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 Themen: Bayreuth, Bayreuther Ökonomiekongress, Deutschland, Europa, Family Business, Management & Strategie

CM: Frau Dr. Jäkel-Wurzer, Stichwort “Führungsverhalten” –

was können Männer von Frauen lernen, was Frauen von Männern?

Daniela Jäkel-Wurzer:
Der Führungsstil von Frauen in Familienunternehmen ist sehr kooperativ geprägt. Schon weil sie oft Familie und Führung vereinbaren, binden sie Mitarbeiter stark in Entscheidungen und Verantwortung ein. Frauen führen daher auch verstärkt im Tandem und stellen sich dafür gezielt Experten, die einzelne Bereiche verantwortlich optimal besetzen, an ihre Seite. Diese ausgeprägte Verantwortungs- und Entscheidungskultur tut dem Unternehmen gut und fördert Entwicklung und Wachstum. Die weichen Themen wie Marke, Kommunikation, Familie und Beruf und Führungskultur in den Fokus zu nehmen und aktiv zu entwickeln, stärkt zusätzlich die Zukunftsfähigkeit. Familienunternehmen sind nicht selten ländlich angesiedelt. Eine attraktive und nachhaltige Unternehmenskultur unterstützt die wichtige Bindung von Potenzialträgern. Den eigenen Fokus weg von einer ausgeprägten Machtorientierung hin zu einer kooperativen und teamorientierten Führungskultur zu lenken, ist eine Stärke von Frauen, die Vorbildfunktion aufweist.

CM: Sie sind Gründungsmitglied der Initiative “generation töchter”, die sich seit 2012 für die Förderung der weiblichen Unternehmensnachfolge einsetzt. Wie wird das Thema in Familienunternehmen angenommen? Welche Erfolgsbeispiele gibt es?

Daniela Jäkel-Wurzer:
Das Thema wird ausgesprochen gut angenommen. Schon an der hohen Rücklaufquote unserer Fragebögen der aktuellen Studie konnten wir ein hohes Interesse am Thema weibliche Nachfolge erkennen. Auch für Familienunternehmen ist es im Zuge der gesellschaftlichen und demografischen Entwicklung entscheidend, sich mit dem Themen Nachfolge und Familienmanagement aktiv zu beschäftigen und vor allem auch das Potenzial der Töchter für die Nachfolge zu erkennen. Nur so können Generationenübergänge auch zukünftig erfolgreich bewältigt werden. Erfolgsbeispiele gibt es mittlerweile zahlreiche. Allein in unserem Buch haben wir eine Auswahl an fast 30 Erfolgsgeschichten dargestellt und wir sammeln jeden Tag mehr.

CM: Zu welchen Ergebnissen kam die von der Initiative durchgeführte Studie “Weibliche Unternehmensnachfolge – gestern – heute – morgen”? Was sind die Kernbotschaften?

Daniela Jäkel-Wurzer:
Das Ergebnis ist: weibliche Nachfolge prägt die wirtschaftliche Entwicklung von Familienunternehmen sehr positiv. Die Nachfolge durch Töchter eine Art Bruch in der Traditionslinie der Unternehmen, die häufig über Generationen männlich geprägt ist. Genau durch diesen Bruch entsteht ein großer Spielraum für Veränderung, Innovation und Entwicklung. Anders als Söhne können Töchter schon qua Geschlecht die Unternehmensführung nicht identisch wie ihr Vater gestalten. Sie suchen damit automatisch nach neuen Wegen, bilden neue Strukturen heraus, finden neue Prozesse und Produkte. Mit diesen oft sehr kooperativ geprägten Veränderungsprozessen sind sie am Puls der Zeit und gestalten Zukunftsfähigkeit für das Unternehmen.

Kernbotschaften: Töchternachfolge ist Tandemnachfolge: Töchter führen zwei Jahre und länger gemeinsam mit ihrem Vater. Töchter steigen oft quer in das Unternehmen ein und sind nicht von Begin an im Fokus der Nachfolge. Wille und Begeisterung sind ebenso wichtig für die Übernahme wie Qualifikation. Töchter vereinbaren Führung und Familie. Über 70% der Töchter haben Kinder. Anders als bei den Vätern ist der Führungsstil der Töchter sehr kooperativ geprägt. Töchter planen ihre eigene Nachfolge im Schnitt 10 Jahre früher als ihre Väter.

CM: Frau Dr. Jäkel-Wurzer, vielen Dank für Ihre Zeit und die gewonnenen Einsichten.

Wir wünschen Ihren Klienten und Ihnen alles Gute und nachhaltigen Erfolg!

 


Zu den Personen:
Dr. Daniela Jäkel-Wurzer ist Expertin für die Belange von Unternehmerfamilien. Zunächst als Wissenschaftlerin, später als Beraterin hat sie zahlreiche Nachfolge- und Übergangsprozesse analysiert und begleitet. Ihr umfassendes Know-how gibt die promovierte Soziologin heute als selbstständige Beraterin und Coach weiter. Sie unterstützt und berät Nachfolgerinnen rund um den Übernahmeprozess des Unternehmens und entwickelt gemeinsam mit der Unternehmerfamilie funktionierende Familienstrategien. Bereits im Rahmen ihrer Promotion beschäftigte sie sich mit dem Thema Töchternachfolge. Zusammen mit Kerstin Ott gründete sie 2012 die Initiative generation töchter und engagiert sich hier aktiv für die Förderung weiblicher Nachfolge.

Kerstin Ott hat in Nürnberg, New York und Stockholm studiert. Nach Abschluss ihres betriebswirtschaftlichen Studiums arbeitete sie zunächst bei einem weltweit führenden Unternehmen der Elektrotechnik. Seit 2002 ist sie als selbstständige M&A-Beraterin tätig und hat sich als Expertin für Finanzierungsthemen und Nachfolgeregelungen einen Namen gemacht. Sie selbst hat sich gegen eine Nachfolge im väterlichen Unternehmen entschieden – und ist dabei auf ihre eigentliche Berufung gestoßen. Heute unterstützt sie mittelständische Unternehmen bei der Übergabe in die nächste Generation. Oder hilft, die Existenz von Unternehmen durch externe Nachfolge zu sichern. Mehr als 50 Unternehmenstransaktionen und Nachfolgeregelungen hat die Diplom-Kauffrau (FH) bereits begleitet.

Zur Institution:
Die Initiative “generation töchter” wurde 2012 in Nürnberg ins Leben gerufen. Die beiden Gründerinnen, Soziologin Dr. Daniela Jäkel-Wurzer und Diplom-Kauffrau (FH) Kerstin Ott, verbindet damals wie heute ein Ziel: weibliche Nachfolge in Familienunternehmen zu fördern. Mittlerweile ist “generation töchter” zu einem beachtlichen Netzwerk herangewachsen, dem sich immer mehr Nachfolgerinnen anschließen. Neben Studien und Veröffentlichungen stellen die Beteiligten als Expertinnen ihr Wissen und ihre Erfahrungen im persönlichen Austausch, in Vorträgen, Seminaren, Workshops und in der Beratung zur Verfügung. Die Studie hat eines ganz deutlich gezeigt: Die Leistungen der Unternehmerinnen sichtbar zu machen und sie zum Austausch zusammenzubringen, ist einer der besten Wege, um weibliche Nachfolge zu fördern.

(Quelle: Dr. Daniela Jäkel-Wurzer)