Inflation, Zinsen und Konjunktur: Was wirtschaftliche Veränderungen für Vermögen bedeuten
Der nominelle Wert des eigenen Vermögens ist keine statische Konstante, sondern verändert sich beispielsweise durch Marktschwankungen und unterschiedliche Wertentwicklungen der jeweiligen Anlageklassen. Aber auch die aus dem Vermögen tatsächlich resultierende Kaufkraft variiert. Sowohl im Vermögensaufbau als auch beim Vermögenserhalt spielen äußere Faktoren wie die Inflation, aktuelle Zinsentwicklung und Konjunktur eine Schlüsselrolle.
Inflation, Zinsen und Konjunktur: Die wichtigsten Zusammenhänge
Die Inflation misst den allgemeinen Anstieg des Preisniveaus. In Deutschland wird hierfür der Verbraucherpreisindex (VPI) gebildet, der sich aus einem Korb unterschiedlicher Güter zusammensetzt. Zuletzt betrug die Inflationsrate in Deutschland laut dem Statistischen Bundesamt 3,3 %, wobei diese insbesondere durch die großen Preissprünge im Energiesektor (+14,9 %) getrieben wurde. Zum Vergleich: Preise für Nahrungsmittel stiegen über das letzte Jahr um lediglich 0,4 % an.
Praktisch bedeutet das für Anleger ebenso wie für den Geldbeutel: Heute müsste man durchschnittlich 103,30 Euro für Waren ausgeben, die im Vorjahr noch lediglich 100 Euro kosteten. Inflation führt also zu einer fortlaufenden Geldentwertung, da ein einzelner Euro weniger Kaufkraft in sich bündelt als noch zuvor.
Noch deutlicher werden die Auswirkungen beim Vermögen. Beträgt die Inflation 3 % p. a. über 10 Jahre und beziffert sich das Vermögen auf 100.000 Euro im ersten Jahr, dann ist dieselbe Summe ein Jahrzehnt später deutlich weniger wert. Die tatsächliche Kaufkraft dieser 100.000 Euro wäre im zehnten Jahr nur noch etwa 74.000 Euro. Beträgt die Inflation über dieses Jahrzehnt „nur“ 2 %, wären die 100.000 Euro Vermögen in Kaufkraft immerhin noch 82.000 Euro wert.
Damit die Inflation nicht überhandnimmt, wurde die Europäische Zentralbank (EZB) mit einer Verpflichtung zur Preisstabilität ausgestattet.
Bei hohen Inflationswerten kann die EZB gegensteuern, indem sie ihren Leitzins erhöht. Dadurch verteuern sich wiederum Kredite und Finanzierungen, weshalb ein hoher Leitzins die wirtschaftliche Aktivität hemmt. Das ist in diesem Fall gewünscht, um der Inflation Einhalt zu gebieten.
Wenn die Inflation hingegen unproblematisch, also nahe oder unter ihrem Zielwert von 2 %, ist, kann die EZB den Leitzins auch senken. Das treibt die Wirtschaft an und ist aus Anlegersicht im Regelfall günstig, da Vermögenswerte in diesen Phasen überproportionale Wertzuwächse verzeichnen.
Zuletzt, auch bedingt durch die weiterhin relativ hohe Inflationsrate im EU-Raum, erhöhte die EZB den Leitzins wieder um 25 Basispunkte. Zum aktuellen Zeitpunkt beziffert sich der Einlagezins damit auf 2,50 %. Wichtig ist das sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen, denn beide sind direkt von der Konjunktur (der wirtschaftlichen Lage und dem Wirtschaftswachstum) betroffen.
Im Aufschwung (Expansion) wächst die Wirtschaft, was aber auch zu höheren Inflationsraten führen kann, insbesondere in der späteren Boom- beziehungsweise Hochkonjunkturphase. Dann werden oft die Zinsen erhöht, um eine weitere Überhitzung zu vermeiden, was aber auch zu einem Abschwung oder einer Rezession führen kann. Dann verlangsamt sich die wirtschaftliche Aktivität, um so auch die Inflationsrate wieder nahe dem gesetzten Zielwert zu bringen.

Wie wirtschaftliche Veränderungen unterschiedliche Vermögenswerte beeinflussen
Nicht alle Anlageklassen reagieren identisch sensibel auf die Konjunktur und Zinsveränderungen. Das ist ein weiterer Grund, warum professionelle Anleger diversifizieren – also nicht ihr gesamtes Kapital in eine bestimmte Anlage investieren, sondern es streuen, auch über mehrere Anlageklassen hinweg.
Ein Vergleich zwischen den Anlageklassen zeigt deutlich, wie unterschiedlich diese auf Zinsniveau und Konjunktur reagieren:
1. Aktien
Bei steigenden Zinsen geraten Aktien unter Druck. Zweierlei Gründe spielen hierbei eine Rolle: Steigende Zinsen hemmen die wirtschaftliche Aktivität. Die Unternehmensgewinne, die durch Aktien verbrieft werden, reduzieren sich also oder wachsen weniger schnell. Gleichermaßen können Anleger, die mit Aktien immer ein Risiko übernehmen, durch die höheren Zinsen an anderer Stelle mit weniger Risiko mehr Zinsen generieren.
Ein einfaches Beispiel: Wird ein sicheres Tagesgeldkonto mit 4 % verzinst, sind die typischerweise langfristig mit Aktien erzielten 8 % p. a. weniger attraktiv, als wenn ein Tagesgeldkonto nur 0,5 % Zinsen abwirft. Der Renditeabstand zwischen sehr sicheren Anlagen und risikobehafteten Anlageklassen (wie Aktien) reduziert sich bei einem steigenden Zinsniveau also, während zugleich die verlangsamte Konjunktur zu schlechteren Ergebnissen auf Unternehmensseite führt.
2. Anleihen und festverzinsliche Anlagen
Bereits herausgegebene Anleihen werden bei steigenden Zinsen weniger attraktiv, da neu herausgegebene Anleihen zugleich einen höheren Zinssatz haben. Zudem steigt das Risiko speziell bei Unternehmensanleihen, wenn die Konjunktur schwächelt, da das Risiko für einen Zahlungsausfall steigt. In Phasen von Zinssenkungen gewinnen Altanleihen hingegen an Wert, da sie noch den „alten“, höheren Zinssatz verbriefen. Liegt die Inflation über der Rendite einer Anleihe, entsteht zudem ein Kaufkraftverlust.
3. Immobilien
Immobilienfinanzierungen werden durch steigende Zinsen deutlich teurer, in schlechten Konjunkturphasen bricht zudem die Käufernachfrage ein, wodurch Immobilienwerte fallen können. Da aber immer gewohnt werden muss und sich auch Mieten relativ flexibel an die Inflation anpassen lassen, sind Immobilienwerte weniger volatil als beispielsweise Aktien.
4. Liquidität und Sachwerte
Arbeitet Geld gar nicht, resultiert das immer in einem Kaufkraftverlust. Geld, das unverzinst auf dem Girokonto oder bar in der Schublade liegt, verliert also konsequent an Wert. Deshalb sollten sich liquide Mittel mindestens auf einem Tagesgeldkonto befinden.
Das gleicht die Kaufkraftverluste durch die Inflation womöglich nicht vollständig aus, reduziert sie aber zumindest, während das Geld weiterhin täglich verfügbar ist. Sachwerte wie Gold gelten in Krisenzeiten als sicherer Hafen. Gold und vergleichbare Sachwerte erzielen in Boomphasen und bei sinkenden Zinsen aber traditionell geringere Renditen als Aktien.
Langfristige Vermögensplanung in einem veränderten wirtschaftlichen Umfeld
Anleger sollten niemals „alle Eier in einen Korb legen“. Das gilt auch über Anlageklassen hinweg. Ein diversifiziertes Portfolio ist geografisch, nach Branchen und vor allem nach Anlageklassen diversifiziert. Bei der Zusammenstellung spielen beispielsweise der Anlagehorizont, die eigene Risikotoleranz, der mögliche kurzfristige Liquiditätsbedarf und vorher definierte Anlageziele eine Schlüsselrolle.
Grundlegend wird es in jedem Portfolio zu Schwankungen kommen. Das betrifft nicht „nur“ die Wertentwicklung als Momentaufnahme, sondern auch, wie sich Gewichtungen, beispielsweise der einzelnen Anlageklassen, über die Zeit verschieben. Aus diesem Grund sollte eine regelmäßige Überprüfung stattfinden. Zudem sind auch Anpassungen entsprechend einzelner Marktphasen und perspektivischer Entwicklungen denkbar.
Weil die Marktmechanismen hochkomplex sind, können Anleger diese Aufgabe auch einer professionellen Vermögensverwaltung anvertrauen.
Die Fachleute entwickeln entsprechend den individuellen Gegebenheiten eine strategische Asset-Allokation, können das Risiko steuern und zugleich beratend zur Seite stehen. Speziell bei großen oder bei institutionellen Vermögen wird entsprechend häufig auf eine professionelle, institutionelle Vermögensverwaltung zurückgegriffen.
Eben weil Konjunktur, Zinsen und Inflation miteinander zusammenhängen, sich gegenseitig beeinflussen und zugleich Auswirkungen auf alle Anlageklassen haben, muss eine langfristig gedachte Vermögensstrategie das vom ersten Moment an aufgreifen und berücksichtigen. Dabei ist von Anlegern zugleich zu bedenken, dass sich individuelle Lebensumstände parallel dazu verändern können, was ein weiterer Grund für gezielte Anpassungen sein kann.
Bilderquelle: Vitaly Gariev (Pexels)
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