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Joint Future Work und Bundeswehr

JOINT FUTURE WORK UND BUNDESWEHR
Teil 1: Die Folgen des Unverständnisses der eigenen CI


Montag, 15. Mai 2017

JOINT FUTURE WORK[1] und Bundeswehr –
Teil 1: Die Folgen des Unverständnisses der eigenen CI

MEINUNG Als Ursula von der Leyen ihr Amt übernahm ahnten viele, dass da nun etwas kommt, was anders ist. Wie anders aber, konnte man sich kaum vorstellen.
Mit “Ungedienten” hatte man so seine Erfahrungen gemacht. Nicht immer gute. Und nun eine Frau. Eine Frau, die gleich mal eine zweite Frau mitbrachte – als Staatssekretärin für den recht weit gefassten Problembereich “strategischer Einkauf und Projektmanagement”. Frauenpower im Doppelpack. Aber war das ein Kompetenzgewinn?
Ein Zugewinn an Verständnis um das Wesen dessen, was eine Armee im 21. Jahrhundert braucht? Oder auch nur ein klareres Bild von dem, was ein Soldat nun mal wirklich ist und braucht?
 
Die Bundeswehr ist, bei allen Sparmaßnahmen seit 1990 inzwischen eine chronisch unterfinanzierte Armee, mit teilweise völlig veraltertem Gerät und einem Projektstau für neue Waffensysteme, der allein schon Tausende beschäftigt hält.
 
Wo 1990 noch 495.000 Mann und 180.000 Zivilbeschäftigte sowie 170.000 Mann NVA existierten sind heute noch 178.233 (gem. BMVg P I 1 vom 31. März 2017) und 60.000 Zivilbeschäftigte. Im Februar hieß es dann, dass man bis 2024 auf 198.000 Mann und 61.000 Zivilbeschäftigte wachsen will.
 
Und exakt dieses Planziel geht in den dann signifikant spürbaren demographischen Wandel hinein. Es stellt sich die Frage: schafft die Bundeswehr das?
 
Daher ist zu aller erst die Frage zu stellen, wen man braucht, was er können muss und was er zusätzlich an Eigenschaften mitbringen muss, um als Soldat bestehen zu können.

Wer wird gebraucht?

Die Bundeswehr ist praktisch ein Spiegelbild der Gesellschaft und strukturiert wie ein Großkonzern und den damit einhergehenden Vor- wie auch Nachteilen. Es wird also fast jede Berufsgruppe gebraucht. Um einen Soldaten im Einsatz zu unterhalten, sind mitunter – einsatzspezifisch – durchschnittlich bis zu zwölf andere Soldaten nötig.
 
Daher werden Logistiker, Sanitäter, Mechaniker, Klimatechniker, Mechatroniker und ITler genauso benötigt wie ein Grenadier im hinteren Kampfraum eines Marder/ Puma/ Fuchs/ Boxer.

Was muss er können?

Bewerber müssen neben einem Schulabschluss eigentlich nichts mitbringen, da die Bundeswehr selbst ausbildet. Doch sind vorhandene Berufsabschlüsse sinnvoll, weil darauf aufgebaut werden kann. Einige Tätigkeiten werden auch gar nicht mehr ausgebildet, sondern von Anfang an eingekauft, was am Einstiegsdienstgrad (und damit am Gehalt) sichtbar wird.

Welche weiteren Eigenschaften braucht ein Soldat im Gegensatz zu anderen Berufsbildern?

Eigentlich gar keine bis auf eine winzige Kleinigkeit, die aber vernachlässigbar ist: er muss bereit sein jederzeit auf Befehl dahin zu gehen, wo sein Dienstherr ihn sehen will und sich dort in Ausübung seines Dienstes (seiner Arbeit) in extremis töten zu lassen.
 
Und nun reden wir mal darüber, wie ein besserer Internetanschluss in der Kaserne, bessere Verpflegungsauswahl und eine schönere Möblierung von Einzelstuben das kompensieren kann…
 
Spätestens hier wird deutlich, dass bei der Formel etwas nicht stimmt und Soldaten eine Eigenschaft, eine Qualifikation und/oder eine Charaktereigenschaft besitzen müssen, die bei Siemens, der Commerzbank oder beim Katasteramt so nicht nötig sind.

 


 

“Ich schwöre der Bundesrepublik Deutschland
treu zu dienen
und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes
TAPFER zu verteidigen!”

 


 

“Tapfer” heisst es im allg. Diensteid für Staatsdiener nur bei der Bundeswehr bei Soldaten. Ggf. auch noch bei der Polizei. Aber es macht deutlich, dass da die Eidesformel angepasst wurde, was die Bedeutung nur unterstreicht.
 
Wenn also ein Soldat gemäß seinem geschworenen Eid tapfer sein muss (nicht soll!), der Dienstherr das auch so abfordert, was muss dann objektiv vorliegen, dass die Bundeswehr solche Talente finden, ansprechen und anwerben kann. Und was muss sie tun, damit diese Talente bereit sind wirklich für den Eid zu sterben?

Die erste Frage ist ein gesellschaftliche Dimension und die zweite Frage ein Verständnisproblem.

Gesellschaftlich muss dafür Sorge getragen werden, dass Rechte und Pflichten gleichrangig gesehen werden und die freiheitlich-rechtliche Grundordnung so verinnerlicht wurde, dass sie verteidigungswert erscheint. Man also auch bereit ist für diese physisch einzustehen. Gemeinhin ein Unterschied zu Lippenbekenntnissen aller Art aus friedlichen Umgebungen heraus…
 
Doch macht das unsere Gesellschaft? Oder ist sie vielmehr der Showstopper? “Soldaten sind Mörder” war so ein Urteil, dass jedem einigermaßen intelligenten Menschen mit beruflichen Wahlmöglichkeiten aufgezeigt hat, dass Recht nicht Gerechtigkeit ist und daher ggf. auch nicht verteidigt werden braucht. Und das mögliche eigene Opfer von vielen auch noch verspottet wird. Die gesellschaftliche Würdigung des Dienstes und des möglichen Opfers letztlich nur Lippenbekenntnisse derer sind, die davon profitieren, dass andere das Opfer an dem sie dann “wertschöpfen” erbringen. Man also schön blöd sein muss, den Mist mitzumachen. Gerade als denkender Bürger.
 
Doch es gibt sie. Bürger beiderlei Geschlechts, die exakt dazu bereit sind. Trotz Spott. Trotz Anfeindungen, Beleidigungen und persönlichen Nachteilen schon ab dem ersten Tag an. Dazu gehören Freizügigkeit, Entfaltungsmöglichkeiten und Meinungsfreiheit. Auch diese werden dem Uniformitätsprinzip untergeordnet. Zwangsläufig und gewollt, denn Armee in extremis kann nicht demokratisch laufen; nur auf Befehl und Gehorsam. Und auch das muss (ein)geübt werden.
 
Doch was kann die Bundeswehr tun, damit die offensichtlich nicht gerade gesellschaftlich geförderten aber notwendigen Attribute gefestigt, ausgebaut und gefördert werden?
Was kann die Bundeswehr einem Menschen mitgeben, damit er dann, irgendwo auf der Welt allein in seinem Schützenloch kauernd, seinen Dienst erfüllen kann? Auch im Angesicht des Todes. Und der kommt mitunter nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel.
 
Oder anders gefragt: Wenn die Leuchtspurgeschosse die Luft um einen herum in nette Streifen schneiden, das Zirpen und die Plopp-Geräusche vorbeifliegender Kugel nervös machen und Explosionen die Idylle trüben, auf was kommt es dann an? Was hält den Soldaten in der Stellung? Freiheitlich-rechtliche Grundordnung? Das Bewusstsein einen Befehl dazu zu haben? Die Familie, Frau und Kind womöglich am anderen Ende der Welt?
 
Mit Sicherheit nicht. Da zählen nur zwei Dinge:
Der Kamerad rechts und links von mir. Alles andere ist pseudointellektueller Mist!
 
Ergo muss ich als Bundeswehr dafür sorgen und alles tun, damit die Kameradschaft gefördert wird. Sie im Frieden und der Ausbildung wachsen kann, damit sie unter Belastung hält.
 
Doch wie geht das? Reicht es, eine CI zu definieren, sie als “Innere Führung” in die Ausbildung und Erziehung mit einfließen zu lassen und eine nette “Wohnatmosphäre” im Friedensbetrieb zu schaffen, die dann die Gemeinschaft und den Anreiz dazuzugehören fördert?  
Anders gefragt: kann ein neues kuschliges Bett, Einzelstube und wieviel Bandbreite freies Internet den möglichen eigenen Tod kompensieren? Mich darauf vorbereiten helfen? Korpsgeist aufkommen lassen? Oder widerspricht schon der Charakter von Einzelstuben, so nett sie auch sind, dem Ziel von Kameradschaftsbildung.

Was machen andere Armeen? – Die Antwort ist einfach: Tradition und Rituale.

Die Tradition begründet sich auf dem, was eine Einheit in ihrer Geschichte geleistet hat. Was sie an Opfern gebracht hat, um ihren Auftrag zu erfüllen. Damit steht jeder Soldat in dieser Einheit (der Armee an sich) in einer langen Tradition von Soldaten, teilweise über hunderte Jahre zurück, die wie er gedient, gelitten und gekämpft haben. Sichtbares Zeichen der Identität einer Einheit ist hier die Truppenfahne. Daher auch ihr Stellenwert im Gefüge eines Verbandes; so wird sie beim Präsentieren stets begleitet und bewacht.
 
Letzteres ist dann auch gleich ein Ritual, das sehr deutlich wird, wenn man sich die Geburtstagsparade “Trooping the colours” der englischen Königin ansieht. Jeder Uniformknopf der paradierenden Einheiten ist unterschiedlich. Jede Fahne mit den Schlachten bestickt. Selbst die Bärenfellmützen haben eine Bedeutung und Funktion im Ritual und der Tradition. Selbst die Bezeichnung “Brigade of Guards” folgt einer Tradition und Funktion im Gefüge der Armee.
 
Die US-Kavallerieregimenter (haben nun Panzer) gehen auf die zehn Regimenter zurück, die den Westen “erobert” haben. Darunter auch die 7. US Kavallerie, die stolz General Custer als ihr Aushängeschild hat und über die Weltkriege, Korea, Vietnam bis in den Irak gerollt ist.
 
Damit wissen die Soldaten in diesen Einheiten, zu wem sie gehören, was andere vor ihnen geleistet haben und dass sie nie vergessen werden, denn jede Einheit hat ihre Ehrenlisten, die auch in Ehren gehalten werden.
Wirklich und ständig – nicht als mediales Lippenbekenntnis.
Und sie wissen, dass ihre Bevölkerung ihre Opfer wertschätzt.
 
Beides fehlt in Deutschland. Auf beides kann die Bundeswehr nicht bauen. Tradition beginnt ab 1955.
Es gibt sogar einen Traditionserlass, der, ständig dem fortschreitendem – andere sagen verfallendem – Zeitgeist angepasst wurde. Einem Zeitgeist, der immer darauf abzielte die Meinung derer abzubilden, die selbst nie da sein wollten, wo sie andere aber gern mal hinschickten. Zum Beispiel Deutschland am Hindukusch verteidigen zu wollen, aber ohne das Wort Krieg in den Mund zu nehmen.
 
Das beisst sich in jeder Form mit dem, was Soldaten dort leisten mussten und immer noch leisten. Moralisch, ethisch, rein theoretisch und intellektuell.
 
Die Bundeswehr ist ein Spiegel der Gesellschaft. In ihr gibt es Homosexuelle und auch Transsexuelle. Feiglinge, die sich trotz allem weigern Feldlager im Einsatz zu verlassen, Einsatzjunkies, die ohne Einsatz nicht mehr leben können und froh sind nicht im Friedensbetrieb arbeiten zu müssen. Ja-Sager, Opportunisten und Karrieristen. Wenige Linke und dafür auch Rechte. Vermutlich auch überdurchschnittlich viele Rechte. Manche Berufe ziehen Nationalkonservative an. Und Berufe, die ausdrücklich das Wort “tapfer” im Eid beinhalten, ziehen solche Leute – logischerweise(!) – magisch an.
 
Und wenn wir ehrlich sind, wäre die Bundeswehr ohne diese Leute gar nicht denkbar. Man muss schon recht idealistisch i.e.S. von patriotisch sein, um gesellschaftliche Ignoranz einerseits und mögliches persönliches Risiko andererseits zu ertragen.
 
Stellen wir uns einmal vor, Siemens oder Daimler würden anfangen Belegschaften von jetzt auf gleich in Krisengebiete zu verlegen, wo sie unter Einsatz ihres Lebens Fabriken und Werke aufbauen und betreiben sollen, weil die Gesellschafterversammlung, die Aktionäre, das für ein gute Idee gehalten hat. Natürlich zahlt man Zulagen. Mit Geld ist alles aufzuwiegen. Dennoch glaubt keiner ernsthaft daran, dass solche Unternehmen dann keine Personalprobleme hätten.
 
Und nun stellen wir uns vor, dass der Vorstandsvorsitzende anfängt den Leuten vorzuschreiben, was sie als Unternehmenstradition zu sehen haben und was nicht. Und was für Rituale sie sich für sich ausdenken dürfen. Könnte er machen. Macht er sicher auch. Einmal. Dann stimmt die Belegschaft eine Zeit lang mit den Füssen ab. Und dann gibt es einen neuen CEO. Einen, der verstanden hat, was da an – neuen – Zusammenhängen existiert.
 
Und nun betrachten wir die Bundeswehr, ihren Anspruch an sich und die Welt, ihre Ausrüstung, ihre Einsatzgebiete und das gesellschaftliche Umfeld, das sie so fördert, dass junge Männer und Frauen bereit und willens sind notfalls auch ihr Leben zu opfern.
 
Die Universität der Bundeswehr Hamburg, die nun den Namen Helmut Schmidt trägt, der sie als Verteidigungsminister einst (1973) gründete, der einer der wenigen Ehrendoktoren dieser Universität ist, hat nun sein Bild in der Uniform eines Leutnants der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg abgehängt.
 
Gleichzeitig studieren dort über zweitausend Offiziere, die dann nach dem Studium mit eben dieser Armee in Einsätze gehen sollen. Vielleicht sogar in diesen sterben müssen.
Was werden die davon nun lernen? Kameradschaftsbildend mitnehmen? Für sich und ihre (zukünftigen) Untergebenen? Und was werden sie tun, um das, was eine Armee wirklich ausmacht, Kameradschaft in der Tradition derer, die auch gedient haben, mitunter gefallen sind, zu fördern? – Nichts werden sie tun.
 
Seit dem Aussetzen der Wehrpflicht hat die Bundeswehr ein selbstverschuldetes Personalproblem.[2]
 
Die Masse der länger dienenden Mannschaften und Unteroffiziere konnten vorher aus den Wehrpflichtigen gewonnen werden, denen das, was man ihnen anbot, gefiel. Mitunter auch, weil sie in strukturschwachen Gebieten wohnten und die Bundeswehr berufliche Perspektive bot.
Ein Argument, das die Zahlen vor 2011 auch erklärt, dennoch nun doppelt auf die Bundeswehr zurückfällt: die Wirtschaft bietet zunehmend Alternativen und ist im beginnenden demographischen Wandel in ihren Angeboten flexibler als die Bundeswehr. Und – es schießt keiner auf einen!
Ein kleiner aber mitunter ausschlaggebender Punkt.
 
Doch wie steht es um die Tradition der Bundeswehr bestellt, die vormals von den Unteroffizierkorps der Einheiten gelebt und getragen wurde. Die das Bindeglied zwischen politischen Anspruch und Realität waren. Die mit den Offizieren zusammen das aufzubauen hatten, was eine belastbare Basis in extremis war? Die regulierend eingriffen?

Die Unteroffizierkorps wurden de facto abgeschafft!

Der Personalmangel zwang die Bundeswehr dringend benötigte Fachkräfte mit höheren Einstiegsgehältern einzustellen, was nur über den Dienstgrad ging. Doch der Dienstgrad war ein Zugehörigkeitselement zu bestimmten Dienstgradgruppen, die vorher nur über die Zeitachse zu erreichen waren. Und auf dieser Zeitachse, wurde der Soldat geführt, ausgebildet und erzogen! Mitunter auch zu einem Menschen, der die freiheitlich-rechtliche Grundordnung dann besser verstand als vor seinen Eintritt. Das wird gern übersehen.
 
Doch so war er gemäß Dienstgrad sofort in der Position etwas zu haben, Teil von etwas zu sein, das er so sich nicht erarbeitet hat. Von dem er kein Teil war. Und hier waren die Unteroffizierkorps überfordert. Alte gingen, Kameradschaften wurden auseinandergerissen, Personal ständig neu verteilt und Verbände nach politischem Belieben und Opportunismus (Standortfrage!) umstrukturiert.
Da wurden Panzerverbände zu Infanterie und Infanterie zu was auch immer. Gern auch zeitgleich.
 
Dass hier der Zusammenhalt und das innere Gefüge jahrzehntelang gewachsener Unteroffizierkorps zerstört wird, ist folgerichtig, wurde aber von den Protagonisten im Ministerium billigend hingenommen. Auch das fällt ihnen nun öffentlichkeitswirksam vor die Füße.
 
Ursula von der Leyen trat mit dem Versprechen an die Bundeswehr aus dem Planungschaos herauszuführen, die Projektorganisation zu straffen und den Streitkräften nach fast zwanzig Jahren politischer Willkür wieder Planungssicherheit zu geben.
 
Das tat sie auf Basis dessen, was sie verstand. Nur war dieses Verständnis meilenweit von dem entfernt, was das Wesen einer Armee ausmacht. Was das Wesen der ihr anvertrauten Soldaten ausmacht. Dem Verständnis was ein Soldat braucht, um das zu tun, was er tun soll. Und ganz besonders dem fehlenden Verständnis dafür, dass Soldaten neben einer beruflichen Qualifikation noch etwas haben müssen, was sie in unserer(!) Gesellschaft zu einer sehr knappen Ressource macht: der Bereitschaft für die zu sterben, die sie auslachen, verhöhnen und beleidigen.
 
Frau von der Leyen zerstört gerade noch das allerletzte Bindeglied zwischen Soldaten und uniformierten Ja-Sagern politischer Couleur und persönlicher Opportunität. Sie missverstand soldatischen Gehorsam als Akzeptanz und Ja-Sagertum auf Generalsebene als fachliche Zustimmung.
 
Sie förderte im Ministerium die Stromlinienform und Konformität einer Clique von Offizieren, deren Hauptaugenmerk auch nicht mehr da zu suchen ist, was dieses schon bei ihr mangelnde Verständnis ausmacht.
 
Wenn man die CI der Bundeswehr betrachtet stellt man ein völliges Auseinanderfallen von Anspruch, Wirklichkeit und grundlegender Aufgabe von Streitkräften fest. Die Fixierung des Soldatenberufs auf die physische mitunter auch bloße rhetorische Verschönerung/ Verbesserung seines Dienstes in einer Umgebung, die sich ständig nach dem Mainstream neu ausrichtet.
 
So lässt sich nicht führen. So kann niemand irgendwo führen, wo am Ende des Jahres eine Bilanz erstellt werden muss, die die Gesellschafter akzeptieren.
 
Die Bundeswehr hat so viele organisatorische, materielle, personelle und strukturelle Schwachpunkte, dass diese zu “Schwachflächen” mutiert sind.
Hier in den beginnenden demographischen Wandel hinein, mit einer Generation Z im Nacken, an Personalaufwuchs zu denken und ein Cyberkommando auf Basis einer neuen Teilstreitkraft zusätzlich ausgestalten zu wollen zeigt ungebrochenen Optimismus oder einen Grad der Hybris, der schon krankhaft verklärt ist.
 
Letztlich ist sie aber im abzusehenden ein deutliche Warnung an alle Unternehmen, wie das Verkennen der wirklichen Bedürfnisse der Belegschaft als eklatanter Führungsfehler schnell offensichtlich werden kann. Besonders dann, wenn der Führende selbst keinerlei Bezug zum Geführten hat.[3]
 
Und es wird deutlich, dass der qualitative Aufwuchs von Belegschaften auch maßgeblich vom Image abhängt, das ein Unternehmen real und abseits der Wunsch-ppts auf C-Ebene hat. Dass Abgasskandale bei Autobauern oder Gier bei Bankern schnell für ganze Branchen nachteilig werden können, wenn Mitarbeiter sich für ihr Management rechtfertigen müssen. Oder sogar angefeindet werden…
 
Wenn auch nur irgendetwas klar macht, dass man so in Zeiten von Digitalisierung und demographischen Wandel nicht führen kann, hat das Frau von der Leyen aufschlussreich, anschaulich und medienwirksam zum Nachteil der Bundeswehr geschafft.
 
Die Personalplanung im Ministerium sollte sich schon mal darauf einstellen, in Zukunft ganz kleine Brötchen zu backen oder die Kurve bekommen zu wollen das Wort “Jawohl” öfters durch mehr Rückgrat zu ersetzen. Das macht nicht beliebt, wäre aber durch den Eid gedeckt…

 
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Quellenverzeichnis:

[1] Vgl.: Future Business Consulting: Definition Joint Future Work (2014)

[2] Die Graphik zeigt die Personalentwicklung seit 2000. Deutlich wird auch der gravierende Rückgang von freiwillig Längerdienenden (FDWL), die zum Teil damals aus der Wehrpflicht generiert wurden. Wie auch die Masse der Zeitsoldaten im Unteroffiziersbereich.

Grafik bei Statista aufrufen

[3] Vgl.: Dr. Achim Wortmann / Sascha Rauschenberger: JOINT FUTURE WORK und Workforce Analysis – die Basis für erfolgreiches Future Workforce Planning, bei: Conplore Magazine (2016)


Briefing:

MEINUNG Als Ursula von der Leyen ihr Amt übernahm ahnten viele, dass da nun etwas kommt, was anders ist. Wie anders aber, konnte man sich kaum vorstellen. Mit “Ungedienten” hatte man so seine Erfahrungen gemacht. Nicht immer gute. Und nun eine Frau. Eine Frau, die gleich mal eine zweite Frau mitbrachte – als Staatssekretärin für den recht weit gefassten Problembereich “strategischer Einkauf und Projektmanagement”. Frauenpower im Doppelpack. Aber war das ein Kompetenzgewinn? Ein Zugewinn an Verständnis um das Wesen dessen, was eine Armee im 21. Jahrhundert braucht? Oder auch nur ein klareres Bild von dem, was ein Soldat nun mal wirklich ist und braucht? (…)


Dieser Artikel ist Teil der Editionen Sicherheit & Verteidigung, Future Work.

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