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Interview: Dr. Christian Kaufmann – “Insolvenzverwaltung – woran scheitert die Sanierung im Insolvenzverfahren regelmäßig? Verbesserungspotentiale?”


Dienstag, 24. März 2015

CM: Herr Dr. Kaufmann, als Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenzrecht arbeiten Sie im Bereich Insolvenzverwaltung – woran scheitert die Sanierung im Insolvenzverfahren regelmäßig? Wie kann man es besser machen?

Dr. Christian Kaufmann:
Die Sanierung von Unternehmen im Insolvenzverfahren scheitert oftmals bereits daran, dass die Insolvenzanträge nach wie vor viel zu spät gestellt werden. Dem Antrag vorangegangen sind dann mehrere Monate, in denen allein mit dem Prinzip Hoffnung am Rande des wirtschaftlichen Abgrunds weitergemacht wird. Das Unternehmen hat in diesen Fällen oft schon soviel Substanz verloren, dass eine Sanierung aus eigener Kraft nach Insolvenzantragstellung kaum mehr gelingen kann. Das ist umso bedauerlicher, als das Insolvenzverfahren viele Sanierungsinstrumente bereithält, die es außerhalb des Insolvenzverfahrens nicht gibt (z. B. Insolvenzgeld, erleichterte Beendigung von unvorteilhaften Verträgen, Erleichterungen bei Personalanpassungsmaßnahmen, Vollstreckungsschutz, etc.). Doch leider sind diese Sanierungsinstrumente den meisten Unternehmern nicht bekannt, weswegen eine Sanierung unter Insolvenzschutz oftmals gar nicht in Betracht gezogen wird. Ein Grund hierfür ist insbesondere die nach wie vor fehlende Insolvenzkultur in Deutschland. Andere Nationen, insbesondere die US-Amerikaner, sind hier viel weiter. Hier gehört die Möglichkeit des Scheiterns zum wirtschaftlichen Agieren dazu. Das am 01.03.2012 in Kraft getretene ESUG hat hier jedoch zum Glück schon zu einem gewissen Wandel geführt.
 
Daneben scheitern Sanierungen manchmal auch am fehlenden Mut einzelner Insolvenzverwalter, Geschäftsbetriebe im Insolvenzverfahren fortzuführen. Dies gilt indes nicht für die führenden Insolvenzverwalterkanzleien, die allesamt sehr fortführungs- und sanierungsorientiert sind. Was kann man also besser machen? Den Insolvenzantrag frühzeitiger stellen und darauf hinwirken, einen fortführungs- und sanierungsorientierten Insolvenzverwalter zu bekommen. Die Möglichkeit hierzu bietet das neue Recht, indem das Gesetz anordnet, dass der vom Schuldner vorgeschlagene Insolvenzverwalter nicht bereits nur aufgrund des Vorschlags nicht mehr als unabhängig gilt.

CM: Beruf Insolvenzverwalter 2015 – Wie sieht bei Ihnen eine “typische Arbeitswoche” aus?

Dr. Christian Kaufmann:
Die gibt es nicht – und das ist das Spannende an diesem Beruf. Man weiß morgens nie ganz genau, was einen am Tag erwartet. Natürlich hat man einen Terminplan mit vielen Aufgaben, aber ein Anruf vom Insolvenzgericht mit einem neuen Fall kann die Planung für viele Tage sehr schnell durcheinanderwerfen.

CM: Steigen oder sinken die Insolvenzfälle aktuell in Deutschland? Wie sieht es im internationalen Vergleich aus?

Dr. Christian Kaufmann:
Die Insolvenzfälle in Deutschland sinken seit einigen Jahren, im letzten Jahr 2014 auf den niedrigsten Stand seit Einführung der Insolvenzordnung vor 15 Jahren. Es findet daher im Markt der Insolvenzverwaltung bereits eine deutliche Konsolidierung statt. Für das Jahr 2015 wird allerdings wieder mit einem leichten Anstieg der Insolvenzfälle gerechnet, während weltweit insgesamt mit weniger Insolvenzen gerechnet wird – von Ausnahmen wie Russland und China einmal abgesehen.

CM: Worauf müssen sich Sanierungs- und Restrukturierungsgesellschaften in Zukunft vermehrt einstellen?

Dr. Christian Kaufmann:
Sanierungs- und Restrukturierungsgesellschaften müssen sich auf einen zunehmenden Wettbewerb einstellen. Einerseits beraten nunmehr auch immer mehr Insolvenzverwalterkanzleien im Vorfeld einer Insolvenz, gleichzeitig streben viele Sanierungsberatungen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in den Bereich der Insolvenzverwaltung, insbesondere den Bereich der Eigenverwaltungen in den großen und lukrativen Verfahren.

CM: Herr Dr. Kaufmann, vielen Dank für Ihre Zeit und die gewonnenen Einsichten. Wir wünschen Ihren Kunden und Ihnen alles Gute und nachhaltigen Erfolg!


 
Zur Person:
Dr. Christian Kaufmann ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenzrecht. Er leitet die Niederlassungen Bremen und Oldenburg der PLUTA Rechtsanwalts GmbH. Seit dem Jahr 2009 ist Herr Dr. Kaufmann als Insolvenzverwalter tätig und wird von mehreren norddeutschen Insolvenzgerichten regelmäßig bestellt. Daneben berät er Unternehmen und Gläubiger zu insolvenzrechtlichen Themen.

Zum Unternehmen:
Die PLUTA Rechtsanwalts GmbH gehört mit über 40 Standorten in Deutschland, Italien, Spanien und Polen zur Spitzengruppe der Sanierungs- und Restrukturierungsgesellschaften in Deutschland. Neben ihrem Schwerpunkt in der Insolvenzverwaltung bietet die PLUTA Rechtsanwalts GmbH Rechtsberatung sowie Sanierungs- und Restrukturierungsberatung an. Kernkompetenz der PLUTA Rechtsanwalts GmbH ist die Sanierung von Unternehmen im Insolvenzverfahren, oftmals mit mehrjährigen Betriebsfortführungen. Prominente Beispiele sind die Gebr. Märklin & Cie. GmbH, die März München AG oder aktuell die Strenesse AG.

(Quelle: Dr. Christian Kaufmann)


 
Dieser Artikel ist Teil des Specials Beratersymposium Oldenburg.
Dieser Artikel ist Teil des Specials Experteninterviews.
Dieser Artikel ist Teil des Specials Beratermarkt.
Dieser Artikel ist Teil der Edition Recht.

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Briefing:

Ein Kurzinterview im Rahmen des “6. Beratersymposiums” der Universität Oldenburg und Hochschule Emden-Leer. Der Kongress vom 13. März 2015, der insbesondere von den Studierenden des gemeinsamen Masterstudiengangs “Management Consulting” organisiert und an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg durchgeführt wurde, widmete sich, unter aktiver Mitwirkung namhafter Repräsentanten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis, dem Thema “Beratung im Übermorgen – Wohin geht die Reise?”. Interviewpartner Dr. Christian Kaufmann, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenzrecht und Niederlassungsleiter der PLUTA Rechtsanwalts GmbH in Bremen und Oldenburg, war als Referent zum Thema “Insolvenzberatung – Herausforderungen der Beratung des eigenverwaltenden Schuldners” auf dem Symposium zugegen.

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