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“Welche Art Start-ups sind für die Media-Saturn-Holding spannend?” – Im Dialog mit Juliane Schiefer, Head Venture Strategy & Venture Management

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Conplore Magazine:
Welche Art Start-ups sind für die Media-Saturn-Holding spannend? Weshalb?

Juliane Schiefer:

Für Media-Saturn als führender Consumer Electronics Händler in Europa sind in erster Linie Start-ups interessant, die sich mit Lösungen entlang unserer Wertschöpfungskette befassen. Dies können im Customer Experience-Bereich Themen rund um Artificial Intelligence und Virtual Reality sein, oder innovative Tech-Produkte. Ein weiterer Schwerpunkt sind Lösungen für die Media-Saturn Business Operations. Hierbei finden wir Geschäftsmodelle in den Feldern FinTech, Logistik- und Zustelllösungen, CRM, Content Technologies, Instore Analytics und E-Commerce Enhancement spannend. Außerdem sehen wir viel Potential in IoT- und IT-Security-Konzepten sowie in Cloud und Home Services.

Neben der Nähe zur MSH-Wertschöpfungskette suchen wir nach talentierten und innovativen Entrepreneur-Teams, die eine Nähe zum Media-Saturn-Ökosystem und unserem Produktportfolio aufweisen. Hilfreich ist es, wenn sich deren Kernmärkte mit unserem geographischen Fokus decken. Wir sind Marktführer im Consumer Electronics Retail in Deutschland, Spanien, Italien, Österreich, den Benelux-Staaten, Polen und Ungarn. Daneben sind auch die Türkei, Russland sowie Israel, obwohl wir dort nicht vertreten sind, von Bedeutung für uns.

Durch diesen Investitionsfokus stellen wir eine sehr gute Basis für erfolgreiche strategische Kooperationen zwischen den Start-ups und dem Konzern her.

Was das Stadium der Gründung anbelangt, so bevorzugen wir vollständige Teams, die bereits eine Gesellschaft gegründet und ein Minimum Viable Product entwickelt haben.

Conplore Magazine:
Kooperation statt Kulturkollision –
Welche Rolle spielt der CVC-Investor?

Juliane Schiefer:

Der CVC sollte meines Erachtens Hauptansprechpartner zu allen Finanzierungsthemen sein, sowohl für das Management des Unternehmens, das den CVC errichtet hat, als auch für das Beteiligungsunternehmen.

Zudem sollte der CVC die weitere Zusammenarbeit zwischen Beteiligungsunternehmen und etabliertem Unternehmen managen.
Wie intensiv die operative Betreuung der Kooperation zusätzlich von weiteren Einheiten des Unternehmens übernommen werden sollte, hängt von Komplexität, Inhalt und Umfang der Kooperation ab. Der CVC ersetzt keinesfalls die Experten im Unternehmen, sondern sollte das Start-up im besten Fall optimal in das Unternehmen hinein vernetzen und eine gute Struktur für eine erfolgreiche Zusammenarbeit schaffen und auch pflegen. Funktioniert dieses Schnittstellenmanagement nicht, so ist Ärger vorprogrammiert, schließlich treffen zwei Partner mit zumeist völlig unterschiedlichen Unternehmenskulturen und -interessen aufeinander.

Conplore Magazine:
Erfolgsfaktoren für eine gelungene Start-up-Kooperation? Ein Positiv-Beispiel?

Juliane Schiefer:

Welche Erfolgsfaktoren eine gelungene Start-up-Kooperation ausmachen, kann präzise für jeden CVC nur individuell beantwortet werden, da die Investitionsstrategien von CVCs, und damit auch Kooperationstiefe und -inhalt, sich mitunter ganz erheblich voneinander unterscheiden.

Häufig wird schon aus einem einzigen Unternehmen heraus mit verschiedenen Vehikeln investiert, die völlig unterschiedliche Ziele verfolgen und mithin auch auf sehr unterschiedliche Weise kooperieren.

Um Erfolgsfaktoren konkret benennen zu können, muss sich das Unternehmen demnach zunächst im Klaren sein, welches Ziel es mit den Beteiligungen verfolgt und mit welcher Gesamtstrategie dieses Ziel verfolgt werden soll.

Selbiges gilt übrigens auch für Kooperationen, bei denen das Unternehmen an dem Start-up nicht beteiligt ist.

Einige Grundsätze gelten jedoch aus meiner Sicht für jede Kooperation zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen:

Zum einen sollten klare Kommunikationsrichtlinien und Zuständigkeiten definiert werden, zum anderen ist auf beiden Seiten ein hohes Maß an Verständnis für die jeweils andere Welt vonnöten. Dieses Verständnis hilft beiden Seiten dabei, mögliche Reibungspunkte und Sollbruchstellen frühzeitig zu erkennen und diesen lösungsorientiert zu begegnen.

Ein Beispiel einer in diesem Sinne sehr positiv verlaufenden Kooperation aus unseren eigenen Reihen ist die Zusammenarbeit mit der Deutschen Technikberatung (DTB).

Die Deutsche Technikberatung versteht sich als “Technikhilfe für Zuhause” und bietet mit einem professionellen Beraternetzwerk schnelle Hilfe bei technischen Fragestellungen. Ausgewählte und besonders geschulte Technikberater kümmern sich bei Privatkunden und kleinen Betrieben wie etwa Restaurants um alle Fragen rund um Kauf, Installation, Vernetzung und Fehlerbehebung moderner Technik.

Nachdem die Gründer Anfang vergangenen Jahres im Media-Saturn SPACELAB Accelerator aufgenommen worden waren, wurde ein gemeinsames Pilotprojekt durchgeführt. Mit erfolgreichem Abschluss des Piloten wurde die Zusammenarbeit auf 13 Saturn-Märkte ausgeweitet. Auch ein Folgeinvestment wurde im vergangenen Sommer gewährt. Nun steht der weitere Rollout bevor.

Nur die gute Kommunikation mit den Gründern und das große Verständnis für die jeweils andere Unternehmenskultur und -struktur ermöglichte eine derart erfolgreiche Zusammenarbeit.

Conplore Magazine:
Ihr Rat an Start-ups mit Interesse an VC-Finanzierung?

Juliane Schiefer:

Wer eine VC-Finanzierung sucht, sollte sich frühzeitig mit Experten aus der Branche austauschen.

In Frühphasen wenden sich viele Gründer an erfahrene Business Angels aus dem eigenen Netzwerk. Ich erlebe hier häufiger eine gewisse Nachsichtigkeit mit Anfangsschwächen in der Außendarstellung der Start-ups. Auch ist die Bereitschaft der Angels oft groß, auserwählte Start-ups intensiv zu coachen und beim weiteren Fundraising zu unterstützen.

Auch spezielle Finanzierungsnetzwerke bereiten Gründer im Wesentlichen kostenfrei und sehr gezielt auf das Fundraising vor und verfügen teilweise über eine große Datenbank mit Investorenkontakten. Die entsprechenden Netzwerke sind online leicht zu recherchieren.

In jeder Phase der Unternehmung sollte zudem unbedingt ein intensiver Austausch mit erfahrenen Gründern gepflegt werden.

Conplore Magazine:
Frau Schiefer, vielen Dank für die spannenden Einblicke und die fundierten Praxistipps!

 


 

Über Juliane Schiefer:

Juliane Schiefer ist Head of Venture Strategy and Venture Management bei der Electronic Online Group von Media-Saturn sowie als Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Venture Capital tätig.

Über Media-Saturn:

Media-Saturn ist Europas führendes Handelsunternehmen für Consumer Electronics sowie die dazugehörenden Services und Dienstleistungen. Zum Unternehmen zählen die Marken Media Markt und Saturn. Zudem betreibt die Unternehmensgruppe reine Online-Anbieter wie redcoon und iBood sowie die digitale Entertainmentplattform JUKE. Die eigenen Marken PEAQ, KOENIC, ISY und ok. runden das Portfolio ab. Media-Saturn erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2015/16 mit rund 65.000 Mitarbeitern in 15 Ländern einen Nettoumsatz von rund 22 Milliarden Euro.

(Quelle: Juliane Schiefer)


Redaktioneller Eventtipp:
Treffen Sie Juliane Schiefer in München. Eine 1. Fachkonferenz zum Thema “Start-up-Kooperation” mit ihr findet im Februar 2017 statt.

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