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Die nationale CI und ihre Bedeutung für Migration und Integration

 In Deutschland, Europa, Future Work, Köln, Personal, HRM & Organisation, Politik & Öffentlicher Sektor, Sicherheit & Verteidigung

Wenn wir über Migration und Integration reden, dann ist das in letzter Zeit ein vorbelastetes Thema. Es ist deshalb vorbelastet, da wir jetzt, beim Massenanfall von Migranten, feststellen, dass etwas fehlt, von dem wir dachten, es wäre selbstverständlich. In Deutschland ist es sogar schwer dies in Worte zu fassen, die nicht gleich zerrissen werden. Andere Länder sind da deutlich selbstsicherer und in der Handhabung des Problems auch rigoroser. Doch wo ist der Unterschied? Warum ist das so?

Der Unterschied ist recht einfach erklärt: nicht jedes Land ist eine Nation. Denn nicht jedes Land hat sich und seine Werte jemals so hinterfragt, dass sie “alltagstauglich” sind. Auch unter Belastung.

Das, was wir hier also sehen ist, auch das, was wir im Kleinen schon beobachten konnten. In großen Unternehmen zum Beispiel. Konzernen, die aufgrund ihrer Größe, ihren unterschiedlichen Tochterunternehmen und damit auch unterschiedlichen Unternehmensgeschichten und Kulturen oft nicht mehr den Deckel auf den Topf bekommen, der das alles auffangen, halten und definieren soll.
Man hat sogar einen Namen dafür gefunden: Corporate Identity [1].

Oft wird sie Top-Down vorgegeben, allein deshalb schon, damit die oft bestehende Heterogenität in der Zielfindung nicht ausufert. Solche Ansätze fordern dann von den Untergesellschaften ein Zurechtfinden und Eingliedern in etwas, was mitunter so nicht von der Unternehmensspitze der Töchter und deren Mitarbeitern gesehen wird. Solche Ansätze sind dann – in aller Regel – zum Scheitern verurteilt. Sie werden nicht gelebt. Können auch nicht gelebt werden.

“Leistung aus Leidenschaft” der Deutschen Bank und “The Spirit of Passion” von Daimler-Benz sind nur zwei Beispiele, wie trotz zentralem Motto oft dennoch Fehlentscheidungen getroffen werden, die mit dem selbst gesteckten Identitätsziel wenig gemein haben. Der Geist der Leidenschaft war bei Chrysler genauso wenig zu vermitteln, wie das zügellos erscheinende Investmentbanking der Deutschen Bank als wirkliche Leistung angesehen wurde. Nicht nur nicht (mehr) vom Markt, auch, vor allem und als erstes durch die Mitarbeiter selbst. Man steuert nun also dagegen. Sucht neue Leitmotive und -bilder. Ein neues Motto, das dem Unternehmen, der Gemeinschaft, den dort Tätigen und dem Markt gerecht wird. Das kostet Zeit und Geld. Man tut es aber. Es ist erforderlich. CI fokussiert Kräfte durch Identifikation und motiviert daher auch. Und das ist ein geldwerter Vorteil für ein Unternehmen im Weltmarkt.

Bei Territorialstaaten und deren Bevölkerung ist das genauso, wenn sie nicht gewachsene Nationen sind. Mit einer eigenen geschichtlichen, kulturellen und/oder religiösen Identität, dass sie ausmacht. Nach außen, wie auch nach innen. Aber immer auf Basis dessen, was die Mehrzahl als für sich bezeichnend und bestimmend ansieht. Vielvölkerstaaten haben und hatten es da immer schwer. Die Probleme der KuK-Monarchie sind hier nur ein Beispiel. Das Jugoslawien der 90er ein anderes. Nie hatte jemals ein Staat Bestand, der durch die Menschen nicht mitgetragen wurde.

Ein Staat hat gemäß gängiger Lehre drei Bestandteile: ein Staatsvolk, ein Staatsgebiet und eine Staatsgewalt. Bei dieser Herangehensweise wird gern übersehen weil vorausgesetzt, dass es auch eine Staatsidentität gibt, die als tragender Bestandteil über allem steht. Volk, Gebiet und Gewalt einbettet in etwas, was gemeinsame Werte erst geschaffen haben. Werte, die gelebt wurden und werden; als Basis und Mantel für das, was dann in der Fläche als Land angesehen, in seiner Masse als Volk und seiner rechtlich definierten Herrschaftsausübung als Gewalt angesehen wird. Erst zusammen bilden diese vier (nicht drei!) Elemente eine Nation.

Wenn wir über Migration reden, reden wir eigentlich über den Zuzug in ein solches System. In eine Nation. Nicht bloß in ein Land… Und daher ist Integration auch nur da möglich, wo ein paar Bedingungen erfülllt sind. Bedingungen, die nicht überall gegeben sind, über die mitunter nie gesprochen wurde und solche, die man einfach voraussetzt; schlimmstenfalls sogar Top-Down verordnet hat.

Doch welche sind das? Was ist für westliche Staaten und Nationen bestimmend?

1.) die historische Basis

Nationen entstehen in aller Regel nicht auf dem Reißbrett. Da, wo das gemacht wurde, beispielsweise in Afrika, fallen solche künstlichen Grenzen schon allein dadurch auf, weil sie sich über hunderte Kilometer schnurgerade durch die Landkarte ziehen. Ohne Rücksicht auf Völker, Ethnien, Wirtschaft und Geographie. Dieser geschichtliche Irrsinn hat u.a. die Konflikte von heute verursacht, die Migrationswellen auslösen.
In Europa sehen wir die Realitäten einer geschichtlichen Entwicklung zu den Ländern, die heute Europa bilden in jeder einzelnen Grenze. Angefangen von kommunalen über regionale bis hin zu den Landesgrenzen. Sie folgen teilweise Flüssen, Bergrücken und oder exakt gemarkten Grenzverläufen. Aus gutem Grund; sie waren mitunter über Jahrhunderte umkämpft. Und in diesen Konflikten bildete sich eine historisch determinierte Basis für alles andere, wie die Namen der Länder schon sagen. Frankreich ist das Reich der Franken, Deutschland das Land der Deutschen und die USA eine Vereinigung von bloßen Staaten, die sich bis zu ihrer Gründung eben nicht historisch entwickelt hatten.

2.) gemeinsame Werte

Über die oft Jahrhunderte andauernden Konflikte haben sich Werte herausgebildet, um die oft selbst gerungen wurden. So gab es lange Zeit gar kein Deutschland an sich. Erst 1848 mündete das Verlangen derer, die sich als Deutsche sahen in etwas, was dann die erste Verfassung wurde für ein Land, das dann Deutschland wurde. Basierend auf dem, was Reformation und Restauration sowie Nachklang des Wiener Kongresses ausmachten. England wählte die Bezeichnung Vereinigtes Königreich und führte es auch so. Als ein Land mit verschiedenen Identitäten aber einem gemeinsamen Bezugspunkt. Die USA, “the land of the free” wie sie von sich selbst sagen, basieren auf dem, was in ihrer Unabhängigkeitserklärung so blumig aber auch sprachlich schön und eindringlich prägnant formuliert ist: dem Recht auf ein Streben nach Glück in Freiheit.

3.) Religion

Der Glaube ist ein zentrales Element in der Identitätsfindung und -bewahrung von Völkern. Das ist mitunter recht schwer, langwierig und blutig. Hier sind die Reformationskriege anzuführen, die in Deutschland erst mit dem Westfälischen Frieden beendet waren, aber sich bis heute als demographische Linie durch das Land ziehen. Als Protestant einen Katholiken zu heiraten ist bis heute mitunter ein familiäres Problem, das ganzheitlich als Gesellschaftsphänomen überwunden ist. Es existiert eine gemeinsame christliche Basis. Dieser daraus resultierende Werterahmen gab unser Recht vor, auf dem nicht zuletzt unsere Verfassung basiert. Eine jede Verfassung; weltweit und seit jeher.

4.) Rechtssystem

Unser europäisches Recht basiert auf dem Erbe Roms. Das römische Recht ist Angelpunkt unserer inneren Rechtssysteme. Der Code Napoleon ergänzte es auf der Basis dessen, was die Aufklärung und die Französische Revolution den Völkern an Gleichstellung brachten. Dass auch das oft ein Ringen war, zeigt die Tatsache, dass unser deutsches Bürgerliches Gesetzbuch erst Anfang des 20. Jahrhunderts verabschiedet wurde.

5.) Gleichheit

Dieser Gleichheitsgrundsatz ist etwas, was westliche Staaten allesamt gemeinsam haben. Die Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz; unabhängig von Rasse, Herkunft, Geschlecht, Religion, Ethnie, Nationalität oder gesellschaftlichem Stand. Dieser Grundsatz ist nicht selbstverständlich. Er wurde blutig erkämpft und noch blutiger immer wieder verteidigt. Frauen haben die gleichen Rechte wie Männer ist auch erst hundert Jahre alt. Dass Schwarze in den USA wählen dürfen, sogar die gleichen Schulen besuchen dürfen war auch nicht kampflos möglich. Das reale Streben nach Glück in Freiheit war ihnen lange verwehrt. Selbst die politische Teilhabe daran. Und das in einem Land, das sich selbst als das Land der Freien sieht!

6.) Toleranz

…wird gerne so nicht als gesellschaftliches Einzelmerkmal gesehen, ist aber entscheidend. Toleranz ist die Fähigkeit andere Meinungen zu akzeptieren, sie zuzulassen und wenn von der eigenen abweichend friedlich miteinander in einen Konsens zu bringen. Doch auf Staatenebene und als Gesellschaft ist sie noch entscheidender. Toleranz gegenüber anderen Nationalitäten, Rassen, Ethnien, Religionsgemeinschaften, Wirtschaftssystemen und auch Ideologien prägen und festigen den Zusammenhalt der Staaten. Sie begründen ein System auf Gegenseitigkeit. Ein Gedanke, der die EU hervorgebracht hat. Der aber auf dem basiert, was 46 Millionen Tote allein im 2. Weltkrieg in Europa hinterlassen haben.

Diese Werte sind für Nationen zur Identitätsbildung notwendig, grundlegend und systembildend. Sie ziehen sich durch unsere gesellschaftliche Ordnung, durch unsere Institutionen und unser Weltbild. Sie begründen das, was alle westlichen Völker als freiheitlich-rechtliche Grundordnung für sich und ihre Kinder, und damit für die Zukunft, formuliert haben. Die Ausprägung und konstitutionelle Organisation ist unterschiedlich doch gemeinsam ist allen westlichen Staaten eines:

Freiheit in Gleichheit für alle!

Doch wie wirkt sich das auf Migranten aus, die in ein solches System hineinwollen (oder sogar als Flüchtling müssen), aber aus einem ganz anderen Kulturkreis kommen? Wie würden sich große Konzerne dieser Herausforderung für ihre CI stellen? Auch unter dem Aspekt, dass der demographische Wandel in den Unternehmen zunehmend Fachkräfte von außerhalb der westlichen Staaten notwendig machen wird. Das nationale Problem wird immer schneller auch zum Problem der Wirtschaft, ihrer Wirtschaftskultur, ihrer Unternehmenskultur und ihren Belegschaften werden. Sie ist Teil der Entwicklung an sich.

Was muss also ein Migrant in einem solchen System vorfinden, damit eine Integration möglich wird?

  1. Die, die integrieren sollen, müssen in der Mehrzahl sein. Es muss ein überaus deutliches Übergewicht zu denen da sein, die sich integrieren wollen und sollen.
  2. Es müssen beide Seiten die Integration wollen.
  3. Es muss eine Infrastruktur da sein, die eine Integration fördert. Die muss ex ante geschaffen sein, damit sie da ist, wenn/sobald sie gebraucht wird.
  4. Es muss ein Generalplan vorhanden sein, der in der Lage ist, differenziert aber allgemeinverbindlich Integrationsschritte abzubilden.
  5. Es muss ein Rahmenzeitplan existieren. Eine Integration muss einen Anfangspunkt und einen definierten Endpunkt enthalten, an dem der zu integrierende dann selbst weitermachen kann.
  6. Es muss zuallererst die (Haupt-)Sprache des jeweiligen Landes erlernt werden können. Allein die Sprache ist das Integrationsinstrument an sich. Nur durch Kommunikation kann Integration gelingen. Nur so Geschichte, Mentalität, Werte und Vorstellungen vermittelt werden; aber auch Rechte und nicht zu vergessen: Pflichten!

Dass es Migranten aus anderen Gesellschaften hierbei nicht leicht haben, ist unbestritten. Allein schon das Erlernen der Sprache (ggf. inkl. neuer Schrift!) ist eine Herausforderung. Das Leben und sich Einfügen in einen anderen Kulturkreis mag für viele auch einem (Anfangs-)Schock gleichkommen. Nie waren Völker freier und freizügiger als in der westlichen Welt heute. Gelebte Homosexualität, Transsexuelle und die Tendenz selbst sakrale Gegenstände zweckzuentfremden, zu parodieren und zu “verunglimpfen” ist eben auch Teil dieser Freiheit, die dann Meinungsfreiheit heißt.

Gerne gehen wir davon aus, dass all diese Mittel und Voraussetzungen da sind. Frau Merkel glaubte es zumindest. Andere Staaten waren da skeptischer oder auch realistischer, was ihre organisatorischen, finanziellen und gesellschaftlichen Ressourcen betraf.

Viele Länder sagten auch, teilweise mit Blick auf die Geschichte ihrer Länder und Völker, dass sie nicht glauben, dass sie so viele Migranten aus anderen Kulturkreisen integrieren können. Einige sagen auch, dass sie es auch schlicht nicht wollen. Selbst “the land oft the free” mit 350.000.000 Amerikanern, will keine 100.000 Flüchtlinge pro Jahr aufnehmen. Deutschland hätte in diesem Maßstab keine 30.000 aufnehmen müssen. Genommen wurden 1.100.000! Doch da, wo sich andere von Anfang an einig waren, herrschte in Deutschland anfangs eine tatsächliche Willkommenskultur. Bis die Stimmung kippte. Nach Sylvester, als in extremis Spielarten offenkundig wurden, die so absolut nicht integriert werden können.

Was war passiert? Was wurde offenkundig?

Deutschland wurde sich bewusst, dass es Annahmen in seiner “CI” hatte, seinem Nationalgefühl und seinem gesellschaftlichen Denken, die so nicht stimmten. Deutschland war nicht so tolerant, wie man seitens der sogenannten “intellektuellen Eliten” glaubte. Die seit Jahrzehnten propagierte nationale Identität entsprach eben nicht mehr dem, was das Volk wollte. Toleranz entpuppte sich als Gleichgültigkeit geboren aus Wohlstand, Nichtbetroffenheit von kostenmäßiger Teilhabe an (persönlich empfundenen) falschen Entscheidungen und dem Gefühl der physischen Sicherheit, das das Ausleben der individuellen Freiheit garantierte, inklusive dem jahrelang praktiziertem Recht der politischen (Wahl-)Abstinenz…

Mit Köln kippte das System. Ein System der systematischen Unterdrückung/ Beschönigung von allen Informationen, was Migration uns tatsächlich kostet. Sicherheitspolitisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Oft wurde die Wahrheit dem Prinzip geopfert, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Die Verteidigung der Freiheit und Gleichheit mit Mitteln gefördert, die an Gleichschaltung staatlicher und verfassungsmäßiger Institutionen erinnert. Und das unter dem demokratisch verklärten, weil nie vehement widersprochenen Motto, “den Anfängen zu wahren”. Der Top-Down-Ansatz zu dem, das Deutschland sein sollte, war nicht mehr das, was das Volk empfand. Vielleicht war es das sogar nie. Eine Diskussion fand nie statt.

Andere Länder, die sich jetzt gern als Migrationsexperten sehen, können oft nur Integration von gleichartigen Migranten bejubeln. Verlieren dabei aber aus den Augen, dass sie als Volksgruppe, Rasse und Ethnie selbst Migranten waren, wie zum Beispiel Amerikaner, Kanadier und Australier. All diese heutigen Nationen waren Einwanderer in einem Land, wo es schon Menschen gab, die dort seit Jahrtausenden lebten. Mit eigener Kultur, eigenen Gesetzen und eigenen Wertvorstellungen, die sich drastisch von den Neuankömmlingen unterschieden haben. Wenn diese drei Länder nun von gelungenen Integrationen von Migranten sprechen, dann meinen sie den Nachzug von “Ihresgleichen”, nicht ihre eigene Integration. Die fand nur Anfangs statt. Dann wurden die Ureinwohner vertrieben, in Reservate gesperrt oder einfach getötet. Heute haben die Überlebenden Bezeichnungen wie “Native Nations”, “Lost Generations” und andere Euphemismen, um zu verhindern, dass man sich selbst als Völkermörder sehen müsste.

Das ist exakt die Art der Migration, die in den Köpfen derer ist, die jetzt den Zustrom eines anderen Kulturkreises en masse sehen. Ungefiltert, unreglementiert, unaufgefordert und oft auch unregistriert. Dazu eine nicht erkennbare Integrationsstrategie mit zu wenig Mitteln ausgestattet, eine Infrastruktur, die dafür nie ausgebaut und/oder vorgesehen war und ohne klares gesellschaftliches, wirtschaftliches und sicherheitspolitisches Konzept. Letzteres fiel mit Köln – weltweit.

Während Nationen, die sich ihrer Identität sicher oder bewusster waren sofort reagierten, Obergrenzen von Migranten definierten und durchsetzten, tat sich Deutschland, eben durch eine völlig fehlende buttom-up gelebte nationale Identität schwer, rechtzeitig “den Stecker zu ziehen”, “die Schotten dicht zu machen” und für sich das zu vollziehen, was für eine Integration nötig ist: die eigenen Werte zu definieren, benötigte Mittel auszuloten und ggf. bereit zu stellen und für sich zu entscheiden, WAS man genau will.

All das hat Frau Merkel für alle im Alleingang bestimmt. Und nicht nur für Deutschland, auch für Europa, denn das, was Deutschland nun betrifft, wird an den offenen Grenzen eines freien Europas, der Welt, eben nicht mehr haltmachen. Die Attentäter von 9/11 studierten in Hamburg, der Attentäter von Paris kam aus Deutschland. Sicherheit ist somit kein nationaler Alleingang mehr. Hat nichts mit nationaler Willkommenskultur zu tun sondern ist integraler Bestandteil dessen, was westliche Freiheit in Gemeinschaft aller Nationen ausmacht.

Sicherheit ist, hinter der Existenzsicherung, das zweitwichtigste Grundbedürfnis des Menschen. Fällt sie weg oder wird sie eingeschränkt, handelt der Mensch. Das ist jetzt in Deutschland zu erleben. Köln als Sinnbild hat klargemacht, dass Toleranz endlich ist, sobald fundamentalere Werte bedroht sind. Und das unabhängig von nationalen Unterschieden. Schweden, Dänen, Ungarn, Polen, Amerikaner, Schweizer und viele andere zeigen das deutlich.

Mit wegbrechender Toleranz, bricht auch der Wille zur Integration weg, wenn die Sicherheit für das, an das wir gewohnt sind, in Gefahr gerät. Erst als gefühlte schwindende persönliche Sicherheit (z.B. sexuelle Freizügigkeit der Frau) und dann die gesellschaftliche Sicherheit als Nation mit ihren Werten.

An dieser Stelle muss man sich auch an die geduldete unkontrollierte Migration erinnern, die aus dem englischen Protektorat Palästina erst den Staat Israel machte und dann den Arabischen Dauerkonflikt mit der westlichen Hemisphäre bis dato gestaltet. Ein Thema, das gern ausgeblendet wird. Eigentlich negiert wird. Dennoch aber ein gutes Beispiel dafür ist, dass Integration gewollt sein muss und Masse auf der Zeitachse eben doch eine Rolle spielt. Dieser Absatz mag nun irritieren, er verdient es aber eines ernsthaften Nachdenkens ohne Schuldkomplex und Sachbezug.
Und, auch das sollte klar sein, dass eine Migration aus radikalisierten arabischen Räumen keine Punkt zur Freude für jüdische Mitbürger sein wird. Auch darüber muss man nachdenken!

Die Fähigkeit zur erfolgreichen Integration von Migranten setzt also genauso Mechanismen zur Bildung einer Nationalidentität voraus, wie die CI exakt das für Unternehmen gestaltet; unternehmerisch aber differenziert, ganzheitlich und systemisch betrachtet. Zumindest in der wissenschaftlichen Theorie und der akademischen Sicht. Da diese CI aber auch ein Wirtschaftsgut mit Kostencharakter ist, ist die Ausgestaltung in gewinnorientierten Organisationen oft kostenminimiert. Ein Umstand, der jetzt durch das Employer Branding im demographischen Wandel zunehmend aufgeweicht wird und ein Wettbewerbsvorteil ist, und dadurch inhaltlich maximierbar geworden ist.

Nationen mit jahrhundertalter Tradition, Wertebildung, Normen und Glaubensgrundsätzen sowie nicht durchbrochenen geschichtlichen Viten (England, Frankreich, Spanien, USA,…), tun sich hier leichter als Staaten, die sich aus geschichtlichen Gründen neu erfunden haben. Und das mitunter nicht von sich aus, sondern von oben verordnet, ohne Breitendiskussion und ohne auch nur zu fragen, ob das alles so gewollt ist.
Fehlende Befragung zu Themen wie Euro-Einführung, EU-Verfassung und Schuldenübernahme/ Bürgschaften von/für andere(n) Staaten waren in Deutschland wenn auch unter Murren hinnehmbar. Auch hunderttausende von Migranten, die zu integrieren wären. Selbst die Zusatzkosten dazu. Doch der Verlust der Sicherheit, durch bloße Überheblichkeit und Selbstherrlichkeit derer, die glaubten für und über das Land entscheiden zu dürfen, war schlicht zu viel.

Der Baum biegt sich bis er bricht!

Das mag für Bäume und Pflanzen zutreffen. Die können a) nicht weg, haben b) keine Intelligenz und c) unterliegen sie auch nicht gruppendynamischen Prozessen. Drei kleine Unterschiede, die gemeinhin Menschen von Bäumen unterscheiden.

Migranten haben ihr Land verlassen, weil sie nicht brechen wollten. Jetzt suchen sie neue Erde, wo sie gedeihen können. In einem Gebiet, wo andere über eben diese Erde wachen. Sie besitzen. Und diese Menschen wollen sich nicht zu Ureinwohnern machen lassen, die am Ende ihrer Gastfreundschaft als “Natives” quasi verspottet werden. In keiner Sprache.

Die westliche Welt hat in ihrer Geschichte genau das getan. Wir wissen darum. Sprechen nicht gern darüber. Haben es aber im Hinterkopf. Schämen uns auch zum Teil dafür. Die einen öffentlich und immer wieder (Deutschland/Österreich), die anderen verhalten und bei Bedarf (USA/Kanada/Australien) und andere gar nicht (Belgien mit Kongo/Spanien mit Lateinamerika). Manche denken sogar, dass das Unrecht, das sie begingen, göttlich legitimiert ist (Israel in Palästina).

Die Integration von Migranten setzt immer ein gesundes und gestandenes Nationalbewusstsein derer voraus, die integrieren wollen(!), und das Verständnis derer, die integriert werden möchten(!), dass sie sich der Mehrheit derer anzupassen haben, die sie bei sich aufzunehmen bereit sind(!). Integration ist wie Migration kein Recht derer, die kommen, sondern eine Entscheidung von freien Menschen in freien Nationen Anderen Teilhabe an etwas zu verschaffen, was sie sich über Jahrhunderte aufgebaut, erschaffen und erkämpft haben. Die Nationalidentität ist der Rahmen, in den Migranten integriert werden können. Die dazu vorhandenen Ressourcen bilden den Maßstab ab. Und des Volkes Wille ist die gemeinschaftlich getroffene Entscheidung ob, wann, wie lange und wie viele Menschen kommen können, sollen und dürfen, damit gemeinsame Werte nicht verloren gehen. Der Gesamtrahmen nicht bricht.

Und dieser Gesamtrahmen in seiner Vernetzung und Verflechtung mit anderen Nationen westlicher Denk- und Lebensart kann nicht durch Einzelentscheidungen gefährdet werden. Schon gar nicht durch eine Clique von Einzelpersonen. Das Zusammenwachsen von Europa hat auch etwas geschaffen, über das auch keiner gerne spricht und was mit dem erneuten Aufkommen von EU-weitem Nationalismus unterzugehen droht: es gab ein aufkommendes europäisches Bewusstsein, das in Summe mehr war als die Summe seiner Teile.

Doch dieses Bewusstsein auch als gemeinsame Identität zu definieren war nie Zeit. Im Gegenteil. Das Ergebnis einer solchen Identitätsfindung, eine gemeinsame EU-Verfassung, wurde vielen Bürgern durch die Parlamente abgenommen. Auch das rächt sich jetzt.

Sicherheit ist nicht alles, doch ohne Sicherheit ist alles ganz schnell nichts mehr wert. Das lernen wir gerade wieder…

Und dann ist da noch ein letzter Punkt. Die schnell überalternden Bevölkerungen in Europa brauchen “frisches Blut”. Und dieses kann nur aus Räumen kommen, die nicht unbedingt westlich geprägt sind. Westliche Länder haben keinen Bevölkerungsüberschuss mehr wie Ende des 19. Jahrhunderts, der zu Einwanderungswellen in die USA, Lateinamerika und Australien führte. Wenn wir als Europa Fachkräfte brauchen, die unsere Wirtschaft aber auch unsere Gesellschaften stützen sollen, dann ist Migration ein MUSS! Ergo ist hier nicht die Frage an sich zu klären, ob wir Migration wollen, sondern WIE wir sie gestalten!

Und das Mittel dazu heißt einvernehmlich geregelte Integration

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Quellen:


[1] Vgl.: Sascha Rauschenberger: Unternehmenskultur: Chance und Risiko der Corporate Culture für das HRM in der Arbeitswelt der Zukunft, Conplore Magazine (2014)

Buchcover - Future Work und Megatrends - von Sascha Rauschenberger

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