindestens ein Politiker, der dazu etwas zu sagen hat. Sei es noch so (un)qualifiziert. Es gibt immer(!) ein Statement.
Dass hier rein gar nichts kommt ist schon mehr als peinlich, es ist verdächtig. Es stinkt förmlich nach Kumpanei.
Und da der Presserat paritätisch und parteipolitisch besetzt ist – wie all diese Kontrollgremien – ist es durchaus vorstellbar, dass hier ein innerer Zusammenhang besteht und die Parole ABWARTEN und AUSSITZEN heißt.
Immerhin war DER SPIEGEL eine sehr wirksame Waffe. Nicht als „Sturmgeschütz der Demokratie“, aber als Wegelagerer im Hinterhalt. Stets mit den Worten „Rücktritt“ auf den Lippen.
Nur hört man dieses Wort nun gar nicht. Zumindest nicht vergleichsweise so, wie es VW in der Diesel-Affäre entgegenschallte. Keine politische Forderung nach einem sauberen Schnitt. Es geht beim SPIEGEL schließlich auch nicht um eine Schlüsselindustrie im Land, mit mehreren Millionen direkt und indirekt Beschäftigten, sondern nur um ein hanseatisches Blatt, das zur „Journaille“ verkommen ist, dem selbst das Hamburger Abendblatt noch etwas handwerklich-journalistisch vormachen kann.
Und die neuerliche Verstrickung in der Strache-Affäre kurz vor der Europawahl 2019 zeigt deutlich was aus dieser Art von Heuchelei und Selbstherrlichkeit der SPIEGEL gelernt hat.

5.) Leserschaft

Die müsste jetzt auf der Barrikade stehen. Jeder Abokunde sein Geld für nicht existente Reportagen einklagen gehen, für die er eigentlich bezahlt hatte.
Oder ist es so, wie die Neue Züricher Zeitung in eienm Artikel vermutete, dass die Leser das lesen wollten, was geliefert wurde. Es glauben wollten und so den SPIEGEL auch ein Stück weit dazu trieben sich immer weiter vom Gründungsmotto zu entfernen?
Aber jeder Leser, der Wahrheit lesen wollte, dürfte sich jetzt anderswo nach einer besseren und ehrlicheren Lektüre umsehen. Es sei denn natürlich, dass er gerne diese Märchen las. Als geneigter Leser galt und gilt.

6.) Werbekunden

DER SPIEGEL finanziert sich nicht unerheblich über Werbung. All die bunten netten Angebote, die gut platziert das Auge des „kritischen und engagierten“ Lesers suchten, der i.d.R. auch ein Besserverdienender war.

Wer möchte sein Produkt, seine Marke und sein Anliegen in einem solchen Blatt präsentieren? Wo der Leser, vielleicht MEIN neuer Kunde, von eben diesem Blatt für dumm verkauft wurde. Ihm Märchen erzählt wurden. Er arglistig getäuscht wurde. Vorsätzlich, geplant und durchorganisiert belogen wurde. Mit schönen Bildern, netten und einschmeichelnden Texten sowie zum Teil mit völlig frei erfundenen Stories. Will ich tatsächlich so Kunden gewinnen? Oder auch nur ansprechen??

7.) Konkurrenz

Eigentlich eine Steilvorlage zur Abrechnung an dem Blatt, dass die Ehre, den Standesethos und den Markterhalt einer ganzen Branche gefährdet hat. Einer Branche, die in digitalen Zeiten immer schwieriger um Auflage kämpft. Hier nichts zu tun entbehrt jeder Grundlage. Dieser Gedanke war Teil unsere Artikels der hinterfragt hat, wie Dagobert Duck als Verleger tätig geworden wäre…

Mit einem Wort: anders!

8.) Herausgeber

Der müsste sich nun Gedanken um sein Blatt machen. Seine Angestellten. Tat er vermutlich auch… nur nicht laut. Zumindest hat er nicht das getan, was seine Chefredakteure in solchen Fällen von anderen verlangten: sofortigen Rücktritt.

Oder ist Herr Augstein jr. nun in der gleichen misslichen Lage wie viele Erben großer Namen und Häuser vor ihm. Eine lebende Kleiderstange, die den Chefsessel ausfüllt, den nett lächelnden Grußaugust spielt und ansonsten 08/15-Format hat – passend zum einstigen und nun maroden „Sturmgeschütz der Demokratie“?

Wenn dem so ist, dann ist er schlecht beraten die machen zu lassen, die ihm das eingebrockt haben. Er ist dabei das Erbe zu verraten. Nicht des SPIEGELs, da gibt es nichts mehr Wertvolles zu (ver)erben, sondern das Erbe vom Senior, dessen Motto er scheinbar nie wirklich verstanden hat. Auch wenn er täglich mehrmals daran im Foyer vorbei gelatscht ist…

All das zeigt auf, dass viel auf dem Spiel steht, noch mehr in Bewegung kommen könnte und sehr vieles schon läuft. Unabhängig davon, was dieser Bande von Märchenerzählern uns wissen lassen will. DER SPIEGEL bekommt nun selbst den Spiegel vorgehalten. Er wird am eigenen heuchlerisch verbreiteten Anspruch gemessen werden müssen. Im In- aber auch im Ausland. Und die so reflektierte Fratze eines Gesinnungsblattes übelster ideologischer Prägung und fern von dem, was der Gründer erreichen wollte, ist in der Tat erschreckend. Nicht für die bloßgestellten Verräter aber für die Verratenen. Nicht für die Schreiberlinge aber für die Leser. Nicht nur für das Inland, sondern auch für das Ausland. Und letzteres wird sich zu wehren wissen.

Bisher konnte sich DER SPIEGEL vogelfrei bewegen. Seine Akteure mit heuchlerischer Leichtigkeit Lügen verbreiten, die nie schöner und eindringlicher formuliert wurden und Bilder erschufen, die das Herz derer vergifteten, die nur mal für ein paar Minuten der Lektüre „Der Kleine Prinz“ sein wollten. Mit dem nun toten Herzen „gut sehen können“ wollten.

Antoine de Saint-Exupery’s Werk mit dem SPIEGEL in einem Satz zu erwähnen ist nun etwas, was hier einen schon mehr als nur faden Beigeschmack entwickelt. Es ist genauso fehl und fragwürdig wie neuerdings DER SPIEGEL und „Standesethik“, „Wahrheit“ oder gar „Ehre“ in einen Satz zu packen.

Es ist gut, dass das Mittelalter vorbei ist. Moral und Recht sich weiterentwickelt haben. Weiterentwickeln konnten!

Das lag nicht an solchen Protagonisten der „spiegelschen Märchenabteilung“. Wohl aber an Männern wie Juan Moreno. Oder auch Rudolf Augstein…

So bleibt hier nur noch diesen Teil mit dem Gedanken zu beenden, dass ich mich sehr gefreut hätte diesen komischen Vögeln im Mittelalter zu begegnen. Um ihre Vogelfreiheit zeitgemäß zu beenden…
(Und im Hintergrund läuft leise Mozart, Die Zauberflöte: „Ein Vogelfänger wär ich gern…“)

Am Ende des Weges - Bild simsek.ch
Am Ende des Weges - Bild simsek.ch

Teil 5: Claas Relotius, oder wie wird es mit dem Fanal des Journalismus weitergehen?

Die wichtigste Frage überhaupt, wenn man die bedenkt, wie überaus „uninteressiert“ und „wenig aktiv“ die deutsche Presselandschaft den Sündenfall des Journalismus insgesamt angeht.

Die vorausgegangen Teile haben beleuchtet wie dieser mit Preisen überhäufte Märchenerzähler so werden konnte, welcher Schaden nun bewältigt werden muss und warum der Pressemarkt an sich so wenig tut.

Daher stellt sich für uns, die Leser und hinter das Licht Geführten, wie das nun weitergehen wird. Und hier eröffnen sich zwei Dimensionen:

  1. Was passiert mit dem Märchenprinzen selbst, der zu einem sichtbaren Krebsgeschwür des deutschen Journalismus an sich wurde?Sein letztes offizielles Statement, das er beim SPIEGEL abgab, zeigt den Weg auf. Er ist krank, es tut ihm leid und er braucht nun Zeit für sich…Das heißt übersetzt, dass er nach Absprache und Beratung mit zig Anwälten nun die Masche des überforderten und unter (Erfolgs)Druck gesetzten „Künstlers“ – als das wird uns seine Art des Schreibens juristisch verkauft werden – nun als psychisch erkrankt anzusehen sein soll. Dafür wird sich ein von ihm bezahlter Gutachter schon eine nette und sehr lateinisch klingende Erkrankung aus den Rippen scheiden, die Richter gewöhnlich genauso überzeugen können, wie seine literarisch anmutenden Märchen uns überzeugt haben. Zumal da vermutlich keiner widerspricht, da es für den SPIEGEL und alle anderen Opfer besser ist von einem Geisteskranken übertölpelt worden zu sein, der an sein Werk wirklich glaubte, als durch einen kriminellen Betrüger.In diesem Sinne wird dann wohl eine verminderte Schuldfähigkeit attestiert, eine nazistische Persönlichkeit unterstellt werden, die durch Geltungssucht und Erfolgsdruck erst so werden konnte wie sie dann auch – natürlich folgerichtig – wurde.Da er immer zu allen so freundlich und bescheiden war wird dann als Beweis dieser These herausgekramt werden. Dafür müssen wir Verständnis haben. Klar.Eine nette, vermutlich schon jetzt begonnene psychologische Therapie, wird den Grundstein für diese Argumentationskette liefern. Ein ach so begabter junger Mann, das Ausnahmetalent des deutschen Reportertums, am Boden zerstört durch den hohen Erwartungsdruck einer unbarmherzigen Presse, die immer neue auszeichnungswürdige Sensationsprodukte haben wollte.Ein schon früh in seiner Karriere ausgenutzter junger Mann, der sich in seiner Arbeit eher als Künstler sah, neue Wege im Journalismus ebnen wollte, und am eigenen Anspruch scheiterte. Der Aspekt mit der Kunst ist wichtig. Mit ihr lässt sich jeder Mist seit je her erklären. Egal ob moralisch bedenklich, nicht ganz gesetzeskonform oder gar pervers. Unter Kunst ist vieles zu verstehen, was ansonsten für andere durchaus strafbar wäre. Aber als Künstler mit einem attestierten kleineren Dachschaden können deutsche Gerichte Nachsicht üben. Gerade auch in Hamburg, wo linker Straßenterror gern als Aktivismus verstanden werden will, die Antifa sich mit Drogendealern verbündet und der jeweils rote Senat ein Spitzenbeamtentum gefördert hat, das das ähnlich liberal sieht.
    Ein schönes Beispiel ist die Historikerin Marie Sofie Hingst. Tochter eines evangelischen Pastors erfand ihre jüdische Herkunft und sieht all ihre Lügen nun unter streng künstlerischer Sicht der Dinge. Der Sumpf ist tief.Sollte nun dennoch Schadensersatz gefordert werden, nicht zu hoch, weil sonst der kranke junge Mann durchaus zu weitergehenden Aussagen bereit sein könnte, kommt die Privatinsolvenz. Selbstverständlich nachdem rechtzeitig dafür gesorgt wurde, dass alles an Wert aus seinem Eigentum verschwindet.Und dann taucht er ab. Natürlich von Schuld zerfressen, reumütig und beschämt, das böse Spiel nicht früher abgebrochen zu haben. Gern dann auch mit neuem Look und Outfit verbunden. Das macht das Wiedererkennen auf der Straße dann auch schwieriger und mögliche Diskussionen vermeidbar.Dann als für die Presse Verbrannter wird er sich erst als Ghostwriter verdingen. Möglicherweise via Agenten und Pseudonym bei exakt den gleichen Blättern, wo er dann durch andere geschriebene Artikel „künstlerisch aufpeppt“. Als Sühneleistung zu verstehen. Ggf. auch als Therapie…Und dann, so nach 7-10 Jahren kommt ein Buch. Auch als Therapieansatz. Klar. Und wenn sich das verkauft, dann umso besser. Gern auch als Grund- und Vorlage für ein Drehbuch. Der Mensch sieht erst dann mit dem Herzen gut, wenn er es auch mit dem Auge tut. Das wird ein erneuter Coup des „kleinen Prinzen“ werden.

    Dann ein paar weitere Werke, ggf. ein eigener Blog und das Märchen geht weiter… Wie schön für uns…

  2. Und was passiert nun mit der deutschen Presselandschaft und dem SPIEGEL?Mal ehrlich? – GAR NIX !!
    Warum sollte sich etwas ändern? Das war ein EINZELFALL. Wie immer wenn etwas nicht in das Konzept derer passt, die mit viel Vision, Ideologie und Realitätsferne bereit sein sollen etwas zu ändern.
    Zumal man die Berichterstattung doch auch selbst steuern kann, wie gerade bei der Europawahl wieder so schön vorgeführt wurde. Wäre ja auch amoralisch jetzt diesem Mitarbeiter hinterher zu forschen, ihn bloßzustellen. Seine Kindheit zu durchforschen, warum er zu so jemanden Absonderlichen werden konnte, der uns alle – sogar seine Arbeitgeber!! – so betrügen konnte.Und je weniger man sich selbst rührt, aufklärt und berichtet, je größer ist die Chance, dass der erkrankte Ex-Mitarbeiter – möge er schnell genesen! – unter Amnesie leidet. Natürlich auch stressbedingt.Daher wird die Schadensersatzforderung auch eher pressewirksam als juristisch und kaufmännisch begründet und angemessen ausfallen. Wenn überhaupt. Bloß keine schlafenden Geister wecken. Zumal es unfair wäre das nun leidende und kränkelnde Ausnahmetalent in seiner krankhaften Reue mit unnötigen Fakten zu behelligen. Das will doch keiner. Das wäre gegen den Ethos dessen, was der arme junge Mann doch selbst falsch gemacht hat, oder? Wo er fehlgeleitet war. Nicht erst wurde! Ganz wichtig. Ein kleiner aber feiner Unterschied.Und natürlich müssen nun intern Vorkehrungen getroffen werden, wo selbst künstlerisch und literarisch schöne Werke besser „durchleuchtet“ werden. Nicht kaufmännisch, aber eher handwerklich…Um nie wieder wie jetzt mit heruntergelassenen Hosen vor der Öffentlichkeit zu stehen und zu hoffen, dass niemand die Gelegenheit nutzt, um das zu tun, was man erwarten dürfte: ZUZUTRETEN!! – Und das so lange, bis der empörten Leserschaft die Luft ausgeht. Oder Muskelkater einsetzt…

Nein. DER SPIEGEL, das „Sturmgeschütz der Demokratie“ wird erst mal in der Tiefgarage geparkt. Hinten links. Wo man die Lampen entfernt hat. Bis später dann andere Themen den kleinen Märchenprinzen in ihrer kurzzeitigen Wahrheit überstrahlen. Der Leser wieder eingelullt und zufrieden neue Märchen liest, die so schön klingen.

Das journalistische Endprodukt wieder von einer „beispiellosen Leichtigkeit, Dichte und Relevanz“ beseelt wird, und das „nie offenlässt, auf welcher Quelle es basiert“.

Man kann sich irren, und beide Dimensionen wurden hier falsch analysiert. Auch hier nimmt der Autor für sich in Anspruch nicht alles zu kennen, zu sehen oder zu wissen. Es waren aber auch weder Tarot-Karten, noch ein Kaffeesatz noch eine Glaskugel im Spiel. Auch nicht in Kombination.

Es wurde nur das analysiert, was Presse so zum Besten gibt, wenn es im eigenen Hause brennt. Gerade in Zeiten, wo das Wort Lügenpresse im Umlauf ist und Auflage schwinden lässt. Die so verbreitete Wahrheit Reichweite – und damit Macht – verliert.

Das wird wie in der Kindershow „1,2 oder 3“ von Michael Schanze laufen: ob Du Recht hast oder nicht, sagt Dir gleich das Licht!

Dieses Licht kommt zeitverzögert, aber es kommt. Und dann sieht man, ob o.g. Einschätzung zutrifft, oder nicht.

DER SPIEGEL hat inzwischen seine Aufarbeitung abgeschlossen und das Ergebnis HIER als Download veröffentlicht.

Aber unter uns: es wird egal sein! Das wird in fünf Jahren keinen mehr interessieren, was der Märchenprinz macht oder eben nicht (mehr) macht. Wir werden ganz andere Probleme haben.
Demographie und Digitalisierung werden uns fest im Griff haben. Die nächste Wirtschaftskrise über steigende Zinsen ist absehbar und von den Börsen jetzt schon bewertet, wird uns andere Probleme bereiten, als die dann aktuelle Relevanz dieser Artikelserie zu diesem „Skandälchen“ für unsere Demokratie zu hinterfragen.

Zu diesem Zeitpunkt wird das Wort Altersarmut eher eine prägende Fragestellung für viel zu viele sein, die jetzt noch über Herrn Relotius die Nase rümpfen.
Aber es wird unsere heutige Pressemärchenlandschaft hinterfragt werden. Gern mit der Frage verbunden:

Warum habt ihr uns nicht rechtzeitig, richtig und umfassend informiert?

Und die Beantwortung dieser Frage dann, wird wirklich interessant werden, oder?

Mit dem Abschlussbericht des SPIEGEL, der weitgehend in der Presse unkommentiert geblieben ist zeigt sich, dass die Chefetage über Relotius unbehelligt blieb. Die Karriere wurde erst mal ausgesetzt. Nicht beendet. Der Chef der Dokumentation ist etwas früher in den Ruhestand gegangen. Fast schon im Nebensatz erwähnt, damit das Bauernopfer nicht zu weit ins Licht dessen gezerrt wird, was zum Zerrbild dessen wurde, was Presse sein sollte. Und die Konkurrenz sagte … nichts.

Und eben dieses Nichts sagt mehr als dieser überlange Artikel an sich. Es schreit uns förmlich aus aller Stille entgegen, dass unsere Presselandschaft einen Grad erreicht hat, wo Pressefreiheit organisatorisch, institutionell und rechtlich nicht mehr dem entspricht, was die Gründungsväter dieser Republik wollten. Was die Verfassung garantiert. Und was Augstein sich erkämpft hat. Für sich, sein Blatt und auch für uns alle.

Eigentlich sollte dieses Problem im Disput geklärt werden. Auf breiter Basis. Parteiübergreifend, kontrovers und mit aller nötigen Härt, denn Pressefreiheit ist ein wertvolles Gut. Doch stattdessen herrscht Friedhofsstille. Schlimmer noch, man macht einfach weiter. Legt sogar noch einen Zahn zu, wie das Strache-Video in Österreich beweist. Das Jahre alte Video – so entlarvend und bildgewaltig es für besoffene und hormongesteuerte Spinner als Medium stets war- wird weder zur Quelle noch hinsichtlich des Zeitpunktes der Veröffentlichung (kurz vor der EU-Wahl) hinterfragt. Komischerweise inzwischen von NIEMANDEN mehr. – Ist das das neue Presseniveau? Das Niveau, das DER SPIEGEL nach Relotius bedienen will? Als geläutertes Blatt mit neuem Anspruch an journalistische Qualität und Ethos?

Es wird der Zeitpunkt kommen, da wird der Fall Relotius nochmals betrachtet werden. Aus der Sicht derer, denen Pressefreiheit dann mehr bedeutet als unserer Presse heute. Mit dem Abstand der Jahre, sich ändernden Zeiten und neuen Ereignissen betrachtet selbst die Geschichtswissenschaft das ein oder andere historische Event inzwischen anders. Der Umgang mit eben Claas Relotius wird auch so ein Punkt sein, der dann medienwissenschaftlich untersucht und auch bewertet werden wird. Da bin ich mir sicher. Tiefer kann der Journalismus kaum sinken, ergo ist es ein Fanal dessen, was man als Pressefreiheit ansehen kann. Oder muss. Zumindest sollte…

Das Schweigen des Presserates ist auch so ein Punkt, wo das systemische Versagen offenkundig wird. DER SPIEGEL wurde noch nicht einmal gerügt.
„Sic parvis magna“. Alles Große fängt klein an. Auch der Verfall dessen, was mal als freie Presse galt und uns allen wichtig war. Der persönlichen Lethargie geopfert sich sonst einmal bewegen zu müssen, was gemeinhin anstrengend ist. Auch Mut kostet. Wenn erst mal die Einsicht da ist, dass es wichtig ist. Oder war…

Abschließend: was kann man machen, dass es die Relotius-Typen schwerer haben? Es besser wird…

Das Augstein Motto, dass DER SPIEGEL beiseitegelegt hat mag die Lösung sein: SAG WAS IST! Nur muss es der Leser – der Bürger an sich – tun.

Es ist offensichtlich, dass die von Facebook veröffentlichten Regeln zur Ermittlung von Trollen und Propaganda hier nicht greifen, das Blätter wie DER SPIEGEL hier in einer ganz anderen Liga spielen als ein Herr X aus Hinterwaldhausen, der sich auf FB unter „LichtDerWahrheit“ aufspielt, Ereignisse kommentiert, hetzt und diffamiert. Und sei es mit noch so gut getürkten Bildchen und Beiträgen. Denn hier erwarten wirklich nur ganz wenige Menschen die Wahrheit zu hören. Die Meisten wollen dabei nur ihre Gedanken, Gefühle und Meinung wiedergespiegelt sehen. Von anderen lesen…

Und das macht die Sache mit dem SPIEGEL vergleichbar. Die Geisteshaltung beim Leser ist dieselbe Basis dessen, was dort gern bedient wurde. Das „LichtDerWahrheit“ und „DER SPIEGEL“ unterscheiden sich hier nur um die Größenordnung des journalistischen Betrugs an der Wahrheit. Doch wo Herr X Einzeltäter ist, liegt (oder lag…) die Sache beim SPIEGEL nicht nur in den Händen von Herrn Relotius. Da steckte ein ganzes System dahinter, journalistisch, organisatorisch und auch marketingtechnisch. Dann auch von der Reichweite her. Dem finanziellen Impact. Und dem Anspruch des Gründers Rudolf Augstein, den Herr X so nicht hat. – Und das macht den Fall des SPIEGEL zu einem Fall, der in der anderen Liga spielt.

„Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“, ist so ein Satz, den die linke Bewegung in den 80er prägte und lebte.

Und solche Relotius-Typen als Journalisten und ein SPIEGEL als herausgebendes und damit Gewinn machendes Presseorgan haben die Rechte der Presse schamlos ausgenutzt. Herrn Augstein sr. in seinem Schaffen diffamiert. Sein Andenken übler geschändet als es jeder Herr X oder Y auf FB je hinbekommen haben. Sie schrien LÜGENPRESSE, aber es war schon lange eine Märchenpresse(!!), die Leserherzen glücklich sehen wollte. Nicht das, was guter Journalismus ist.

Als Leser muss man sich dagegen wehren. Doch wie? So als Einzelmensch…

  • Leserbriefe schreiben (gern online direkt unter dem Artikel!)
  • Unliebige Artikel selbst mit EIGENEN Kommentaren, Anmerkungen und Richtigstellungen verbreiten
  • Social Media Profile der Artikelautoren suchen und diesen eine Mail zukommen lassen.
  • Den Herausgeber anschreiben
  • Freunde bitten es auch zu tun, oder es gemeinsam machen
  • Selbst einen Artikel verfassen, veröffentlichen und verbreiten. Man wundert sich oft, wie weit der reicht.
  • Oder Journalisten auf der Straße einfach mal ansprechen, wenn sie dort mit Kamera, Mikro auf „Interviewopfer“ warten. Das geht auch anders herum. Keiner sagt, dass die sakrosankt sind. Die kann man auch zur Rede stellen… gern auch unter Einbeziehung von Umstehenden und Passanten.
  • Bei sehr fraglichen Dingen kann auch der Presserat involviert werden, der da ein gewisses Meldewesen unterhält.

Unsere Verfassung schützt die freie Presse in besonderem Maße als wichtiges Gut für unsere Demokratie. Das gilt auch und gerade für die Meinungsfreiheit der Bürger. Und diese Freiheit gebietet es auch das zu hinterfragen, was man uns dann als Meinung, Reportage und Journalismus vorsetzt. Kritisch Meinungsmache und Gesinnungspresse von dem zu unterscheiden, was wahr ist. Herrn X auf FB als das zu entlarven was er ist. Genauso wie Relotius-Typen und Märchen-SPIEGEL auf das Delta/ die Differenz zu dem hinzuweisen, was mal Anspruch war. Der eigene im Hause, wie auch der, den die verfassungsgebende Versammlung bei Gründung der BRD damals im Auge hatte.

Selbst der Presserat ist davon nicht ausgenommen. Ich habe den schon o. g. Artikel zum Presserat nicht nur geschrieben, ich habe ihn dem Geschäftsführer persönlich als Mail mit Anschreiben geschickt. Als Wochenendlektüre.

Es gibt die Volksweisheit, die da besagt, dass es „am Ende immer keiner gewesen ist“. Das betrifft dann meist die Täter. Er trifft aber auch auf die Opfer zu. Am Ende waren es immer all die, die zu lange gewartet haben, zu lange gezögert haben, zu lange tolerant waren und zu lange in der eigen Wohlfühlblase verharrten – bis es dann zu spät war. Dann „haben es ja alle immer schon gesagt, dass…“ – ja WAS? – Dass man wusste, dass das so nicht gutgehen kann? Nicht richtig war?

Wir regen uns über eine (nicht existente?) LÜGENPRESSE auf. Über die schmierige Journaille X, Y und Z. Über Medien an sich. Diese Sinnlos-Talks zu A und B im Fernsehen. Viele schauen das Possenspiel und Bauerntheater schon gar nicht mehr. Schalten die Nachrichten aus. Das erinnert an die DDR, wo Auslandspresse und Westfernsehen zum Informationsstandard wurde. Die Neue Züricher Zeitung gewinnt in Deutschland massiv an Lesern. Ein Alarmsignal?

Populismus kommt von Populus – dem Volk, das letztlich in einer Demokratie das Sagen hat. Seine Wünsche zählen. Man kann es leiten, informieren und auch steuern. Auf Basis der offenen Meinungsbildung und dem Dialog. Populisten nutzen hier auch Lug und Trug. Intrige und Verschwörung, um eben diese Steuerfunktion für Meinungen des Volkes für sich zu gewinnen.

Herr X auf FB ist daher schlecht, wenn auch einen Schritt weiter als viele, die gar nichts tun.

DER SPIEGEL mit seiner Relotius-affinen Redaktion stand dieser Einstellung von Herrn X in nichts nach. Ob es noch so ist, muss die Zukunft zeigen, aber das Strache-Video und die fragwürdig-journalistische SPIEGEL-Verstrickung darin lässt wenig Spielraum für Hoffnungen.

Am Ende wird durch solch ein Verhalten das Volk als Basis der Demokratie bewusst getäuscht, betrogen und mitunter dann auch am Ende verraten. Das hatten wir in Deutschland leider viel zu oft. Und es ging nie gut aus. Und das erste Opfer war stets die Wahrheit.

„SAG WAS IST“, aber sag es! Jeder für sich, aber alle gemeinsam immer wieder. Und macht ein „SO NICHT“ daraus!

Hier etwas dazu, was erschreckt. Man beachte die Gesichter im Publikum!

Die Schoenheit des Unheils - Bild simsek.ch
Die Schönheit des Unheils - Bild simsek.ch

Angefügt ein paar Links zu Seiten, die sich mit diesem Thema weiterführend beschäftigen. An die man sich auch wenden kann. Nicht jeder mag es den Presserat in seiner Wächterfunktion direkt anschreiben. Ihn sogar in seiner vernachlässigten Verantwortung zu kritisieren…

Wenn aber jeder nur etwas tut, reicht das vielleicht schon aus. Das sind wir mit Sicherheit unseren Kindern schuldig!

Bildquellen

Artikelbild: Yusuf Simsek: „WACH AUF!“ https://simsek.ch/

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Tag der Bundeswehr 2019 - Artikel 3 Fälle für den Staatsanwalt - Bild simsek.ch